#3Bücher aus dem Regal … die den ersten Buchstaben des eigenen Namens im Titel tragen

Auf die #3Bücher-aus-dem-Regal-Aktion, die von hisandherbooks initiiert und mit wöchentlichen Themen ausgestattet wird, bin ich gestoßen, als ich die Topliste von Lesestunden besuchte, von wo ich zu Bibilotta gelangte, die Anfang Dezember an der Mitmachaktion teilgenommen hatte.

#3Bücher aus dem Regal | hisandherbooks.de

#3Bücher aus dem Regal | hisandherbooks.de

Ich habe mich auf die Suche nach drei Büchern gemacht, deren Titel mit „N“ beginnt, das fand ich herausfordernder, als irgendwo in einem Titelwort vorkommend.

Irène Frain, Nabob |foto nw2018 #3Bücher

Irène Frain, Nabob |foto nw2018

Das erste Buch ist ein Roman, »Nabob« der französischen Autorin Irène Frain. »Le Nabab (d’après la vie de René Madec)« erschien 1982 und wurde 1983 vom Nürnberger Übersetzerteam ins Deutsche übertragen. Es ist ein üppiger historischer Roman, randvoll mit indischer Exotik und Erotik, spannend und wunderbar geeignet, sich an kalten Winternachmittagen völlig hineinzuversenken. Ich las das Buch übrigens erst nach ihrem zweiten Roman »Die Paradiesvögel« (dt. 1985), im Original »Modern Style« (1984). Hier ist von Fin de Siècle bis Les Ballet Russes alles dabei, was das Herz des Parisliebhabers begehrt, Pracht, Partys, Promiskuität inklusive.

Fulbert Steffensky, Nicolaigasse | Foto: nw2018 #3Bücher

Fulbert Steffensky, Nicolaigasse | Foto: nw2018

»Nicolaigasse«, Untertitel »Der Pfarrer und das Pfarrhaus in der Literatur«, ist der zweite Titel in meiner Auswahl von Büchern, deren Titel mit „N“ beginnt. Das Buch wurde von Fulbert Steffensky herausgegeben und erschien 2004 im Radius Verlag. Der Autor versammelt Texte, die einen typischen Ort der deutschen Geistesgeschichte, der literarischen und bürgerlichen Bildung zum Gegenstand haben, oder die sich den Bewohnern dieser Häuser widmen. Die kurzen Ausschnitte stamen von Autoren aus dem 18., 19. und 20. Jahrhundert und machen gelegentlich Lust darauf, den kompletten Text, dem sie entstammen, zu lesen. In jedem Fall fügen sie sich zu einem interessanten Kaleidoskop.

Ernst Piper, Nacht über Europa | Foto nw2018 #3Bücher

Ernst Piper, Nacht über Europa | Foto nw2018

»Nacht über Europa«, so hat Ernst Piper seine Kulturgeschichte des Ersten Weltkriegs betitelt. Ich habe das Buch als Teile meines Leseprojekts zum Ersten Weltkrieg gelesen und halte es für eine wichtige Ergänzung der Politik- und militärgeschichtlichen Darstellungen.

Wer selbst drei Bücher vorstellen möchte, kann sich dieser oder weiteren Mitmachaktionen von hisandherbooks anschließen.

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Briefe aus dem Weltkrieg

Ebert (Hrsg.), Vom Augusterlebnis zur Novemberrevolution. Briefe aus dem Weltkrieg 1914-1918 | Foto: nw2018

Ebert (Hrsg.), Vom Augusterlebnis zur Novemberrevolution. Briefe aus dem Weltkrieg 1914-1918 | Foto: nw2018

Jens Ebert (Hrsg.), Vom Augusterlebnis zur Novemberrevolution. Briefe aus dem Weltkrieg 1914-1918, Göttingen: Wallstein-Verlag, 2014, 393 Seiten.

Das Buch informiert in den sehr interessanten Anmerkungen über das Reichspostwesen vor und während des Krieges sowie die bei Anlaufen der Kriegsmaschinerie auftretenden logistischen Schwierigkeiten. Die kriegsbedingte Abwesenheit der Millionenheere von zu Hause führte zu einem enormen Anstieg der schriftlichen Kommunikation in allen Bevölkerungsschichten der kriegsbeteiligten Länder. Die Reichspost war lange erfolgreich bemüht, ihre legendäre Leistungsfähigkeit auch im Felde unter Beweis zu stellen.

