Krieg, Revolution und Umbruch

Holzer, Krieg nach dem Krieg #bookcover

Anton Holzer (Hrsg.), Krieg nach dem Krieg. Revolution und Umbruch 1918/19 | Foto: Verlagswebseite

Anton Holzer (Hrsg.), Krieg nach dem Krieg. Revolution und Umbruch 1918/19, 2017.

In zwölf Kapiteln auf reich bebilderten knapp zweihundert Seiten entfaltet der Herausgeber und Fotohistoriker Holzer ein Panorama der kritischen Umbruchszeit. Dabei greift er überwiegend auf Tagebucheinträge, Briefe und Erinnerungen sowie tagesaktuelle Quellen zurück.

Die Entbehrungen an der Heimatfront im letzten Kriegsjahr, die gärende Stimmung, die Erschöpfung des Heeres – dann der Waffenstillstand, Rückkehr der Truppen ins Reich, Friedensverhandlungen, Revolution und Bürgerkrieg, ein neuer Hungerwinter. Dies sind die Themen des Buches, das aber auch einen Blick auf die nachfolgenden Jahre wirft, während derer die geänderten Verhältnisse allmählich allgemein erfahren werden. So kommt die Republik in den Fokus, ihre innen- und außenpolitischen Themen, die Wirtschaftskrise, aber auch die zahllosen Kriegsversehrten und Invaliden. Wenig Chancen, viele Ungewißheiten – so stellte sich die Lage den Zeitgenossen dar. Holzer fängt diese Stimmung gut und nachvollziehbar ein.

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Über die Meere ins Exil

Exil in Übersee

Kristine von Soden, „Und draußen weht ein fremder Wind…“ | Foto: nw2018

Kristine von Soden, »Und draußen weht ein fremder Wind …«. Über die Meere ins Exil, 2016, 337 Seiten.

Seit mehr als zwanzig Jahren beschäftigt sich die Autorin mit dem Schicksal von Frauen, die vor den Nazis aus Deutschland fliehen mußten. Der Fokus dieses Buches liegt auf der Flucht, dem Weg ins Exil – es geht also um Organisation, Unterstützung, Schwierigkeiten und die Reisen selbst, mit dem Schiff nach Palästina, nach Asien, Südamerika oder in die USA.

Entdeckt und gekauft habe ich das Buch, das ich zuvor noch nicht gesehen hatte, bei Schleichers Buchhandlung in Dahlem, die einen Exil-Schwerpunkt im Fenster hatte, als ich eine Bestellung abholte.

Von Soden schreibt flüssig und interessant, auch voller Anteilnahme, und das Buch ist schön aufgemacht. Mein Lesefluß gerät gleichwohl immer wieder ins Stocken. Brutalität, Perfidie, Diskriminierung und Gleichgültigkeit  machen, daß ich Pausen beim Lesen einlege. Aber die Gedanken bleiben am Thema dran: Was wußte die Großelterngeneration, wo schauten sie weg, halfen sie?

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Laufen: 2018

Urkunde S25 Berlin 2018

Zieleinlauf beim S25 Berlin 2018 #running

Am Sonntag, den 6. Mai bin ich im Rahmen der Laufveranstaltung, die heuer „S25 Berlin“ hieß, meinen ersten Halbmarathon in diesem Jahr gelaufen. Wegen des durchwachsenen Wetters hatte ich auch in diesem Jahr bislang eher wenig Trainingsläufe absolviert. Ein Vergleich mit den Jahren 2015 und 2017 zeigt, daß ich den ersten Halbmarathon im April/Mai stets deutlich langsamer gelaufen bin als den zweiten im August. Auf diesen Effekt hoffe ich natürlich auch dieses Mal. Gleichzeitig läßt sich nicht leugnen, daß insgesamt das Alter bremst, ich also in jedem Jahr langsamer werde. Das zeigt sich auch bei meinen Läufen unter der Woche.

