Die Last der Vergangenheit: Heimkehren

Yaa Gyasi, Heimkehren, 2016, dt. 2017 (aus dem Englischen von Anette Grube), 410 Seiten.

Yaa Gyasi, Heimkehren | Foto: nw2020

Dies ist ein besonderes Buch. Die Autorin erzählt Geschichten über Menschen und Stationen ihrer Lebenswege im heutigen Ghana und den USA. Alles beginnt in der Mitte des achtzehnten Jahrhunderts, als die Briten von Cape Coast aus Sklaven nach Amerika verschiffen, die sie von lokalen Verbündeten aus dem Hinterland der damals so genannten Goldküste erhalten.

Zwei Frauen, die unbekannterweise Halbschwestern sind, werden auf unterschiedliche Lebenswege geschickt, die das Leben der nachfolgenden Generationen bestimmen werden. Die eine, Esi, gelangt als Sklavin nach Nordamerika, die andere, Effia, heiratet einen britischen Sklavenhändler.

Gyasi hat keine auserzählte Familiensaga vorgelegt, sondern zwei parallele Erzählstränge mit Episodencharakter. Dies habe ich während des zweiten Drittels durchaus als Manko empfunden, als sich abzeichnete, daß dieses Panorama nicht kommen würde. Dann aber habe ich mich mit dem Ansatz der Autorin versöhnt und mich mehr auf die Stärken des Buchs konzentriert.

Heimkehren ist gut erzählt, konsequent durchkomponiert – trotz der Leerstellen – und von großer Authentizität. Fakten, Erklärungen, historische Zusammenhänge werden so in die Erzählung eingebunden, daß sie den Romancharakter des Buches in keiner Weise aufbrechen, verlieren dabei aber auch nichts von ihrer Überzeugungskraft.
Beeindruckend finde ich, wie der insgesamt doch nur mittellange Text so viel an Inhalt transportiert. Der Verzicht darauf, die Geschichte jeder Person vollkommen auszuerzählen, ist der notwendige Preis dafür, wird aber letztendlich dadurch kompensiert, daß sich gleichwohl ein umfassendes Bild ergibt. Ein Bild, das nicht pointillistisch alles festhält, sondern besonders wichtige Stellen und Strukturen wenn nicht ausleuchtet, so doch zumindest benennt. Es sind die schwarzen Stimmen und Perspektiven, die natürlich ein anderes Bild zeichnen.

Dies ist ein besonderes Buch, und ich bin froh, es gelesen zu haben.

Veröffentlicht unter Bücher, Gesellschaft, Literatur | Verschlagwortet mit , , , , , | 1 Kommentar

Der Wald der Gehenkten

Liviu Rebreanu, Der Wald der Gehenkten, 1922, Neuübersetzung 2018 (aus dem Rumänischen von Georg Aescht), 341 Seiten plus 8 Seiten Nachwort.

Liviu Rebreanu, Der Wald der Gehenkten | Foto: nw2020

Der im Jahre 1885 geborene Autor verarbeitet in diesem Buch das Schicksal seines Bruders Emil, der 1917 wegen Desertion und Spionage hingerichtet wurde. Der Journalist Rebreanu saß politisch zwischen allen Stühlen und war am Ende zwar froh, daß die Mittelmächte den Krieg verloren hatten, hatte es aber zunächst schwer, sich in Rumänien nach 1919 beruflich zu etablieren.

Zum Inhalt

Das Buch setzt ein mit einer schlecht vorbereiteten Hinrichtung. Es schließt sich an ein Rückblick in die Familiengeschichte der Hauptperson, in seine Kindheit und Jugend. Als Rumäne ist Apostol Bologa nach Budapest zum Studium gegangen und hat sich dort, in der Hauptstadt, gewissermaßen von seinen Ursprüngen entfernt. Um seine Männlichkeit unter Beweis zu stellen und seine mögliche Verlobte zu beeindrucken, meldet er sich als Soldat.