Die im vorliegenden Buch präsentierten Briefe spiegeln die Bandbreite der Schreiberfahrung, des Wortschatzes und der Rechtschreibkompetenz wider. Sie weichen dadurch deutlich ab von den zu Beginn des Krieges herausgebrachten Briefsammlungen, die vorwiegend von Studenten stammten und außerdem stilistisch und in der inhaltlichen Tendenz lektoriert wurden, um auch an der Heimatfront die beabsichtigten Reaktionen hervorzurufen. Gleichzeitig wirkten diese Sammlungen ihrerseits stilbildend für die nachfolgenden Briefschreiber.

Daneben prägten diese im Sommer 1914 auf den Markt geworfenen Sammlungen die Inhalte der Soldatenbriefe, die mit einer gewissen Floskelhaftigkeit Kaisertreue und Heldentum, Verteidigungskrieg und Männlicheitsbilder reproduzierten – zumindest solange, bis der Krieg sein neues, technisiertes Gesicht zeigte und überdies entgegen den allgemeinen Erwartungen nicht rasch beendet wurde. Die im Band von Ebert präsentierte Auswahl verharrt eben nicht in der offiziellen Anfangseuphorie, sondern zeigt den Wandel hin zu Kriegsmüdigkeit und -trauma. Ein „Augusterlebnis“ über bürgerlich-akademische Kreise, Künstler und den Adel hinaus läßt sich, so das Nachwort, auch anhand der Briefe nicht nachweisen.

Trennung und Abwesenheit sind ein privates Thema der Korrespondenz, das sich mit Rollenverständnissen und der Neuaushandelung beziehungsweise faktischen Neuverteilung von Aufgaben und Zuständigkeiten auseinandersetzen muß. Naturgemäß ist auch der Tod ein Thema. Doch das Sterben hat nichts von literarischer Heldenverklärung, findet es doch überweigend entweder durch Artilleriebeschuß direkt im Schützengraben oder später im Lazarett statt. Die Briefe geben dies realistisch wieder, auch wenn gegenüber den Frauen manches Detail ausgespart wird. Aber auch diese wissen vom Tod, schließlich verhungern allein in Deutschland 800000 Menschen.

Nachstehend eine kleine Auswahl:

Die Stimmung famos, vom Krieg wird eigentlich wenig gesprochen, trotzdem die Stimmung durch die Einmischung Englands noch kritischer geworden ist. Fröhlichkeit, Heiterkeit u. Scherz hört man hier nicht nur bei den jungen Leutnants, sondern auch bei älteren und alten Offizieren. Schimpfen tun nur die, welche noch nicht gleich mit hinaus können, darunter auch ich!

Oberarzt Heinrich Luft an seine Familie in Gießen; Mainz-Castel 5/814

Liebste Eltern und Geschwister.
Ich muß euch noch ein paar Zeilen schreiben vieleicht die letzten. Denn auch wir hier sind bereit zu jeder Stunde dreinzuschlagen. Da ist es möglich das wir unser Leben opfern müssen und wir uns niemals wiedersehen aber wir wollen die Hoffnung nicht aufgeben. Sollte ich nicht mehr zurückkehren dann lebt alle Wohl.

Heizer Arthur Becher an seine Familie; SMS Nürnberg, d. 6. August 14

Mein lieber und hochverehrter Herr Doktor!
Mit grosser Trauer hat mich die Nachricht vom Heldentod Ihres Bruders erfüllt. Gefühle will ich Ihnen nicht in Worten ausdrücken, dazu ist die Zeit zu ernst und zu gross und es fliessst viel zu viel des edlen deutschen Blutes.
Auch Sie werden sich, wie alle Familien, mit dem Verluste zur Ehre des Vaterlandes abfinden müssen.
Der alte treue Gott der Deutschen wird uns weiter helfen. Ihrem Wunsch des Aufdrucks der Widmung bei der 2. Auflage Ihres »Volkes in Eisen«werde ich nachkommen und lasse Ihnen Korrekturen senden.
Ich stelle es Ihnen ganz anheim, wenn Ihre Stimmung es Ihnen erlaubt, an das »Posener Land« zu denken. Vielleicht bringt Sie die Arbeitstätigkeit auf literarischem Gebiet neben der anstrengenden Feldzugstätigkeit über den Verlust leichter hinweg.
Ihren deutschen Gruss als einen Rachegruss für den toten Bruder erwidernd, verbleibe ich
Ihr stets ergebener
Oskar Eulitz

an Walter Flex; Lissa i. P. den 23. September 1914

Je länger der Krieg dauert desto abgestumpfter wird man. An Anregung fehlt es auch, die ganze soldatische Umgebung ist eine stumpfe gedankenlose Masse, die höchstens fürs Essen und schlechte Weiber Interesse hat. Betrachte ich die Arbeiter im Soldatenrock, dann ist mir klarer denn je, daß wir nach dem Krieg ein kleines Häuflein sein werden, das als Avantgarde des Sozialismus in Betracht kommt.

