Literatur und Recht – oder eben twittertauglich #LawAndLit

Also zunächst mal: Eine sehr lobenswerte Initiative der beiden Buchguerilleros Tobias Witte (@thw85) und Tilman Winterling (@fiftyfourbooks), vorgestellt auf ihrem gemeinsamen Blog.

Mich hat das sofort an eine meiner prägendsten Erfahrungen als Student erinnert, an die Vorlesungen und Vortragsveranstaltungen von Peter Schneider. Er war ein Professor wie aus dem Bilderbuch: Weißgraue Mähne, großformatige Hornbrille, beiger Regenmantel, ausgebeulte braune Ledertasche – so kam er jede Woche in den Hörsaal. Aus der ausgebeulten Tasche holte er jedesmal zehn bis zwanzig Bücher, dabei fing er sogleich an zu reden, es sprudelte aus ihm heraus. In der Sprachmelodie seiner deutschschweizerischen Heimat stürzte er sich in die Texte, mittenhinein, schlug die Bücher – so schien es mir immer – an irgendeiner Stelle auf, las etwas vor und behandelte dann den Stoff. Das konnte die Grundlagenveranstaltung „Allgemeine Staatslehre“ sein oder die gut besuchte – natürlich völlig prüfungsirrelevante – Vorlesung „Literatur und Recht“.

Ich habe als Student selten so viel begriffen, mich nie so sehr für die Buchwissenschaft Jura interessiert wie in jenen Monaten. Unvergessen die großartigen, aus den Vorlesungen entwickelten Vorträge über Reineke Fuchs und – selbstverständlich für einen Schweizer – Wilhelm Tell.

Wenn ich mich also im Rahmen dieses Projekts mit Shakespeare oder/und Lessing beschäftige, werde ich mich oft an einen echten und sehr sympathischen Gelehrten (mit einer interessanten Biographie, siehe den verlinkten Wikipedia-Eintrag) erinnern.

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Neuerwerbungen – Wissenschaftliche Buchgesellschaft

Neben dem bereits separat vorgestellten schönen Bücherbuch „Bühne auf“ enthielt das Paket wunderbare weitere Bücher:

Hugo von Hofmannsthal, Gedichte und Prosa, 752 Seiten Text, 140 Seiten Anhang, 2003.

Das interessiert mich schon deshalb, weil Hofmannsthal – ähnlich wie Harry Graf Kessler – ein wichtiger Begleiter des Aufbruchs in die Moderne war.

Jonathan Swift, Gullivers Reisen, 474 Seiten Text, 22 Seiten Anhang, 2006. Übersetzt von Kurt Heinrich Hansen 1958, mit den Illustrationen von Grandville zu der Ausgabe von 1838.

Vor langer Zeit in einer jugendgerechten Fassung gelesen, bin ich auf die Wiederbegegnung neugierig.

Karl Christ, Krise und Untergang der römischen Republik, 466 Seiten Text, 84 Seiten Anhang, 8. Aufl. 2013.

Sehr sinnvolle Ergänzung meiner kleinen Handbibliothek zur klassischen Antike.

Patrick Schollmeyer, Handbuch der antiken Architektur, 207 Seiten Text, 30 Seiten Anhang, 2013.

Überreich mit Skizzen und Grafiken versehene Erläuterungen des Bauens in der Antike, neben dem unverzichtbaren „Historischen Weltatlas“ von Leisering und meinem kürzlich erworbenen Städtelexikon eine wertvolle Unterstützung bei der Veranschaulichung dieser faszinierenden Zeit.

Anton Holzer (Hrsg.), Die letzten Tage der Menschheit. Der Erste Weltkrieg in Bildern. Mit Texten von Karl Kraus,139 Seiten Text/Bilder, 5 Seiten Anhang, 2013.

Ausgewählte Texte aus Kraus‘ Antikriegsdrama „Die letzten Tage der Menschheit“ werden mit Zeitungs- und Propagandafotos zusammengefügt, wie sie auch Kraus bei der Abfassung seines Werks vorliegen hatte. Ein weiteres gutes Buch zum Centennarium des Ersten Weltkriegs.

