Durchgeblättert: Programmhefte

Vom Theaterzettel zum Programmheft heutigen Zuschnitts – einen Abriß dieser Entwicklung findet man bei Wikipedia, wo es heißt, daß sich „im 20. Jahrhundert das Programmheft mit Handlungszusammenfassungen, Erklärungen und persönlichen Daten der Künstler“ einbürgerte. Auch vom Sammeln und Tauschen der Programmhefte ist da die Rede. Als ich neulich bei Twitter ein Photo meiner kleinen Sammlung zeigte, gab es eine muntere Diskussion meiner theatraffinen Follower und ich erwog, „mal etwas dazu im Blog zu schreiben“ – voilà:

Zunächst einmal knie ich vor dem Regal und schwelge in Erinnerungen und bin baß erstaunt: Die Produktion habe ich gesehen? In Mainz?? Dann merke ich einmal mehr, daß ich längst nicht mehr der jüngste bin. Das älteste erhaltene Programmheft datiert von 1980, mein erster Opernbesuch fand aber zwei Jahre vorher – im Konfirmandenanzug – statt und galt Mozarts Entführung. Dritter Rang, letzte Reihe Mitte und zwei Glas Saft in der Pause für Imke und mich, da wurde offenkundig das Programmheft eingespart. Meine ersten Begegnungen mit Thalia und Polyhymnia fanden sämtlich im Staatstheater Wiesbaden statt, keine schlechte Adresse unter den mittleren Bühnen.

Foto: nw2014

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Erhalten ist das Programmheft des Rosenkavalier, Premiere (!), Dirigent Hans-Werner Pintgen, Inszenierung Heinz Peters. Marschallin Ingrid Kremling, Octavian die junge Gail Gilmore, Sophie Elaine Cormany, Ochs Wolfgang Babl, Faninal Erwin Kurtz – damals und für manches weitere Jahr prägende Namen. Auf der U2 (nicht immer aktuelle) Fotos der Sänger, dann Texte von Strauss und Hofmannsthal, Textauszüge aus älteren Programmheften (Wiesbaden und Deutsche Oper am Rhein), aber kein Wort zur aktuellen Inszenierung, kein Foto, sondern thematisch passende Reproduktionen von Zeichnungen (Himmelbett, Toilettenszene).

Das bleibt länger so, erst später kommen Kostümfigurinen und Zeichnungen der Bühnenbilder hinzu. La Bohème, Tannhäuser, Don Giovanni, Fledermaus, Rigoletto, Carmen, Die Csardasfürstin, Die lustigen Weiber von Windsor, Der Ring des Nibelungen, Der fliegende Holländer, Romeo und Julia (Prokofjew), Il Trovatore, Arabella, Die Zauberflöte, Peter Shaffers Amadeus, Mozart (Ballett), Schillers Kabale und Liebe, Manon Lescaut – häufig Premieren, langsames Vorarbeiten von der letzten in die erste Reihe des dritten Ranges.

Foto: nw2014

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Am 17. August 1986 findet ein „Festlicher Auftakt“ statt; Claus Leininger stellte als neuer Intendant sein Ensemble vor, bereits  bekannte und eine Reihe neuer Sängerinnen und Sänger. Waltraud Isolde Elchlepp, eine gefeierte Azucena, brillierte als Eboli, Graciella Alperyn weckte große Erwartungen für eine neue Carmen-Produktion, Jonathan Welch klang fast wie Pavarotti – und sollte bald als Alfredo Sensation machen –,  Scott Weir als Mozarttenor (und später Liedsänger, in meinem Plattenregal steht eine Aufnahme der Winterreise von ihm), Sue Patchell als dramatischer Sopran, Albert Dohmen noch jung als Figaro-Graf und Don Giovanni; außerdem der Publikumsliebling Eike Wilm Schulte und viele andere. Wie die Zeitung zutreffend schrieb: „Gewaltiger Kräfteschub und Verheißungen für die Zukunft“.

Foto: nw2014

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Dann, mit der neuen Intendanz, die neugestalteten Programmhefte, durchnumeriert. 22 finden sich über die nächsten Jahre in meinem Regal. Nr. 1 gilt der Eröffnungspremiere von Mozarts Titus, am Pult der ewige GMD Siegfried Köhler, Inszenierung Marcel Bluwal, Ausstattung Hubert Monloup. In der Titelrolle Jonathan Welch, Vitellia Sue Patchell, Sextus Graciella Alperyn, Servilia Györgyi Benza, Annius Marion Meyerolbersleben, Publius David Cumberland. Es war meine erste und bislang einzige Begegnung mit dem Werk. Das muß nicht so bleiben. Auch Anregungen resultieren also aus diesem kleinen Blogprojekt.