Soldat Friedrich Notz an Albert Zwicker; 10. Juni 1918

Die ganz unterschiedlichen Briefe beleuchten das Geschehen auf eine sehr spezielle Weise und erzählen so eine vielstimmige Version der Kriegsgeschichte jenseits der offiziellen Berichte und der klassisch-fokussierten Weltkriegsgeschichtsschreibung.

 

 

 

 

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Annotierte Lektüreliste 2018

Sachbücher und (Auto-) Biographien:

Die Auswahl wurde von den Interessen- und Lektüreschwerpunkten Umbruch/Weimar, Exil, Mentalitätsgeschichte bestimmt.

Hans Rudolf Vaget, »Wehvolles Erbe«. Richard Wagner in Deutschland. Hitler, Knappertsbusch, Mann, 2017, 559 Seiten

Monumental in der Anlage, solide in der Ausführung: Wagner als prägende Verbindung dreier unterschiedlicher Lebensläufe.

George Bernard Shaw, Wagner-Brevier, 1898, dt. 1908/1973, 14. Aufl. 2014, 197 Seiten 

Volker Mertens, Wagner. Der Ring des Nibelungen (Opernführer kompakt), 2013, 216 Seiten

Shaw blickt als junger Mann auf ein zeitgenössisches, populäres Werk, Mertens bilanziert nach fünfzigjähriger, analytischer Beschäftigung mit dem Ring des Nibelungen. Zwei sich wunderbar ergänzende Lektüren.

Eberhard Straub, Wagner und Verdi. Zwei Europäer im 19. Jahrhundert, 2012, 351 Seiten

Altmodisch-elegante Doppelbiographie, die leider die Musik komplett ausblendet.

Holger Noltze, Liebestod. Wagner, Verdi, wir, 2013, 448 Seiten 

Glänzend geschrieben und kenntnisreiche Darstellung von Musik und Weltanschauung der beiden Männer.

Joschka Fischer, Der Abstieg des Westens. Europa in der neuen Weltordnung des 21. Jahrhunderts, 2018, 234 Seiten

In sieben Kapiteln beschreibt und analysiert der ehemalige Bundesaußenminister, wie sich die Weltlage seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion verändert hat und welche Veränderungen im 21. Jahrhundert noch auf die Welt zukommen werden.

Edgar Wolfrum, Welt im Zwiespalt. Eine andere Geschichte des 20. Jahrhunderts, 2017, 447 Seiten

Aus meiner Sicht nicht restlos geglückter Versuch, die Geschichte anders zu erzählen.

Ralf Fücks, Freiheit verteidigen. Wie wir den Kampf um die offene Gesellschaft gewinnen, 2017, 251 Seiten

Engagiertes Plädoyer gegen die illiberalen Tendenzen der Zeit.

Tim Marshall, Die Macht der Geographie, 2015, dt. 2017, erw. Neuausgabe 2017, 318 Seiten

„Wenn es keinen Gebirgszug zwischen mir und dem Feind gibt, dann muß ich zum Feind gehen, denn sonst kommt der Feind zu mir.“ Knochenharter realistischer Erklärungsansatz.

Kristine von Soden, »Und draußen weht ein fremder Wind …«. Über die Meere ins Exil, 2016, 238 Seiten

Auswanderung, Vertreibung, Flucht – das Buch wirft einen Blick auf die Wege europäischer Juden, aber auch weltanschaulicher Gegner des Nationalsozialismus ins Exil.

Anton Holzer (Hrsg.), Krieg nach dem Krieg. Revolution und Umbruch nach 1918/19, 2017

Reich illustrierter Band über die Zeit nach dem Ersten Weltkrieg.

Grit Staßenberger/Felix Wassermann (Hrsg.), Staatserzählungen. Die Deutschen und ihre politische Ordnung, 2018, 317 Seiten 

Welches Bild mach(t)en sich die Deutschen von ihrem Staat? Interdisziplinäre Blicke auf das Reden über den Staat.