Und nun zwei bibliophile Glanzstücke:

Georg Büchner, Werke und Briefe, illustriert von Benjamin Kniebe, 212 Seiten Text, 27 Seiten Anhang, 2013.

Das in rotes Leinen gebundene, schön gesetzte und großformatige Buch enthält den Hessischen Landboten, Danton’s Tod, Lenz, Leonce und Lena, Woyzeck sowie einige Briefe. Hofmannsthal übrigens veröffentliche 1926 das Deutsche Lesebuch, eine Sammlung „vorzüglichster Prosa“ und nahm darin drei Briefe Büchners an dessen Geliebte auf.

Dante Alighieri, Die göttliche Komödie, illustriert von Gustave Doré, 296 Seiten (inkl. der Einleitungstexte), 2. Aufl 2011.

Blaues Leinen mit goldgeprägtem Titel, wunderbares Papier, der ewige Strom des Texts, der sich Spalte um Spalte ergießt und durch Hölle und Fegefeuer zum Paradies führt – dazwischen die vielen, vielen Drucke. Welches Licht in Schwarzweißzeichnungen steckt!

Also sehr viel zu lesen, zu betrachten und zu bedenken.

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Neuerwerbung: Bühne auf!

In meinem großen Bücherpaket, das dieser Tage geliefert wurde, findet sich das ganz wunderbare Buch: „Bühne auf! Die Erstlingswerke deutscher Autoren des 20. Jahrhunderts“. Das reich bebilderte Lexikon, ist, wie es auf dem Schutzumschlag treffend heißt, eine Liebeserklärung an die Literatur. Deswegen stelle ich es auch vorab gesondert vor, bevor das Gesamtpaket hier auf dem Blog ausgepackt wird.

So sieht es aus:

Quelle: faberundfaber.de

Quelle: faberundfaber.de

Herausgegeben ist das Buch von Elmar Faber und Carsten Wurm. Wenn man den abgebildeten Schutzumschlag abnimmt, ist es in schwarz und rot gehalten – gebunden in f-color Feinleinen -, innen ist es wunderschön ausgestattet, gedruckt auf festes Papier – Schleipen extra weiß -, Lesebändchen und Fadenheftung. Ein Fest!

Es werden 225 Erstlingswerke genausovieler Autorinnen und Autoren aus dem deutschen Sprachraum vorgestellt, von Ilse Aichinger bis Stefan Zweig. Es gibt jeweils einen kurzen Text zu Autor und Erstlingswerk und vor allem Abbildungen, insbesondere der Einbände oder Umschläge, gelegentlich auch der Titelblätter oder Buchrücken. Es gibt Zeichnungen von Autoren, Fotos von Seiten oder Illustrationen. Insgesamt rund 300 farbige Abbildungen auf 526 Seiten.

aus dem vorgestellten Band, Foto nw2013

aus dem vorgestellten Band, Foto nw2013

aus dem vorgestellten Band, Foto nw2013

aus dem vorgestellten Band, Foto nw2013

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Goethe am Sonnabend Nr. 11

Der ästhethische Torschreiber

Halt Passagier! Wer seid ihr? Wes Standes? Welches Charakters?
Niemand passieret hier durch, bis er den Paß mir gezeigt.

Xenien

Distichen sind wir. Wir geben uns nicht für mehr noch für minder
Sperre du immer. Wir ziehen über den Schlagbaum hinweg.

Maut

Öffnet die Coffres! Ihr habt doch nichts kontrebandes geladen?
Gegen die Kirche? den Staat? nichts von französischem Gut?

Antwort

Coffres führen wir nicht. Wir führen nicht mehr als zwei Taschen
Tragen; den Hauderer dort hinter uns – den visitiert!

Distichen der Sammelhandschrift (1795/96)
Münchner Ausgabe Bd. 4.1, 1988, S. 676f.

Goethe am Sonnabend Nr. 10

Goethe am Sonnabend Nr. 9

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