Kulturprogramm in Düsseldorf

Ich war beruflich nach Düsseldorf gereist, zur Jahrestagung einer wichtigen juristischen Gesellschaft. Bei herrlichem Wetter verbrachte ich die Tage vom 30. September bis 4. Oktober in der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt.

IMG_0462IMG_0463Meine erste – lange – Mittagspause am 1. Oktober zwischen zwei Tagungsabschnitten nutze ich zu einem Besuch des Museums Kunstpalast und verzichte auf die angebotene Altstadtführung. Die in den 1920er Jahren entstandene Anlage weist baulliche Formenelemente und -strukturen auf, die später von den Nazis aufgegriffen und intensiviert wurden. Bei genauem Hinsehen erkennt man eine durch nachfolgende ästhetische Vergröberung und politische Indienstnahme diffamierte Moderne.

Ich besuche zunächst eine Ausstellung, die Katharina Grosse gewidmet ist, ihres Zeichens Düsseldorfer Kunstprofessorin. Sie stellt großformatige Gemälde aus und, in einem anderen Saal, eine begehbare Kunstlandschaft. Der Titel des Ganzen, „Inside the Speaker“, hat sich mir nicht erschlossen, greifbar wird die Monumentalität, die das Gemäldeformat bei bis zu 36 qm großen Leinwänden arg strapaziert. Und auch die knapp 800 qm große Installation mit aufgeschütteter Erde, die ebenso wie begrenzende Tücher mit Farbe besprüht ist, sprengt herkömmliche Maßstäbe. Angepriesen wird eine „grenzüberschreitende, entfesselte Malerei“, eine durchaus treffende Charakterisierung für das Nichtssagende des ganzen Projekts.

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Das Ticket erlaubt glücklicherweise auch den Besuch der ständigen Sammlung, die aus nicht näher genannten Gründen derzeit auf eine Auswahl beschränkt ist. Gezeigt werden Werke des 19. und 20. Jahrhunderts, zum Teil ernüchternd akademisch und furchtbar wilhelminisch, glücklicherweise aber auch einige eindrückliche, inzwischen kanonisch gewordene Maler der ersten Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts.. Immer wieder beeindruckend sind dabei Bilder von Franz Marc, der wie viele andere Künstler, im Ersten Weltkrieg gefallen ist.

IMG_0460Interessant fand ich die kurfürstlichen Ursprünge der Sammlung im Barock, die durch einen Erbgang nach München stark dezimiert wurde. Gezeigt werden aus dieser Periode eine Vielzahl von Ölskizzen der Ausmalungen von Schloß Bensberg durch italienische Künstler sowie einige Rubensbilder. Darunter ist eine monumentale – gegenüber den Werken von Frau Grosse freilich minimalistische – Himmelfahrt Mariens, die wegen ihrer Größe und wegen ihres Gewichts nicht mit dem Pferdewagen nach München verbracht werden konnte und deswegen noch heute in Düsseldorf zu sehen ist.

Die offenbar kurz vor dem Bankrott stehende Landesregierung sparte den üblichen Empfang ein, so daß es stattdessen einen Liederabend in der Tonhalle gab. Geboten wurde Schumanns „Dichterliebe“.

IMG_0485IMG_0491Den Freitagvormittag verbrachte ich bei herrlichem Sonnenschein in Oberkassel, testete die Privatrösterei Kaffeeschmiede und warf einen Blick in die katholische St. Antonius-Kirche.

Freitags abends besuchte ich dann die Deutsche Oper am Rhein und hörte Mozarts „Zauberflöte“. Das auf deutschen Bühnen jahraus, jahrein am meisten gespielte Werk ist ja kein unproblematisches. Seine Zeitgebundenheit ist evident – ein Weib tut wenig, plaudert viel -, die Handlung verworren. Als Märchen- und Zauberoper hat sie Charme, es gibt sehr starke humoristische und hochdramatische Musiknummern neben allerhand Langweilern. Leicht aufzuführen ist das Werk aus meiner Sicht nicht, selbst die rekonstruierte Schinkelkulisse, die an der BerlinerStaatsoper gezeigt wird, ist wunderschön, aber eine Inszenierung findet nicht statt.

Die Düsseldorfer Aufführung hatte im September 2014 Premiere, ich besuchte die sechste Vorstellung. Der Clou ist, daß die überwiegend statisch auf einer Senkrechten plazierten Sänger von einem animierten Film umspielt werden und in diesem Film agieren. Dies erlaubt einerseits eine Komprimierung, denn die gesprochenen Dialoge werden in bester Stummfilmtradition – verkürzt – aufgeschrieben, andererseits werden die Zauber- und Traumwelten der Handlung visualisiert, ohne den oftmals lächerlichen Bühneneffekt – etwa eines allzu kläglichen Theaterdrachens – zu erleiden. Entwickelt wurde dieser Ansatz von Suzanne Andrade und Paul Barritt („1927“).

IMG_0493Die Animation läuft ständig und erfaßt alle Facetten der Handlung, das Tempo der Musik wird aufgegriffen und bei der großen Rachearie der Königin der Nacht grandios visualisiert. Der Schrecken der zum Mord aufgeforderten Tochter wird höchst eindringlich dargestellt. Ich weiß nicht, ob ich die Arie in nächster Zeit hören kann, ohne diese Bilder zu sehen – genial!

Sängerisch war es eher ein Standardabend, dominiert wurde das Ensemble von der Sängering der Königin der Nacht, die verdientermaßen auch den meisten Applaus erhielt. Eher enttäuschend geriet die Darbietung des Sarastro, der zwar mächtig orgelte, aber nur schwach artikulierte.

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2 Antworten zu Kulturprogramm in Düsseldorf

  1. Petra Gust-Kazakos schreibt:

    Schönes Programm : )

  2. Massimo Altera schreibt:

    Katharina Grosse hatte mir im Berliner Museum für zeitgenössische Kunst „Hamburger Bahnhof“ so gut gefallen, dass ich eigens deswegen nach Düsseldorf gefahren bin.

    Mir hat das Leichte, Verträumte im Kontrast zu der bewegenden Monumentalität des Werks sehr zugesagt. Es hat mich ergriffen und das Wandeln durch diese Landschaft innerste Reflexe bei mir ausgelöst. Vielleicht ist das die besondere Qualität des Werks – vielleicht waren Sie etwas zu hastig.

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