Wilhelm von Sternburg, Über Geist und Macht. Dreißig Porträts aus Literatur und Politik,  2018, 328 Seiten

Kenntnisreicher, aber oft vorurteilsbehafteter Blick auf interessante Persönlichkeiten.

Sándor Márai, Bekenntnisse eines Bürgers. Erinnerungen, 1934 (aus dem Ungarischen von Hans Skirecki, 1996), TB. 4. Aufl. 2017, 420 Seiten

Als das 20. Jahrhundert noch jung war, eroberte Sándor Márai Europa. Sehr lesenswerter Blick in eine untergegangene Welt.

Joachim Fest, Begegnungen. Über nahe und ferne Freunde, 2004, 383 Seiten

Freundschaftlich und respektvoll gezeichnete Porträts nicht unwichtiger Menschen des 20. Jahrhunderts.

Edmund de Waal, Die weiße Straße, 2015, dt. 2016 (aus dem Englischen von Brigitte Hilzensauer), 483 Seiten 

Das Leben als Weg, um das ideale Porzellan zu machen. Abgebrochen.

Jens Ebert (Hrsg.) Vom August-Erlebnis zur Novemberrevolution. Briefe aus dem Weltkrieg 1914-1918,  2014, 393 Seiten

Weitgespannte Briefsammlung von Männern und Frauen aller Schichten und Altersgruppen, von der Front und aus der Heimat. Erstaunlich frischer Eindruck; informativer Begleittext.

Der Volksgerichtshof 1934-1945. Terror durch Recht, 2018, 316 Seiten

Informativer und aufwühlender Ausstellungskatalog.

Thomas Mann Jahrbuch 2017, 244 Seiten

Goethe-Jahrbuch 2017, 474 Seiten

Die Herausforderung besteht wie immer bei Sammelbänden darin, die Schätze dann zu heben, wenn man sie wieder braucht.

 

Belletristik:

Oliver Rolin, Meroe, Roman, 1998, dt. 2017 (aus dem Französischen von Jürgen Ritte), 302 Seiten

Wilde Mischung aus exotischem Reisebericht und testosteronschwangerer Beziehungsgeschichte. 

Hermann Bloch, Esch oder die Anarchie, 1932, Neuausgabe 2018, 303 Seiten

Das Buch – Mittelteil einer Trilogie über die deutschen Entwicklungen zwischen 1900 und 1933 – gilt als eines der wichtigsten Werke des modernen deutschen Romans. Mir hat sich der Reiz des Buches nicht erschlossen.

Jonas Karlsson, Das Zimmer, 2009, dt. 2016 (aus dem Schwedischen von Paul Berf), Büchergilde 2017, 159 Seiten

Kurze und kurzweilige Geschichte über Perspektiven und Wahrnehmungen. Lesenswert!

Julian Barnes, Der Lärm der Zeit, 2017, dt. 2016 (sic!) (aus dem Englischen von Gertrude Krueger), Büchergilde 2017, 245 Seiten

Kunstschaffen unter und nach Stalin. Gut erzählter Roman einer schwierigen Epoche.

Anthony Horowitz, Die Morde von Pye Hall, 2016, dt. 2018 (aus dem Englischen von Lutz-W. Wolff), 605 Seiten

Gepflegte englische Krimiunterhaltung.

Delphine de Vigan, Nach einer wahren Geschichte, 2015, dt. 2016 (aus dem Französischen von Doris Heinemann), 348 Seiten  

Sehr fesselnd geschriebene Geschichte über zwei Frauen, deren Lebenswege sich dramatisch kreuzen.

Andreas Maier, Die Universität, 2018, 145 Seiten

Knappe Coming-off-age-Erzählung mit Adornotwist.

Adrian Kasnitz, Bessermann, 2017, 161 Seiten

Knappe, distanzierte Erzählung über das Leben nach der Traumatisierung.

Jonas Lüscher, Frühling der Barbaren, 2013, Tb. 2015, 125 Seiten

Zu recht prämiierter Roman. Gut erzählt, wichtiges Thema, hallt nach.

Hjalmar Hjorth Bojesen, Selbstbestimmung, 1893 (dt. 1897), Neuausgabe 2008, 192 Seiten

Text von vor der Jahrhundertwende, gestrig und modern zugleich.