Wir begleiten Apostel an die Front und in der Etappe und erleben auf diese Weise, was der Krieg mit Männern macht. Angst und Heimweh sind wichtige Themen, die alle Soldaten beschäftigen, auch wenn sie es sich nicht durchgängig eingestehen. Bologa trägt sich mit dem Gedanken zum Feind überzulaufen, um nicht in Rumänien kämpfen zu müssen, wohin sein Regiment abkommandiert wird. Da er bei einem Artillerieangriff der Russen verletzt wird, kommt er ins Spital, und entgeht so vorerst der Truppenverlegung.

Nach der Entlassung aus dem Krankenhaus wird er in die Etappe versetzt, damit er sich schonen kann. Der mehrfach wegen Tapferkeit ausgezeichnete Bologa genießt durchaus das Wohlwollen seine Vorgesetzten. An seinem neuen Dienstort lernt er eine junge Bauerstochter kennen, in die er sich verliebt und mit der er sich schließlich verlobt.

Als er dazu abkommandiert wird, an einem Kriegsgericht teilzunehmen, versucht er, den schon einmal gefaßten Plan zu verwirklichen, und will zum Feind überlaufen. Dabei wird er von einer Patrouille abgefangen und letztendlich selbst vor ein Kriegsgericht gestellt.

Das Buch endet, wie es begonnen hat: mit einer Hinrichtung. Nur ist es dieses Mal Bologa, der auf den Schemel steigt.

Zum Stil

Der auktoriale Erzähler liefert detaillierte Beschreibungen der Landschaft, der Kleidung, etc. – verwendet aber auch recht häufig stereotype Formulierungen. Die Dialoge sind naturalistisch, nie sonderlich elaboriert. Oft wird nur das Nötigste kommuniziert oder das Eigentliche kann durch die Floskeln nicht ausgedrückt werden. Rebreanu verschränkt Dialoge zwischen den Figuren oft mit der Wiedergabe ihrer Gedanken und Gefühle, was den Eindruck des Unausgesprochenbleibens verstärkt.

Ihm gelingen aber auch sprachmächtige Formulierungen:

Sogleich fielen aber aus allen Hinterhalten des Gehirns die Gedanken über ihn her wie gierige Vögel. (S. 27)

Kaum hatte er den Kopf auf das Kissen gelegt, beschlich ihn das Gefühl, er sei gelähmt. Dafür preschte sein Gehirn los, in wilder Jagd. Tausende Gedankensplitter blitzten in ein und derselben Sekunde auf, prallten gegeneinander, vermischte und verketteten sich. Und mitten unter ihnen summte wie eine rote Hummel mal lauter, mal säuselnd und in stets wechselnden Formen die Zwangsvorstellung, dass es in dieser Nacht ohne Wenn und Aber ein Ende nehmen musste. (S. 159)

Recht kitschig freilich gerät die Schilderung, wie er sein Heimatdorf empfindet, als er dorthin nach dem Lazarettaufenthalt geschickt wird (S. 171f., 201). Die Heimeligkeit, das Gefühl des Aufgehobenseins ist freilich falsch; Konflikte lauern auch hier. Bologa löst seine Verlobung.

Mein Eindruck

Bologa ist ein Suchender, aber die Umstände, die ihn dazu machen, verhindern zugleich, daß er findet, wonach er sucht. Der Glaube seiner Kindheit und Jugend, den er längst verloren geglaubt hatte, ist schließlich alles, was ihm bleibt. Er hat Angst vor Autoritäten, ist generell verunsichert und zweifelt zunehmend an der Sinnhaftigkeit des Kriegsgeschehens. Bologa hadert mit seinen sexuellen Begierden, denkt über die Bedeutung von Familie und Blutsbanden nach und unterhält sich außerdem mit Kameraden über die Pflichten von Soldaten. Dabei spielt die Aufrechterhaltung der Kampfmoral eine wichtige Rolle, verbunden mit der Frage, wie dies durchzusetzen ist. Die Militärgerichtsbarkeit, an der Bologa eingangs des Buches selbst – und damals noch mit Stolz – mitgewirkt hatte, spielt immer wieder eine Rolle. Dabei geht es auch um die abschreckende Wirkung des Hängens.