Da ich mich aber nicht schinden möchte, sondern einfach unbeschwert laufen will, wird das wohl so bleiben. Heute morgen bin ich nach dem Wettkampf das erste Mal wieder losgelaufen. Und was soll ich sagen? Die 14,3 km fühlten sich richtig an, die durchschnittliche Pace war mit 4:38 sogar eine Sekunde besser als am Sonntag.

 

 

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Fünf Romane aus fünf Jahren

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Meine Top-Five Empfehlung: Fünf Romane, die in den letzten fünf Jahren erschienen sind. Zeitgenössische Literatur, die aus meiner Sicht einen zweiten Blick verdient hat.

Fünf Bücher, fünf Themen und Zeiten, noch mehr Schauplätze und Hauptpersonen. Fünfmal Lesezeit und fünfmaliges Nachklingen – eine Empfehlung: Alle lesen!

2012

Alan Holinghurst, Des Fremden Kind

Im Sommer 1913 werfen wir einen Blick auf das unbeschwerte Landleben der Upper Class, selbstgefällig, kunstinteressiert und voll verklemmter oder verheimlichter Sexualität. Einer der Protagonisten ist ein hoffnungsvoller junger Dichter, der alsbald fällt und dessen Ruhm sich ins Unermeßliche steigert. Nach dem Krieg konserviert die Familie die Erinnerung und beschweigt gleichzeitig den gesamten unschicklichen Bereich, wohingegen breite Kreise der literarisch interessierten Öffentlichkeit Cecil Valances Leben und Werk durchleuchten.

2013

Rabih Alameddine, Eine überflüssige Frau

Aaliya ist eine unerschrockene Frau. Sie lebt seit ihrer frühen Scheidung allein und kinderlos in Beirut, greift notfalls zum Gewehr und lebt selbstbestimmt. Es sind einige der existentiellen Fragen des Lebens, die abgehandelt oder auch nur gestreift werden. Siebenunddreißig Bücher hat sie übersetzt, doch keine Übersetzung ist je erschienen. Ein beeindruckendes Lebenswerk, von dem niemand weiß, etwas messie-mäßig – aber penibel abgestaubt – in der Wohnung untergebracht.

2014

Michael Kleeberg, Vaterjahre

Karlmann Renn muß plötzlich über sein Leben nachdenken, was dem Erzähler Anlaß gibt für einen Rückblick auf die Kindheit, auf Besuche auf dem Land, auf Sitten und Strukturen der 60er und 70er Jahre, auf Männer, Frauen und Familienbeziehungen. Der Roman handelt vom Älterwerden und den damit verbundenen Veränderungen, von Reifungsprozessen und Sackgassen, abgeschnittenen Pfaden.

2015

Lea Singer, Anatomie der Wolken

Der alternde Goethe ist gefangen im Denkmal seiner selbst, innovative Texte wie »Die Wahlverwandtschaften« stoßen auf Unverständnis, die »Farbenlehre« wird als Dilettieren abgetan. Sein dichterisches Vermögen stumpft vermeintlich ab, kann sich an regelmäßig bestellten und pünktlich gelieferten Huldigungsversen nicht länger entzünden. Der Gesichtskreis wird enger und ist mit den immergleichen Personen bevölkert. Belebung verschaffen da nur junge Frauen und – da das Reisen inzwischen als zu unbequem empfunden wird – ein neues Werk.

2016

Felix Kucher, Malcontenta

Es geht um die Wiederentdeckung eines Malers, des „größten Maler[s] nach Michelangelo“ und seiner spannenden Memoiren, um einen Juden, der 1939 zum zweiten Mal vor dem Krieg und erstmals vor dem Antisemitismus aus Europa nach Brasilien flieht, und um zwei junge Afrikaner, die es an den Ort verschlägt, an dem sich diese Vergangenheiten abgespielt haben. Geschickt verknüpft Kucher die Fäden der Erzählungen zu einer spannenden, lehrreichen und stellenweise auch berührenden Geschichte. Dabei gelingen ihm drei unterschiedliche stilistische Textteile, die durch Kontrast und Verknüpfung den besonderen Charakter des Buches ausmachen.

 

 

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