Ernst Ottwalt, Denn sie wissen was sie tun. Ein deutscher Justizroman, 1931, Büchergilde 2017, 363 Seiten 

Packendes Zeitdokument. Unbedingte Leseempfehlung.

Madame Nielsen, Der endlose Sommer. Ein Requiem, 2014 (dt. 2018), 190 Seiten

Kurz, aber bedachtwerdenwollend. Ein Roman, der Lesezeit braucht – und verdient. 

Celeste Ng, Was ich euch nicht erzählte, 2014, dt. 2016 (aus dem amerikanischen Englisch von Brigitte Jakobeit), 280 Seiten

Bewegendes Familienepos aus den USA mit den Zutaten Liebe, Sprachlosigkeit und Ausgrenzung.

 

Varia:

Henning Ritter, Notizhefte, 2010, 5. Aufl. 2011, 426 Seiten

Lesen, nachdenken, Notizen machen – Henning Ritter zeigt sich als Großmeister und liefert den Namen für meinen Blog.

Heinrich Maria Donneborg, Das Eselchen Grisella, 1968, 142 Seiten

Kinderbuchklassiker aus einer anderen Zeit. 

Erika und Klaus Mann, Das Buch von der Riviera, 1931, 5. Aufl. 2016 des fotomechanischen Nachdrucks 2002/2004, 191 Seiten

Erika und Klaus Mann unterwegs – Zeugnis einer unbeschwert-teilnahmslosen Reise.

Karl Hagemann, Goethe in Münster, 2017, 124 Seiten

Selbst in Münster war er gewesen. Liebevolle Schilderung einer Episode und der beteiligten Frauen und Männer.

Friedrich Schorlemmer, WORTmacht und MACHTworte. Eine Eloge auf die Leselust, 2018, 142 Seiten

Ein Buch über das Lesen und den Umgang mit Literatur in der ehemaligen DDR.

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Familie: Lebens- und Schicksalsort

Celeste Ng, Was ich euch nicht erzählte. #usa #familie

Celeste Ng, Was ich euch nicht erzählte. Foto: Verlagswebseite

Celeste Ng, Was ich euch nicht erzählte, 2014, dt. 2016 (aus dem amerikanischen Englisch von Brigitte Jakobeit), 5. Aufl. 2018, 280 Seiten.

Es ist eine Familiengeschichte aus den USA, die in den 1960er und 1970er Jahren spielt. Die Innenperspektive betrachtet die Folgen einer frühen Eheschließung mit drei nachfolgenden Kindern auf die Karrierepläne einer jungen Frau. Die Außenperspektive zeigt den Rassismus, der der Familie begegnet: der Vater ist Sohn asiatischer Einwanderer, auch seinen Kindern sieht man das an. Abwechselnd aus der Perspektive unterschiedlicher Familienmitglieder erzählt, geht es um die Verwerfungen und Mißverständnisse zwischen Menschen, die sich nahestehen.

Der Erzählrahmen des Debütromans ist klar konturiert, das Geschehen ist um dem Tod der Tochter herum arrangiert und übersichtlich gegliedert und schließlich beleuchten  die Erzählperspektiven mit ihren gut eingebetteten Rückblenden die Geschichte tatsächlich umfassend. Sprachlich gibt es zwischen den Perspektiven der unterschiedlichen Personen keinen Unterschied; es spricht jeweils der allwissende Erzähler.

Marilyn, die Mutter, und Lydia, die Tocher − wessen Lebenspläne, wessen Chancen, wessen Ängste und Einsamkeit geben den Ausschlag? Um welchen Preis kann sich Nath aus der Symbiose mit seiner Schwester lösen? Wer nimmt Notiz von Hannah, der Jüngsten? Hat Vater James irgendetwas im Griff? Was ist Liebe? Daß das fragile Familiengefüge in Auflösung begriffen ist, wird plötzlich offenbar, als Lydia zunächst verschwindet und dann bald klar wird, daß sie tot ist.

Das eingängig geschriebene Buch liest sich rasch herunter – ob das eine Folge des von der Autorin studierten „Kreativen Schreibens“ ist, mag dahinstehen. Der Blick in zwischenmenschliche Abgründe wird letztendlich konventionell erzählt.

Man liebte so sehr und erhoffte so viel, und am Ende hatte man nichts. (S. 238)

Aber die Autorin führt ihre überlebenden Figuren durch eine Katharsis und eröffnet ihnen eine Zukunft und damit Chancen. So, wie es auch Lydia versuchte, aber nicht schaffte.

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