Wie das Imperium in der Peripherie wahrgenommen wird, wie das Zusammenleben im Vielvölkerstaat vor sich geht, welche Perspektiven der Staat seinen Bürgern bietet – das Buch spricht das zwar an, aber nur indirekt und für meinen Geschmack zu kurz.

Auch erzählerisch und stilistisch vermag mich Rebreanu nicht vollständig zu überzeugen. Das Buch schwankt zwischen Naturalismus und Expressionismus. Für „eines der wichtigsten europäischen Erzählwerke, die der Große Krieg […] ausgelöst hat“ – so das Nachwort – mag ich das Buch nach der ersten Lektüre nicht halten.

Veröffentlicht unter Bücher, Literatur | Verschlagwortet mit , , , , , | Kommentar hinterlassen

Afrotopia

Felwine Sarr, Afrotopia, 2016, dt. 2019 (aus dem Französischen von Max Henninger), 156 Seiten plus 18 Seiten Anmerkungen

Felwine Sarr, Afrotopia | Foto: nw2020

Hintergrund

Der Autor, Professor für Wirtschaftswissenschaften im Senegal, war am Bericht über die Rückgabe französischer Raubkunst nach Afrika beteiligt, der im November 2018 Präsident Macron vorgelegt wurde. Gemeinsam mit Achille Mbembe gründete er eine afrikanische Denkfabrik, die „Ateliers de la Pensée“. Neben diesem Buch hat er Essays und literarische Werke und ­– zu Beginn des Jahrhunderts – außerdem mehrere Alben veröffentlicht.

Das vorliegende Buch wurde bereits im Erscheinungsjahr 2016 mit dem Grands prix des associations littéraires in der Kategorie Forschung ausgezeichnet wurde. Es beruht auf der Anwendung postkolonialer Theorie und ruft gleichzeitig zu einer Wiederentdeckung der afrikanischen Vergangenheit auf, um einen neuen Zukunftsbegriff entwickeln zu können.

Mein Eindruck

Ich habe das Buch aus Interesse gekauft und mit Neugier gelesen – ehrlich gesagt auch, um die Mentalität afrikanischer Studierender besser verstehen zu können und sinnvoller mit ihnen diskutieren zu können. Leider wurde ich in doppelter Hinsicht enttäuscht.

Ich halte das Buch erstens sprachlich zumindest für eigenwillig, in Teilen mißlungen. Inwieweit das an der Übersetzung liegt, kann ich nicht beurteilen. Möglicherweise ist dies aber auch das an einer Stelle des Buches angesprochene neugeschaffene, zukunftsweisende Französisch, das nicht dank des kleinen Landes in Europa überleben wird, sondern nur aufgrund der kräftigen und lebensfrohen Frankophonie im globalen Süden.

Wozu also angesichts dieser Umstände Überlegungen zu Gegenwart und Zukunft des afrikanischen Kontinents anstellen? Weil sich Gesellschaften zunächst imaginär konstituieren. Das Imaginäre ist das Schmiedeeisen, auf dem die Formen entstehen, die Gesellschaften sich verleihen, um das Leben zu speisen und ihm Tiefe zu verleihen, um das gesellschaftliche und menschliche Abenteuer auf eine neue Stufe zu heben. (S. 12)

Zunächst einmal ist Schmiedeeisen geschmiedetes Eisen, also das Ergebnis des Schmiedeprozesses, bei dem mit Hammer und Amboß gearbeitet wird.

Inhaltlich ist das Beschriebene etwas, das wir an der deutschen Diskussion über die Nation in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts vor der Nationalstaatsbildung auf das heftigste kritisieren.

Außerdem wird immer betont, auch von Sarr, daß Afrika nicht ein Land, sondern ein Kontinent sei (etwa S. 27). Wie kann dann Afrika gedacht werden und sich als Gesellschaft – und sei es auch nur imaginär – konstituieren?