Die große, weite Theaterwelt in das beschauliche Wiesbaden brachten und bringen die Internationalen Maifestspiele. Diese habe ich von 1980 bis 1994 regelmäßig besucht. 1986 etwa Aida (Opera North Leeds, mit Linda Finnie als Amneris und Wilhelminia Fernandez als Aida – letztere bekannt aus dem wunderbaren Film Diva), Giulietta e Romeo von Zandonai und Glucks Orfeo (beide Ente Lirico Arena di Verona), Eugen Onegin (Staatsoper Kiew) sowie John Neumeiers Kameliendame (Staatsoper Hamburg). Besuche aus dem „Ostblock“ gab es regelmäßig, u.a. von der Komischen Oper Berlin, vom Moskauer Bolschoi, vom Leningrader Kirow-Ballett.

Foto: nw2014

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Aber auch die Müncher Kammerspiele waren in Wiesbaden zu Gast. Kleists Zerbrochener Krug (1987), in der Titelrolle Rolf Boysen, Edgar Selge als Schreiber, Axel Milberg als Ruprecht. Ein Jahr später Racines Phädra mit der großen Gisela Stein in der Titelrolle, Thomas Holtzmann als Theseus und Manfred Zapatka als sein Sohn Hippolytos.

Foto: nw2014

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Mein akademischer Lehrer veranstaltete regelmäßig Seminare mit anschließenden Exkursionen, 1987 fuhren wir zwecks Anschauung zur Rechtslage Deutschlands nach Berlin. Eberhard Diepgen im Rathaus Schöneberg, Hans Otto Bräutigam in der Ständigen Vertretung, für den Zwangsumtausch zwei Schallplatten vom VEB Deutsche Schallplatten Berlin DDR zu je 12,10 Mark der DDR (Opernarien gesungen von Siegfried Lorenz und Brahms‘ Klavierkonzert Nr. 1, gespielt von Claudio Arrau und dem London Philharmonic unter Giulini). In der Deutschen Oper dirigierte Giuseppe Sinopoli einen fulminanten Macbeth, der für das Fernsehen aufgezeichnet wurde. Trotz gelegentlicher Sichtbehinderung ein grandioser Abend, dank Mara Zampieri und Renato Bruson.

Foto: nw2014

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Am 8. Dezember  1989 besuchte ich im Rahmen einer Städtereise Düsseldorf und sah dort in der Deutschen Oper am Rhein La Cenerentola in einer wunderbaren Inszenierung von Jean-Pierre Ponelle, am Pult Alberto Zedda. Agnes Baltsa sang die Titelrolle, Douglas F. Ahlstedt den Don Ramiro, Wolfgang Glashof den Dandini. Walter Berry war Don Magnifico und Bard Suverkrop Alidoro.

1993 mein erster Simone Boccanegra in Frankfurt mit Sylvain Cambreling am Pult, 1994 mein erster Tristan in Mainz (George Cray – Tristan, Carla Pohl – Isolde, Friedemann Kunder – Marke), im gleichen Jahr ein Barbiere unter Zedda, inszeniert von Dario Fo in Amsterdam (der mir nicht gefiel) sowie eine Lucia in Lüttich und eine konzertante Aufführung von I Capuleti e i Montecchi im Amsterdamer Concertgebouw (ebenfalls unter Zedda, mit Christine Barbaux und Martine Dupuy). Ein Jahr später am gleichen Ort eine konzertante Aufführung von I puritani mit Luba Orgonasova als Elvira, Stuart Neill als Arturo, Alastair Miles als Giorgio und Roberto Frontali als Riccardo – das war toll!

1994 wohnte ich ja schon in Berlin, und diese Opernreisen nach Benelux wurden von Düsseldorf aus organisiert… Wie so ein richtiger Tifoso!

