Kunst und Archäologie der griechischen Welt

In vierzehn Kapiteln – angepaßt an die Semesterwochen eines amerikanischen Colleges – werden Kunst und Archäologie der griechischen Welt über einen Zeitraum von rund 2.000 Jahren erzählt. Das Buch behandelt überwiegend den östlichen Mittelmeerraum, es setzt in der Bronzezeit auf Kreta und den Kykladen ein und schreitet dann chronologisch voran, um mit dem Anbruch des letzten Jahrhunderts vor Christus zu enden.

Der Autor, Richard T. Neer, ist Professor für Klassische Kunstgeschichte an der Universität Chicago. Das Buch erschien 2012 im Original, dann 2013 auf Deutsch bei der Wissenschaftlichen Buchhandelsgesellschaft. Dank der guten Gliederung und Strukturierung der Kapitel, unzähliger Fotos, Karten und Zeichnungen ist das Buch sehr anschaulich und gut durchzuarbeiten. Zusammenfassungen am Ende der Kapitel erlauben eine Lernkontrolle.

Das Spektrum der behandelten Themen ist breit und umfaßt alle Bereiche des menschlichen Lebens; gezeichnet wird ein sehr lebendiges Porträt einer Region und der dort lebenden Menschen mit ihren Interaktionen.

Das Buch begleitet mich auf meinem Antiketrip und seine Lektüre macht mir viel Freude. Keine juristische Fachlektüre, keine Belletristik, sondern ein gut gemachtes Lehr- und Lernbuch zu einem historischen Thema, ebenso informativ wie schön gestaltet.

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Netzalmanach August/September 2014

Mit dem Netzalmanach möchte ich Hinweise auf Lesenswertes in anderen Blogs geben und so einen kleinen Beitrag zur weiteren Vernetzung leisten.

Der geschätzte Tilman von 54books fragt interessante Menschen: „Wie liest Du?“ Mein Eindruck ist, daß alle Befragten sehr sorgsam mit ihren Büchern umgehen, und die vom Frager erhoffte Bestätigung einer Unart zumindest bislang ausgeblieben ist.

Dr. Köllerer aus Wien ist ja auch dafür zu loben, daß er aus dem schier unerschöpflichen Fundus seines Blogs immer wieder ältere Schätze nach oben holt und sie jenen zeigt, die sich nicht – einem Archivar gleich – auf den Spaziergang durch die Katakomben seiner Gelehrsamkeit und Belesenheit machen. Der Post über die Canterbury-Erzählungen ist ein Beispiel für dieses Vorgehen.

Da sich Finnland und Finnisches zur Zeit von selbst finden, lenke ich den Blick kurz auf Israel/Palästina. Denn il libraio bespricht auf Analog-Lesen ein Buch, das das Thema mal ganz anders in den Blick nimmt: „Auf der richtigen Seite

Woher kommen eigentlich die Bücher? Handel, Verlage, Autoren. SteglitzMind bringt mit konsequent fortgeführten Reihen Licht ins Dunkel. Momentan nimmt Gesine von Prittwitz kleinere Verlage in den Blick und stellt viele Fragen, auf die sie interessante Antworten bekommt.

Anna von buchpost hat wunderbare Bilder aus England mitgebracht. Der Lake District wird sehr vielfältig in einer Folge von Beiträgen eingefangen!

Immer wieder eine Empfehlung wert ist Jargs Blog! Kinderbücher, Spielfilme, Dokumentationen, Romane und Sachbücher in Hülle und Fülle und immer wieder wunderbare Zitate. Ein besonderes Schmankerl sind die Bibliotheksfilme, ein ganz besonderes Genre, wie ich dank Jarg inzwischen weiß. Neuestes Beispiel ist ein Film über das neue Gebäude der Public Library in Billings (Montana) – aber es gibt auch ganz anders angelegte Bibliotheksfilme: stöbern!