Weiter schreibt Sarr, daß „in jüngster Zeit eine Rhetorik der Euphorie und des Optimismus erblüht“ sei (S. 10), und er fährt fort:

Afrika denken bedeutet, eine zaghafte Morgenröte zu durchwandern, entlang eines markierten Weges, auf dem der Gehende aufgerufen ist, das Schritttempo zu erhöhen, um den Zug einer Welt zu erreichen, die (sic!) bereits vor einigen Jahrhunderten abgefahren zu sein scheint. (S. 13)

Im globalen Kontext, der sich durch das Misslingen des Zivilationsprojekts auszeichnet, besteht die afrikanische Utopie darin, einem anderen Zusammenleben den Weg zu bahnen sowie die Beziehungen zwischen den verschiedenen Ebenen des Kulturellen, des Sozialen, des Wirtschaftlichen und des Politischen neu zu bestimmen und eine ebenso neu, auf den Kulturen und fruchtbaren Onto-Mythologien Afrikas beruhende Werteskala zu etablieren. Es gilt, Gesellschaften aufzubauen, die für die Menschen, die in ihnen leben, einen Sinn ergeben. Gegen den Strom, in See stechend. (S. 28)

Wissenschaftsprosa – das Buch wurde in der Kategorie Forschung ausgezeichnet – sollte nach meiner Meinung anders klingen.

Inhaltlich entdecke ich in dem Buch eine grundlegende Widersprüchlichkeit. Sarr lehnt ab, was er sich im nächsten Augenblick zu Nutzen macht, er verwirft Kategorisierungen, um sogleich selbst großzügig Kategorien zu etablieren. Und so mäandert dieser Text vor sich hin, mal raunend, mal beschwörend, mich immer wieder an den Duktus deutscher Autoren erinnernd, denen es in bestimmten Phasen unserer Geschichte darum gehen mußte, neue Ordnungen zu legitimieren und mit Sinnstiftung zu versehen.

Mythologie, Tradition, Ablehnung der Moderne als westliches Projekt – wenn nicht schon gescheitert, so doch alsbald zum Scheitern verurteilt – wird denn da niemand hellhörig? Von der Wertschätzung der eigenen Kultur bis zur Überhöhung ist es nur ein kleiner Schritt.

Dieses Afrika, das ist und das wird, ist vielgestaltig. Seine Vernunft hat viele Gesichter. Es hat seine Welten nicht entzaubert, das spirituelle Leben ist noch lebendig und reich. Seine Religion, seine Musiken, seine Künste, seine Städte, seine Beziehungen zu sich selbst, zum eigenen Körper, seine Gegenwart in der Zeit bezeugen diese alltägliche Selbsterfindung. Afrika verwirklicht seine Synthesen des Religiösen, des Politischen und des Kulturellen. (S. 42)

Mutatis mutandis konnte man solche Sätze auch im August 1914 lesen.

Immer wieder beruft sich Sarr auf die Tradition, verwirft die Vernunft, beschwört fruchtbare Potenziale – mir ist beim Lesen permanent unwohl.

Der politische Forderungskatalog – etwa neue Weltwirtschaftsordnung, Aufgabe eines fremdbestimmten Entwicklungsbegriffs – ist nun nicht grundstürzend neu. Soweit Sarr überhaupt Ansätze für Lösungen entwickelt, bleibt er vage und setzt eher auf markige Apelle.

Insgesamt hat mich die Lektüre enttäuscht und weitaus mehr Fragen als Antworten hinterlassen.

Veröffentlicht unter Bücher, Orte, Politik | Verschlagwortet mit , , | Kommentar hinterlassen

Es war einmal in Amerika

Philip Roth, Mein Mann der Kommunist, 1998, dt. 1999 (deutsch von Werner Schmitz), 398 Seiten.

Durchatmen, den Blick zum Sternenhimmel heben – das sind meine ersten Reaktionen, nachdem ich das Buch zuklappe. Was für eine wuchtige Erzählung, welch sprudelnder Quell, wieviel Geschehen und Gefühle!