In Berlin stand dann als erstes die Komische Oper auf dem Plan: 1994 La Cenerentola – wie im Hause üblich auf Deutsch. Danach Tancredi an der Staatsoper mit Robert Gambill und Jochen Kowalski unter Fabio Luisi, kurz vor Weihnachten dann La Traviata an der Komischen Oper mit der fantastischen Noëmi Nadelmann, die kurz danach auch als Lucia zu hören, nein zu erleben war. 1995 dann die erste Begegnung mit der Lucia von Filippo Sanjust, die seit 1980 im Repertoire der Deutschen Oper Berlin gezeigt wird. Am 22. April 1995 mit Roberto Servile (Enrico), Lucia Aliberti (Lucia) und César Hernández (Edgardo), am 6. April 1995 mit Roberto Frontali (Enrico), Lucia Aliberti (Lucia) und Alfredo Kraus (Edgardo). 1996 und erneut 1998, kurz vor seinem Tod, hörte ich Kraus in dieser Produktion wieder. 2004 war dann Edita Gruberova als Lucia zu hören, die 24 Jahre zuvor die Premiere dieser Produktion gesungen hatte und beinahe so klang, wie in der EMI-Aufnahme aus dem Jahre 1984.

Zurück ins Jahr 1995 und an die Deutsche Oper: Kathleen Kuhlmann/Jennifer Larmore, Raul Gimenez und Stefano Rinaldi Miliani/Kristin Sigmundsson sorgten im Februar/April für zwei wunderbar vergnügliche Aufführungen von L’Italiana in Algeri.

Im November 1996 präsentierte das damals noch selbständige Ballett der Staatsoper, das sich mehr an der sowjetischen Tradition orientierte, wohingegen man an der Bismarckstraße mehr nach Stuttgart und London blickte,  „Die Welt der Ballets Russes“. Es gab Les Sylphides, Le Spectre de la Rose, Der sterbende Schwan, L’Après-midi d’un Faune und Les Noces. Vor allem die deutsche Erstaufführung der Rekonstruktion der Faunengeschichte war beeeindruckend.

München März 1997: Harry Kupfer inszenierte Macbeth und ich konnte zwei Wochen nach der Premiere die Vorstellung auf dem Stehplatz besuchen. Elena Filipova als Lady, Paolo Gavanelli als Macbeth, Jan-Hendrik Rootering als Banquo. Mehr ein bleibender Eindruck vom Nationaltheater als von der Aufführung, der die eingelegten Zeitungsausschnitte ein eher mäßiges Niveau attestieren.

Foto: nw2014

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Bei einer Reise nach New York brachte ich den Koffer ins Hotel und machte mich auf den Weg ins Lincoln Center. Dort kaufte ich zwei Eintrittskarten für den 8. und 10. Dezember 1997. Don Carlo, u.a. mit Thomas Hampson, James Morris, Vladimir Ognovenko und Dolora Zajick, beobachtete ich vom hohen Family Circle aus, Turandot dann vom Orchesterstehplatz. Von dort hatte ich dann einen tollen Blick, als Franco Zeffirelli das Bild in die reiche Innenwelt des Palastes öffnete und nicht mit Gold, Blau und Platz sparte – überwältigend. Sharon Sweet und Richard Margison geboten über Stimmen, die den großen Saal füllten. Die Programmhefte sind von außen identisch und wirken insgesamt nicht ansprechend.

Foto: nw2014

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Hebbel-Theater in Berlin, Februar 1999. Die Geschwister Pfister, die ich zuvor mehrmals in der Bar jeder Vernunft und auch mal im Gloria in Köln gesehen hatte – und die tolle Shows machen! – präsentierten ihre Adaption von Schneewittchen: The Voice of Snowwhite. Fräulein Schneider war Schneewittchen, Ursli Pfister die böse Königin und Toni Pfister spielte alle übrigen Rollen. Live ein großes Vergnügen und, wie die CD beweist, eine tolle Musikzusammenstellung. Andreja, Christoph und Tobias sind echte Profis, die sich seit über zwanzig Jahren in einem knallharten Geschäft behaupten.

Foto: nw2014

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Der Ring um den Ring ist ein großes Handlungsballett, eine Metamorphose von Wagners Tetralogie, die Maurice Béjart 1990 auf die Bühne brachte. Optisch gibt es eine Nähe zum Götz-Friedrich-Ring, aber die Erzählweise ist ganz anders. Ich habe das Balett 2006 und 2013 gesehen und war beide Male beeindruckt. Vom Tanz, vom Konzept und von Elizabeth Cooper am Flügel, die neben der eingespielten Musik aus großen Ring-Aufnahmen für einen packenden Klang sorgt.