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Des Fremden Kind: Gesellschafts- und Dichterroman aus einer anderen Zeit

Alan Holinghurst ist ein britischer Autor, der seit den 1980er Jahren Romane veröffentlicht, von denen vier in deutscher Übersetzung vorliegen: Die Schwimmbadbibliothek (1992), Die Verzauberten (1999), Die Schönheitslinie (2005) und Des Fremden Kind (2012).

„Die Schönheitslinie“ hatte die britische Klassengesellschaft unter Margaret Thatcher zum Gegenstand, Hochglanzfassade und menschliche Abgründe, Drogen und Sex in Parks. Glänzend geschrieben, paarte das Buch eine bittere Zeitanalyse mit guter Unterhaltung.

„Des Fremden Kind“ beginnt im Sommer 1913 und führt uns das unbeschwerte Landleben der Upper Class vor Augen, selbstgefällig, kunstinteressiert und voll verklemmter oder verheimlichter Sexualität. Einer der Protagonisten ist ein hoffnungsvoller junger Dichter, der alsbald fällt und dessen Ruhm sich ins Unermeßliche steigert. Nach dem Krieg gibt es nicht nur die die Erinnerung konservierende Familie, die gleichzeitig den gesamten unschicklichen Bereich gemeinsam beschweigt, sondern auch breite Kreise der literarisch interessierten Öffentlichkeit, die Cecil Valances Leben und Werk durchleuchten.

Holinghurst seziert Familien- und Freundschaftsbeziehungen; er zeigt dabei liebenswürdige Vertrotteltheiten und läßt seine Leser in menschliche Abgründe blicken. Fesselnd geschrieben, klar strukturiert und so geschrieben, daß ich als Leser Luft zum Atmen hatte. Eine angenehme Lektüre, deren Gesellschaftsanalyse überzeugt. Modernisierungsschübe nach dem ErstenWeltkrieg, gleichzeitiges Festhalten an der guten, alten Zeit sowie gewandelte und konservierte Moralvorstellungen – all das flicht Holinghurst geschickt in die Erzählung ein und bearbeitet es vor allem in den Dialogen mit Esprit.

Richtig Staub aufgewirbelt wird dann erst nach dem Zweiten Weltkrieg, als Outing-Bücher Konjunktur haben, aber am Ende ist alles eben doch ziemlich lange her.

Fazit: ein sehr guter Roman, der meinem Centennariumsprojekt einen erfreulichen Farbtupfer hinzufügte.

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Kulturprogramm in Düsseldorf

Ich war beruflich nach Düsseldorf gereist, zur Jahrestagung einer wichtigen juristischen Gesellschaft. Bei herrlichem Wetter verbrachte ich die Tage vom 30. September bis 4. Oktober in der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt.

IMG_0462IMG_0463Meine erste – lange – Mittagspause am 1. Oktober zwischen zwei Tagungsabschnitten nutze ich zu einem Besuch des Museums Kunstpalast und verzichte auf die angebotene Altstadtführung. Die in den 1920er Jahren entstandene Anlage weist baulliche Formenelemente und -strukturen auf, die später von den Nazis aufgegriffen und intensiviert wurden. Bei genauem Hinsehen erkennt man eine durch nachfolgende ästhetische Vergröberung und politische Indienstnahme diffamierte Moderne.

Ich besuche zunächst eine Ausstellung, die Katharina Grosse gewidmet ist, ihres Zeichens Düsseldorfer Kunstprofessorin. Sie stellt großformatige Gemälde aus und, in einem anderen Saal, eine begehbare Kunstlandschaft. Der Titel des Ganzen, „Inside the Speaker“, hat sich mir nicht erschlossen, greifbar wird die Monumentalität, die das Gemäldeformat bei bis zu 36 qm großen Leinwänden arg strapaziert. Und auch die knapp 800 qm große Installation mit aufgeschütteter Erde, die ebenso wie begrenzende Tücher mit Farbe besprüht ist, sprengt herkömmliche Maßstäbe. Angepriesen wird eine „grenzüberschreitende, entfesselte Malerei“, eine durchaus treffende Charakterisierung für das Nichtssagende des ganzen Projekts.

