Jane Gardam, Die geheimen Briefe

Jane Gardam, Die geheimen Briefe / The Sidmouth Letters, 2014, dt. 2016/2017, übersetzt und mit einem Nachwort versehen von Isabel Bogdan, 92 Seiten.

Ein weiteres Schmuckstück in der Edition 5plus, dezentes Bleu und kräftiges Rot. Wie es sich für eine richtige Kurzgeschichte gehört, führen die ersten Sätze den Leser mitten hinein ins Geschehen. Klare, gleichermaßen knappe wie detailreiche Erläuterungen liefern Hintergrund und Vorgeschichte des aktuellen Geschehens.

Familientradition, Forscherdrang, Lebenserfahrung werden zusammengeführt, blitzen andeutungsweise auf, werden besprochen und bedacht, um am Ende eine überraschende Entscheidung zu fällen. Vielleicht war es auch nur für mich eine überraschende Entscheidung in einer Frauengeschichte.

Nett.

Aber enttäuscht bin ich doch.

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Brücke-Museum – Januar 2017

Das Brücke-Museum wurde 1967 eröffnet. Es ist der Arbeit der Künstlergruppe „Brücke“ gewidmet. Diese wurde 1905 in Dresden von vier Architekturstudenten gegründet: Ernst Ludwig Kirchner, Fritz Bleyl, Erich Heckel und Karl Schmidt, der sich von nun an nach seinem Geburtsort Schmidt-Rottluff nannte. Sie wollten neue Wege im künstlerischen Ausdruck finden und sich vom Stil der Akademien lösen, der ihnen nicht mehr zeitgemäß erschien. Der Stil, den die Künstler in gemeinsamer Arbeit entwickelten, ist als Expressionismus in die Kunstgeschichte des 20. Jahrhunderts eingegangen. Weitere Künstler treten der „Brücke“ bei: vor allem Emil Nolde (1906-1907), Max Pechstein (1906-1912) und Cuno Amiet (ab 1906). 1913 löste sich die „Brücke“ auf.

Am 1 . Dezember 1964, dem 80. Geburtstag Schmidt-Rottluffs, fasste der Senat von Berlin den Beschluss, einen Museumsneubau zu errichten. Schmidt-Rottluff und Reidemeister entwickelten die Vorstellung, das Gebäude nicht inmitten der Stadt, sondern in unmittelbarer Nachbarschaft zur Natur zu errichten, da für die „Brücke“ die Harmonie von Mensch und Natur ebenso wie die Einheit von Kunst und Natur von großer Bedeutung gewesen war. Reidemeister berichtete rückblickend; „Klar war mir nur, dass es ganz in der Landschaft eingebettet sein musste. Berlin bietet dazu herrliche und vielfältige Möglichkeiten. Vielleicht waren die ersten Überlegungen zu romantisch bestimmt, ich dachte an Schildhorn, wo ich an der kleinen, von Segelbooten und Schwänen belebten Bucht in einem Alt-Berliner Ausflugslokal mit Schmidt-Rottluff Baupläne schmiedete. Mein Geheimtip war eine Lichtung im Walde am Rupenhorn, die von majestätischen alten Kiefern umstanden wie eine Krone hoch über der Havel liegt.“ Die endgültige Entscheidung des Senats war pragmatischer und praktisch orientiert: Die Wahl fiel auf ein am Rande des Grunewalds gelegenes Grundstück im Besitz des Landes, das die Vorstellung Schmidt-Rottluffs von unmittelbarer Nähe zur Natur erfüllte, gleichzeitig aber auch leichter mit öffentlichen Verkehrsmitteln oder dem Auto für die Besucher zu erreichen war. Reidemeister zeigte sich zufrieden: „Dies hielt genau die Mitte zwischen stiller Abgeschiedenheit und Erreichbarkeit.“ Der jetzige Bussardsteig als Zufahrt zum Gebäude wurde eigens angelegt, die Lage am Ende der Straße soll das Gefühl erzeugen, „an einem Ziel angelangt zu sein, das zum Verweilen einlädt“, wie Reidemeister erklärte. Der damalige Stadtbaudirektor Werner Düttmann, der auch die Akademie der Künste am Hanseatenweg realisiert hatte, wurde mit den Planungen für das neue Museum betraut. Am 16. Januar 1967 erfolgte die Grundsteinlegung in Anwesenheit von Schmidt-Rottluff und seiner Frau, die sich auch an den Baukosten finanziell beteiligten. Bereits neun Monate später, am 15. September 1967, wurden das Haus und die Sammlung der Öffentlichkeit übergeben. (http://www.bruecke-museum.de/museum.htm)

Ich bin in den letzten fünfzehn Jahren regelmäßig ins Brücke-Museum gegangen, um interessante, besondere Ausstellungen oder auch die Präsentation der normalen Sammlung anzuschauen.

Am 21. Januar 2017 wurde die Ausstellung „Die Künstler der „Brücke“ – Gemälde, Zeichnungen und Druckgraphik“ eröffnet; im Jubiläumsjahr des Museums gibt sie einen Überblick über das Schaffen der Gruppe.