 

Foto: nw2014

Foto: nw2014

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Wagner in Berlin – das verlangt einen eigenen Blogpost. Hier nur das opulente Programmheft der Richard-Wagner-Tage 2003 und darin der berühmte, grandiose, sehenswerte, tolle, beeindruckende Zeittunnel, der seit 1984 immer wieder für ein volles Haus sorgt.

 

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KultTipp im Rahmen der Blogparade: Spot on!

Über Michael, der in seinem Blog Arbeitsjournale öffnet und seine Leser an seiner Regiearbeit teilhaben läßt, habe ich von dieser Blogparade erfahren, die Tanja Praske veranstaltet. Da mache ich doch gerne mit!

Unlängst habe ich zum wiederholten Male die Hamburger Kunsthalle besucht und möchte hier ausführlicher auf die Interimsausstellung „Spot on“ hinweisen. Die älteren Gebäudeteile, in denen die Sammlungsbestände jenseits der Wechselausstellungen gezeigt werden, müssen renoviert werden und stehen bis ins Jahr 2016 hinein nicht zur Verfügung. Während dieser Zeit (1.8.2014-3.1.2016) wird eine Auswahl von über 200 Werken gezeigt, die bei den Alten Meistern anfängt, sich intensiv um das 19 Jahrhundert kümmert, aber auch das zwanzigste Jahrhundert und die Kunst der unmittelbaren Gegenwart nicht vergißt.

Ausstellungskatalog Foto: nw2014

Ausstellungskatalog
Foto: nw2014

Der großformatige, schmale Katalog für nur 9,90 Euro versucht die räumliche Anlage der Ausstellung durch Abbildungskombinationen (und einen Lageplan) ebenso nachzuzeichnen wie er die thematischen Erzählstränge offenbart:

  • Blickbeziehungen – Das Werk und sein Publikum
  • Pictor doctus – Der forschende Künstler
  • TIME IS RUNNING – Die Darstellung von Zeit in der Kunst

Die konzentrierte Präsentation ermöglicht es, bestimmte Phänomene – Wandel von Landschaftsdarstellungen, Individualisierung von Personen, Entwicklung des Frauenbildes, Entdeckung der Technik – scharf akzentuiert herauszuarbeiten. Ansonsten, wenn sich noch eine Kammer mit Kühen auf Wiesen und noch eine mit Seestücken und zwei weitere mit Kaufmannsporträts öffnen, mag es geschehen, daß Auge und Geist zu schweifen beginnen.

Philipp Otto Runge: Der Morgen (erste Fassung) / Katalogabbildung Foto: nw2014

Philipp Otto Runge: Der Morgen (erste Fassung) / Katalogabbildung
Foto: nw2014

Die Prunkstücke von Caspar David Friedrich, also vor allem der „Wanderer über dem Nebelmeer“ und das grandiose „Eismeer“ werden selbstverständlich gezeigt; Philipp Otto Runge ist ebenfalls präsent, sein „Der Morgen“ ist prominent plaziert.Ich gestehe, daß ich das Bild nach wie vor kitschig finde.

Aber auch vertraute Gemälde von Max Liebermann und Lovis Corinth sowie verschiedene Künstler der Brücke sind zu sehen. Manets „Nana“, die einstmals für einen Skandal sorgte, fehlt ebenfalls nicht und, ja, das Bild verströmt noch immer erotischen Zauber.

Die spätere Zeit ist unter den Überschriften „Der Ausstieg aus dem Bild“, „Aktionismus und Geste“ sowie „Pop Art und Selbstinszenierung“ zusammengefaßt und bietet Objekte, einen Beuysschen Filzanzug, Videos und Neonleuchten. Polaroids, die Andy Warhol in verschiedenen Aufmachungen und eine Reihe von Prominenten von Brandt bis Hitchcock zeigen, berühren in ihrer Altmodischheit.

Insgesamt ein lohnender Blick in die Sammlung der Kunsthalle, die ich vor einiger Zeit auch schon einmal begeistert gewürdigt habe!

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Gaito Gasdanow, Glück

In der von den mittlerweile acht unter dem Signum „5 Plus“ zusammengeschlossenen Buchhandlungen herausgegebenen Edition 5 Plus ist als fünfter Band diese Erzählung erschienen, 1932 im Original veröffentlicht, geschrieben im Pariser Exil. Der 1903 geborene Gasdanow mußte sich als Nachttaxifahrer durchschlagen, erst 1953 besserte sich seine finanzielle Lage. In der Sowjetunion erschienen seine Werke erst 1988, auf Deutsch wurde sein Roman „Das Phantom des Alexander Wolf“ im Jahr 2012 vorgelegt.