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Das Ticket erlaubt glücklicherweise auch den Besuch der ständigen Sammlung, die aus nicht näher genannten Gründen derzeit auf eine Auswahl beschränkt ist. Gezeigt werden Werke des 19. und 20. Jahrhunderts, zum Teil ernüchternd akademisch und furchtbar wilhelminisch, glücklicherweise aber auch einige eindrückliche, inzwischen kanonisch gewordene Maler der ersten Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts.. Immer wieder beeindruckend sind dabei Bilder von Franz Marc, der wie viele andere Künstler, im Ersten Weltkrieg gefallen ist.

IMG_0460Interessant fand ich die kurfürstlichen Ursprünge der Sammlung im Barock, die durch einen Erbgang nach München stark dezimiert wurde. Gezeigt werden aus dieser Periode eine Vielzahl von Ölskizzen der Ausmalungen von Schloß Bensberg durch italienische Künstler sowie einige Rubensbilder. Darunter ist eine monumentale – gegenüber den Werken von Frau Grosse freilich minimalistische – Himmelfahrt Mariens, die wegen ihrer Größe und wegen ihres Gewichts nicht mit dem Pferdewagen nach München verbracht werden konnte und deswegen noch heute in Düsseldorf zu sehen ist.

Die offenbar kurz vor dem Bankrott stehende Landesregierung sparte den üblichen Empfang ein, so daß es stattdessen einen Liederabend in der Tonhalle gab. Geboten wurde Schumanns „Dichterliebe“.

IMG_0485IMG_0491Den Freitagvormittag verbrachte ich bei herrlichem Sonnenschein in Oberkassel, testete die Privatrösterei Kaffeeschmiede und warf einen Blick in die katholische St. Antonius-Kirche.

Freitags abends besuchte ich dann die Deutsche Oper am Rhein und hörte Mozarts „Zauberflöte“. Das auf deutschen Bühnen jahraus, jahrein am meisten gespielte Werk ist ja kein unproblematisches. Seine Zeitgebundenheit ist evident – ein Weib tut wenig, plaudert viel -, die Handlung verworren. Als Märchen- und Zauberoper hat sie Charme, es gibt sehr starke humoristische und hochdramatische Musiknummern neben allerhand Langweilern. Leicht aufzuführen ist das Werk aus meiner Sicht nicht, selbst die rekonstruierte Schinkelkulisse, die an der BerlinerStaatsoper gezeigt wird, ist wunderschön, aber eine Inszenierung findet nicht statt.

Die Düsseldorfer Aufführung hatte im September 2014 Premiere, ich besuchte die sechste Vorstellung. Der Clou ist, daß die überwiegend statisch auf einer Senkrechten plazierten Sänger von einem animierten Film umspielt werden und in diesem Film agieren. Dies erlaubt einerseits eine Komprimierung, denn die gesprochenen Dialoge werden in bester Stummfilmtradition – verkürzt – aufgeschrieben, andererseits werden die Zauber- und Traumwelten der Handlung visualisiert, ohne den oftmals lächerlichen Bühneneffekt – etwa eines allzu kläglichen Theaterdrachens – zu erleiden. Entwickelt wurde dieser Ansatz von Suzanne Andrade und Paul Barritt („1927“).

IMG_0493Die Animation läuft ständig und erfaßt alle Facetten der Handlung, das Tempo der Musik wird aufgegriffen und bei der großen Rachearie der Königin der Nacht grandios visualisiert. Der Schrecken der zum Mord aufgeforderten Tochter wird höchst eindringlich dargestellt. Ich weiß nicht, ob ich die Arie in nächster Zeit hören kann, ohne diese Bilder zu sehen – genial!

Sängerisch war es eher ein Standardabend, dominiert wurde das Ensemble von der Sängering der Königin der Nacht, die verdientermaßen auch den meisten Applaus erhielt. Eher enttäuschend geriet die Darbietung des Sarastro, der zwar mächtig orgelte, aber nur schwach artikulierte.

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