In dem überschaubaren Museum kann man gut vor und zurück gehen, um Seheindrücke zu vergleichen.

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Grundriß | Foto: nw2017

Der Bestandskatalog „Brücke Highlights“ aus dem Jahr 2012 (14.- €) enthält 297 Werke und ist – neben den prächtigen Ausstellungskatalogen – ein wichtiger Schlüssel zum Verständnis der Kunst der „Brücke“.

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Fleckentfernung

Andor Endre Gelléri, Die Großwäscherei, 1931, dt. 1962 (DDR) und 2015 (neue Übersetzung aus dem Ungarischen von Times Tankó), Berlin: Guggolz-Verlag. Der kurze Roman – einundzwanzig Kapitel auf knapp zweihundert Seiten im Oktavformat – um die Großwäscherei Phönix spielt in Budapest; Gelléri stellt die Mitarbeiter und ihren Chef vor und wirft gleichzeitig einen Blick auf die moderne Großstadt der 1920er Jahre.

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Warnemünde (1938-2013) Foto: nw2011

Im idyllischen Warnemünde nahm ich im Sommer 2011 dieses Foto einer Wäscherei auf, die Ende der 1930er Jahre eröffnet wurde. Die hektische Betriebsamkeit Budapests, mit der Gelléri seinen Roman beginnen läßt, war hier, in einer echten Sommerfrischenidylle, nicht zu spüren. Die schweren Arbeitsbedingungen werden freilich ebenfalls geherrscht haben.

Gelléri (1906-1945) hat in seinem, von den Nationalsozialisten gewaltsam verkürzten Leben viele Texte geschrieben, sein Realismus wird im Lauf der Zeit ausgeprägter, heißt es im Nachwort. Der starke Beginn macht die Stadt zur Protagonistin, doch tritt Budapest danach sehr in den Hintergrund. Die Arbeitswelt der Hauptpersonen und deren persönliches Schicksal prägen den weiteren Text.

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Lesevorhaben für 2017

Da sind einige Bücher, die noch fertiggelesen werden wollen. Dazu gehören Jan-Werner Müllers „Das demokratische Zeitalter. Eine politische Ideengeschickte Europas im 20. Jahrhundert“ und Jaron Laniers „Wenn Träume erwachsen werden. Ein Blick auf das digitale Zeitalter“ ebenso wie die zuletzt mit kritischen Anmerkungen beiseitegelegte Schrift über Henry Kissinger von Greg Grandin. Allesamt Sachbücher, die sich stückweise lesen lassen, aber dennoch bald zum Abschluß gebracht werden sollen. Auch die Jahrbücher der Goethe-Gesellschaft und der Thomas-Mann-Gesellschaft bieten noch Lesestoff – nicht, daß ich sämtliche der dort versammelten Texte läse, aber doch jedes Jahr erstaunlich viele.

Das Dauerthema Nationalsozialismus türmt sich: weiterzulesen sind „Hitlers Imperium. Europa unter der Herrschaft des Nationalsozialismus“ von Mark Mazower und „Der Nationalsozialismus und die Antike“ von Johann Chapoutot. Neu hinzugekommen ist vom gleichen Autor „Das Gesetz des Blutes. Von der NS-Weltanschauung zum Vernichtungskrieg“. Auf dem Stapel liegen Volker Ullrichs „Adolf Hitler. Die Jahre des Aufstiegs 1889-1939“, Eugen Kogons „Der SS-Staat. Das System der deutschen Konzentrationslager“ und Ian Kershaws „Der NS-Staat. Geschichtsinterpretationen und Kontroversen im Überblick“.

Als Gegengewicht sollen Manfred Geiers „Aufklärung. Das europäische Projekt“ und Steffen Martus’ „Aufklärung. Das deutsche 18. Jahrhundert. Ein Epochenbild“ dienen. Vielleicht bleibt auch noch Zeit für Bedrich Löwensteins Der „Fortschrittsglaube. Europäisches Geschichtsdenken zwischen Utopie und Ideologie“.

Alte (Erster Weltkrieg, Max Weber) und neue (Exil, Bürgerlichkeit) Leseprojekte gehen mir auch noch im Kopf herum.

Dazu Belletristik: Von Henry James warten „Die Gesandten“ schon länger, neueren Erwerbsdatums sind „Die Großwäscherei“ von Andro Endre Gelléri  und „Die Liebeshandlung“ von Jeffrey Eugenies.

Wiederlesen möchte ich „Die verlorene Partitur“ von Roberto Cotroneo, das ich 1998 zum Geburtstag geschenkt bekam und in sehr dunkler, aber grundsätzlich guter Erinnerung habe.

Und dann geht es natürlich nicht ohne Theodor Fontane, Thomas Mann, ohne Goethe, Schiller oder Shakespeare. Dessen Macbeth immerhin las ich schon an Neujahr.

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