Die Erzählung „Glück“ beschäftigt sich mit einer Vater-Sohn-Beziehung, in die eine Stiefmutter hineingerät und die später durch eine Erkrankung des Vaters getroffen wird. In zarten Wendungen, die die Übersetzung von Rosemarie Tietze sehr schön einfängt, beschreibt Gasdanow Gegenstände, Geschehnisse und Empfindungen. Was ist Glück und wie erkennt man es? Das schmale Buch führt uns Menschen vor, die dieser Frage nachgehen.

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Kulturtrip nach Hamburg im Oktober

So eine Kurzreise nach Hamburg ist stets ein wenig Balsam für die Seele; eine schöne Stadt, in der auch nach einigen Wegzügen in der letzten Zeit immer noch einige Freunde und Bekannte leben, und die kulturell einiges zu bieten hat sowie mit der Außenalster über eine gute Laufstrecke verfügt.

Plakat der Ausstellung Foto: nw2014

Plakat der Ausstellung
Foto: nw2014

In der Hamburger Kunsthalle besuchte ich zunächst die Max Beckmann gewidmete Ausstellung seiner Stilleben. Man erfährt, daß der Künstler Zeit seines Lebens diesen Bildtyp bearbeitet und entwickelt hat, und kann stilistische Weiterentwicklungen ebenso beobachten wie den Wandel der Lebensumstände, die vom erzwungenen Exil herrühren.

Gut gefallen hat mir, daß Gegenstände, wie eine Muschel, eine Vase oder ein afrikanischer Holzbecher, die auf mehreren Stilleben zu sehen sind, auch als Originalobjekte ausgestellt werden, sodaß man Abbildungstreue und Verfremdungsbereitschaft erkennen kann.

IMG_0583Instrumente sind ebenfalls häufiger zu sehen, weil Beckmann die Musik sehr mochte. Auf diesem Stilleben sieht man ein Grammophon, das als gute Überleitung dienen mag zu dem abendlichen Ballettbesuch in der Hamburgischen Staatsoper. wo ich „Tod in Venedig – ein Totentanz von John Neumeier“ angeschaut habe. Die Umsetzung der Novelle von Thomas Mann, der nicht nur die Fülle des Wohllauts schätzte, sondern auch als Augenerotiker sanft jungen Männern hinterherblickte, wird mit Musik von Johann Sebastian Bach und Richard Wagner unterlegt. Im elften Jahr seit der Premiere ist diese Produktion frisch wie eh und je, grandios ist der mitgealterte Tänzer des Aschenbach (Lloyd Riggins), der nun auch körperlich in erkennbarer Distanz zum – ausgetauschten – Tänzer des Tadzio (Alexandr Trusch) steht. Die Bild-Klang-Korrelation ist frappierend, die Aschenbach-Welt nimmt im Musikalischen Opfer Bachs Gestalt an, während die Begegnungen mit Tadzio mit Wagnerschen Kompositionen ausstaffiert sind. Das Bacchanal aus dem Tannhäuser und immer wieder Tristan-und-Isolde-Motive sorgen für Rauschzustände und unerfüllte Sehnsuchtsklänge, natürlich kulminierend im Liebestod, den die Pianistin Elizabeth Cooper in der Transkription von Liszt atemberaubend zu Gehör bringt.

Foto: nw2014

Foto: nw2014

Angereichert war mein Besuch mit dem Besuch der Buchhandlung Felix Jud, mit einigen Begegnungen zum Frühstück, bei Kaffee und Tee und zum Abendessen.

In der Kunsthalle habe ich natürlich auch die Ausstellung „Spot on“ gesehen, in der während Modernisierungsarbeiten des Altbaus 200 Meisterwerke aus der ständigen Sammlung gezeigt werden.

Im Bucerius Kunstforum gab es die Ausstellung „Pompeji: Götter, Mythen, Menschen“. in der zahlreiche Fresken und einige FLiesen gezeigt werden. Beeindruckend hier vor allem der Nachbau mehrerer Raumfolgen, in die erhaltene Elemente eingestellt wurden. Auf diese Weise entsteht eine gute Vorstellung der Anlage, was durch eine dreidimensionale Rekonstruktion im Film sehr anschaulich ergänzt wird.

Ein flotter Lauf um die Außenalster gehörte natürlich auch zum Programm.

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