Museumsinsel Berlin

Pfingstmontag 2016, der letzte Tag, an dem im Alten Museum die Ausstellung „Kampf um Troja“ gezeigt wird. Ohne Brad Pitt, Eric Bana und Orlando Bloom – aber mit den Münchener Ägineten, die mit den Ergänzungen Thorvaldsens als Kunstmarmorabgüsse gezeigt werden. Üblicherweise zeigt das Alte Museum kolorierte Abbildungen der beiden Giebeldreiecke und allerlei Kleinteile, aber im Rahmen dieser Ausstellung stehen die Kämpfer in zwei Reihen auf länglichen Podesten, um die man herumgehen kann. Ort des Geschehens, ja so kann man es angesichts der wie eingefroren wirkenden Kampfszenen durchaus nennen, ist die Rotunde. Die kleinen Kämpfer kontrastieren auf interessante Weise mit den zumeist überlebensgroßen Statuen, die in den Nischen der Säulengalerie stehen.

In den 1960er Jahren wurden die Ergänzungen wieder entfernt; seither zeigt die Münchner Glyptothek wieder die originalen Reste. Die Abgüsse wurden im Jahr 2011 anläßlich der Entdeckung der Skulpturen im Jahre 1811 erstmals präsentiert.

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Geschichte lesen

Uwe Ellerbrock/Sylvia Winkelmann, Die Parther. Die vergessene Großmacht, 2. Aufl. 2015
Karl Christ, Krise und Untergang der Römischen Republik, 8. Aufl. 2013
Richard T. Neer, Kunst und Archäologie der Griechischen Welt, Von den Anfängen bis zum Hellenismus, 2012, dt. 2013
Stiftung Deutsches Historisches Museum (Hrsg.), Kaiser und Kalifen. Karl der Große und die Mächte am Mittelmeer um 800, 2014

Vier Bücher, die unterschiedliche Themen und Epochen behandeln, aber doch miteinander zusammenhängen, insofern sie einerseits von Entwicklung, Blüte und Niedergang von Kulturen handeln und andererseits in vielen Aspekten den kulturellen Austausch und die – friedliche wie gewaltsame – Interaktion von Zivilisationen schildern.

Neers »Kunst und Archäologie der Griechischen Welt« ist ein kunstgeschichtliches Buch, das in der frühen Bronzezeit, also um 3000 v. Chr. einsetzt und im zweiten Jahrhundert v. Chr. endet, als Rom auch im östlichen Mittelmeer dominiert. Es ist in vierzehn Kapitel unterteilt und kann somit während eines Semesters durchgearbeitet werden. Eine reiche Bebilderung, hilfreiche Informationskästen und Erläuterungen begleiten den sehr informativen Text.

Ellerbrock und Winkelmann stellen in ihrem Buch »Die Parther« eine Kultur und ein Reich vor, das im Osten Griechenlands in nachhellenistischer Zeit, also nach dem Ende der von Alexander dem Großen und seinen Nachfolgern begründeten griechischen Herrschaft im Mittleren Osten und bis nach Indien hin, entstanden war. Das Buch umfaßt den Zeitraum von der Mitte des dritten vorchristlichen bis zur Mitte des dritten nachchristlichen Jahrhunderts. Es bietet Aspekte der politischen, wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und kulturellen Geschichte des Partherreichs, wobei der Text durch Abbildungen und Tabellen unterstützt wird.

Christs »Krise und Untergang der Römischen Republik« legt den Fokus klar auf die Politik- und Militärgeschichte; der behandelte Zeitraum erstreckt sich von 202 v. Chr. bis 27 v. Chr., dem Jahr, in dem Augustus den Principat begründete. 446 kleinbedruckte Seiten (plus Apparat) werden nur durch wenige Kartenskizzen aufgelockert.

Die Autoren des Buches »Kaiser und Kalifen. Karl der Große und die Mächte am Mittelmeer um 800«, herausgegeben von der Stiftung Deutsches Historisches Museum beschreiben die »Mächte am Mittelmeer», schildern die »Begegnungen der Kulturen«, erläutern »Kulturelle Praktiken« und nehmen abschließend »Moderne Perspektiven« ein. Auf diese Weise kommen insgesamt 25 Kapitel zusammen, angereichert mit vielen Fotos, Abbildungen und Karten.

Insgesamt vier schön gestaltete und vor allem lehrreiche Bücher, die ich mit Gewinn und Genuß gelesen habe beziehungsweise noch zu Ende lese. Alle Titel sind bei der Wissenschaftlichen Buchgesellschaft zu einem modesten Preis erhältlich

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Zufallsfund: Hotelroman aus dem alten Paris

Willem Elsschot, Villa des Roses, 1913, dt. 1993 (Übersetzung von Waltraud Hüsmert) – Band 1121 der Bibliothek Suhrkamp, 177 Seiten plus Nachwort.

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Foto: nw2016

Der Autor lebte von 1882 bis 1962 und hieß mit bürgerlichem Namen Alfons Jozef de Ridder und stammte aus Antwerpen. »Villa des Roses« ist sein Debütroman. Elsschot war als Kaufmann tätig; privat schrieb er Prosa und Gedichte, allerdings in – wie dem Nachwort zu entnehmen ist – letztendlich bescheidenem Gesamtumfang.

Namensgebender Ort des Geschehens ist das Pariser Hotel »Villa des Roses«, in dem das Eigentümerehepaar mit wenigen Angestellten und einer Reihe schrulliger Gäste zusammenleben. Der Grundzug des Romans ist trotz des humoristischen Tonfalls, mit dem die Personen charakterisiert werden, zutiefst pessimistisch. Dies gilt für die diversen Bemühungen des Ehepaars Brulot, mit ihrem Hotel Geld zu verdienen, mehr noch aber für die sich im Laufe des Geschehens entwickelnde Liebesgeschichte zwischen einem Gast und einer Angestellten des Hotels.

Die „gute alte Zeit“ hat es eben nicht gegeben. Das Schlaglicht, das Elsschot auf die Welt von gestern fallen läßt, macht dies sehr deutlich.

Und warum spreche ich von einem Zufallsfund? Ich bin an einer Filiale des „Berliner Büchertischs“ vorbeigekommen und habe dort ein wenig gestöbert. Hineingelockt hatte mich ein Buch über Hofmannsthal. Davon ein andermal.

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Queen of Crime: forever young?

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Foto: nw2016

Der Atlantik-Verlag brachte 2015 aus Anlaß des 125. Geburtstags von Agatha Christie eine Reihe ihrer Kriminalromane in neuer Übersetzung heraus. Ich erhielt ein Exemplar des klassischen Hercule-Poirot-Romans »Das unvollendete Bildnis« zugeschickt. Da ich in einer frühen Phase meines Leselebens alle Romane von Agatha Christie gelesen habe, konnte ich mein altes Taschenbuch aus dem Regal ziehen und danebenlegen. Mehr zum Vergleich der Übersetzungen siehe am Ende der Besprechung.

Ein Mordfall, der vor sechzehn Jahren geschah, soll aufgeklärt werden. Die Tochter der als Täterin Verurteilten ist volljährig geworden und will mit der Gewißheit in ihr Erwachsenenleben treten, daß ihre Mutter unschuldig war.

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