Philip Roth, Mein Mann, der Kommunist | Foto: nw2020

Mein erstes Buch von Philip Roth (1933-2018), dem großen amerikanischen Schriftsteller und Chronisten seiner Zeit, der ab Mitte der 1950er Jahre bis 2010 veröffentlichte, hat mich gepackt. Es ist Teil von Roths Spätwerk und gehört zu sogenannten »American Trilogy«. Nathan Zuckerman – Roths Alter ego – trifft zufällig seinen ehemaligen Englischlehrer Murray Ringold, sie kommen ins Gespräch und reden über die Vergangenheit. Im Zentrum ihrer beider Erinnerung steht Murrays jüngerer Bruder Ira.

Nathans große Gabe ist das Zuhören, und so hört er als Kind natürlich seinem Lehrer zu, und dann dessen Bruder, den er bei einem Besuch kennenlernt. Auch fünfzig Jahre später lauscht er den Erzählungen des alten Murray, der Entwicklungen schildert und Geschehnisse enthüllt, die dem Jungen seinerzeit entweder unbekannt waren oder nichts sagten. Nathan bringt das mit seinen Erinnerungen zusammen, sodaß ein farbenprächtiges, handlungsreiches und hochemotionales Bild entsteht, in dessen Zentrum Ira Ringold steht.

Sein Leben als junger Mann, als Soldat im Zweiten Weltkrieg, als Kriegsheimkehrer. Seine ungebremste körperliche Kraft, seine Erziehung durch den Kameraden und Kommunisten O’Day, seine Ehe mit der Schauspielerin Eve Frame, deren Vorleben und Tochter. Ira als Darsteller von Abraham Lincoln, mit dem er eine gewisse Ähnlichkeit aufweist, Ira als Star eine Radioshow, Ira als Verfemter der MacCarthy-Ära.

Die dichte Schilderung, die eindringlichen Charakterzeichnungen, die packende Geschichte – das hat mich wirklich gefesselt!

Ob es um politische Unterrichtung, um Schilderungen der High Society oder um Seelenzustände und fiebrige Gefühlsschübe geht; erstaunlich, wie treffend und wie – ja! – lebendig Roth dies alles in Worte faßt.

Wie herrlich, über Leute herzuziehen – und zu beobachten, wie über sie hergezogen wurde. Zumal für einen Jungen, der auf dieser Party nichts anderes als verehren wollte. Sosehr es mich beunruhigte, zu spät nach Hause zu kommen, konnte ich mir diese erstklassige Einführung in die Wonnen der Boshaftigkeit unmöglich entgehen lassen. Jemanden wie Sylphid hatte ich noch nie erlebt: so jung, und doch schon so gehässig, so weltklug, und doch schon, gehüllt in ein langes grellbuntes Gewand wie eine Wahrsagerin, so unverkennbar schrullig. (S. 165f.)

Amerika war ein Paradies für zornige Juden. Die zaghaften Juden gab es natürlich immer noch, aber man musste keiner sein, wenn man nicht wollte. (S. 204)

Grandios auch die Verflechtung zweier Coming-of-Age-Geschichten. Nathan lernt von Ira, so wie dieser einst von O’Day gelernt hatte. Und schließlich geht Nathan selbst zu O’Day und ist sofort fasziniert von der Flamme, die in diesem asketischen Mann nach wie vor lodert, sodaß er mit ihm Flugblätter vor Fabriktoren verteilt.

O ja, man spürt den Sog eines Mannes wie O’Day. Johnny O’Day nimmt einen nicht mit, um einen auf halber Strecke stehen zu lassen. Er nimmt einen bis zum Ende mit. Die Revolution vernichtet dies und ersetzt es durch das – die unironische Klarheit des politischen Casanova. (S. 290)

Neben der politischen Anklage gegen den ausbeuterischen Kapitalismus und die ihn politisch protegierenden Republikaner behandelt der Roman die Frage, ob und wie man persönliches Glück finden kann, und was man dafür opfern muß.

Ich bin beeindruckt, aufgewühlt und dankbar für diese Leseerfahrung.

Veröffentlicht unter Bücher, Literatur | Verschlagwortet mit , , , | Kommentar hinterlassen