Aufstieg und Fall der großen Mächte

„Große Mächte, die sich in einem relativen Abstieg befinden, reagieren instinktiv, indem sie mehr für ihre »Sicherheit« ausgeben und dadurch potentielle Ressourcen von »Investitionen« abziehen und so ihr langfristiges Dilemma verstärken.“

Paul Kennedy, Aufstieg und Fall der großen Mächte, 1987, S. 23.

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Die Notizhefte haben Geburtstag!

Kaum zu glauben, aber wahr: Ich schreibe jetzt hier schon ein Jahr lang, seit dem 20. Juni 2013, das Internet voll. Und noch unglaublicher ist für mich, daß ich in dieser Zeit eine kleine, aber treue Lesergemeinde habe gewinnen können, die diesen Blog regelmäßig besucht, meine Beiträge liest und kommentiert. An Anfang stand ein Beitrag über die sogenannte #Neuland-Debatte, der von einem Beitrag über Vernetzung im Netz gefolgt wurde. Damals nervte mich die durch 140 Zeichen extrem verknappte Diskussionen auf Twitter und es drängte mich zur längeren Stellungnahme. Dann aber entdeckte ich das Medium Blog schnell für meine anderen Themen und legte los.

Ausschnitt aus meiner Blogroll Foto: nw2014

Ausschnitt aus meiner Blogroll
Foto: nw2014

Begriffswolke Foto: nw2014

Begriffswolke
Foto: nw2014

Vielen Dank für den Austausch und für die vielen Anregungen, die ich selbst aufnehme. Das macht mir sehr viel Freude und ist beileibe keine „verlorene Zeit im Netz“. Ich besuche ja selbst eine Reihe von Blogs, auf denen ich viel neues erfahre, mich oft bestärkt fühle oder ein ganz andere Sichtweise kennenlerne.

„Bücher, Musik, Geschichte, Politik“, das sind – so weiß es die About-Seite – die Themen dieses Blogs, wobei auch Museumsbesuche, Wein und Laufsport ihren Platz gefunden haben. Ich habe in den letzten Wochen versucht, durch weitere Übersichtsseiten die Systematik zu erhöhen und es leichter zu machen, bestimmte Beiträge zu finden und dann das naheliegende gleich mitzuentdecken.

Es gibt mehr Bilder als am Anfang, aber es muß auch nicht jeder Post bebildert werden. Goethe kann allein durch Worte wirken, aber gerade bei den Ausstellungsbesuchen mag ich begleitende Bilder sehr gern.

Heute gibt es keine Statistiken zur Blogentwicklung (hier und hier finden sich Bilanzen), sondern eine Verlosung! Jeder der etwas in die Kommentarspalte schreibt, nimmt an der Verlosung teil. (Es besteht kein Rechtsanspruch auf einen Gewinn; verlost wird am 21. Juni 2014 um 22:00.) Zu gewinnen gibt es drei schöne Bücherpakete mit jeweils gelesenen, aber natürlich bestens erhaltenen Exemplaren. (Für die Zusendung erbitte ich dann die Postanschrift per DM.)

Im zweiten Blogjahr hoffe ich auf weitere Begegnungen im sogenannten #RealLife und wünsche bis dahin weiter viel Freude mit den Notizheften.

 

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Laufen: Update

Wie in dem ersten Post über das Laufen vor knapp einem Jahr angekündigt, hat es weitere #SynchronRun-Läufe gegeben (1/2014 und 2/2013). Bei der NikePlus-App bin ich mittlerweile im blauen Level angekommen und nutze inzwischen auch Reisen, um neue Laufstrecken kennenzulernen.

So war ich unlängst in Hamburg an der Außenalster (#traumschön) und kurz darauf in Bonn am Rhein laufen.

Laufstrecke Außenalster Hamburg Foto: nw2014

Laufstrecke Außenalster Hamburg
Foto: nw2014

Laufstrecke Rheinufer Bonn Foto: nw2014

Laufstrecke Rheinufer Bonn
Foto: nw2014

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Laufstrecke Tiergarten Berlin Foto: nw2014

Laufstrecke Tiergarten Berlin
Foto: nw2014

Meine Hausstrecke ist aber der Berliner Tiergarten, auch wenn da allzuoft Absperrungen für Großveranstaltungen wie FashionWeek oder jetzt die sogenannte Fan-Meile Hindernisse darstellen. Wozu haben wir denn das leere Tempelhofer Feld, wenn nicht für störende Großveranstaltungen…

In jedem Fall gilt: Keep on running!

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Hugo von Hofmannsthal

„Skizzen zu seinem Bild“, so lautet der Untertitel, den Ulrich Weinzierl seiner zuerst 2005 erschienenen (mir in der Taschenbuchversion von 2007 vorliegenden) Biographie gab.

Foto: nw2014

Foto: nw2014

Bei Weinzierl – und mir – schwingen in dem, was sich da zu einem Bild zusammenfügen soll, auch immer Töne mit, die aus den Opern von Richard Strauss stammen und an einzelnen Textzeilen hängen oder diese umschwirren und in eine Klangwolke hüllen.  Strauss war Hofmannsthal 1906 (nach einem ersten Kontakt 1898) erneut begegnet und erklärte ihm, dessen 1903 uraufgeführte Elektra vertonen zu wollen; die Oper wurde am 25. Januar 1909 in Dresden uraufgeführt. Es folgten „Der Rosenkavalier“ (1911), „Ariadne auf Naxos“ (umgearbeitete Fassung 1916), „Die Frau ohne Schatten“ (1919), „Die ägytische Helena“ (1928) und „Arabella“ (1933). Da lebte der 1874 geborene Hofmannsthal schon nicht mehr; er war 1929 im Alter von 55 Jahren verstorben.

Hofmannsthal studierte zunächst Jura, absolvierte mit 20 das 1. Juristische Staatsexamen, wandte sich dann der romanischen Philologie zu, und wurde 1898 mit einer Arbeit „Über den Sprachgebrauch bei den Dichtern der Pléjade“ an der Universität Wien promoviert. 1900/1901 arbeitete er an der Habilitationsschrift „Studie über die Entwicklung des Dichters Victor Hugo“ und legte diese am 31. Mai 1901 vor; noch vor einer Entscheidung der Fakultät zog er die Schrift jedoch im Dezember des selben Jahres zurück, um ausschließlich schriftstellerisch tätig zu sein.

Erste Gedichte waren bereits 1890 erschienen, Prosaarbeiten, Dramen und Fragmente erschienen in der Folgezeit. 1898 wird zum ersten Mal eines seiner Stücke aufgeführt. Das Deutsche Theater in Berlin spielte „Die Frau im Fenster“, noch im gleichen Jahr erlebte München „Der Tor und der Tod“. Am 18. März 1899 wurden am Deutschen Theater Berlin und am Wiener Burgtheater parallel „Der Abenteurer und die Sängerin“ sowie „Die Hochzeit der Sobeide“ uraufgeführt.

Hofmannsthal war also ein Jungstar, der in der Umbruchssituation der Literarischen Moderne vieles aufgriff, reflektierte und fokussierte. 1902 erschien dann „Ein Brief“, vorgeblich von „Lord Chandos“ an Francis Bacon gerichtet. Hierbei handelt es sich um einen Schlüsseltext der zeitgenössischen Sprach- und Bewußtseinskrise, freilich und paradoxerweise in unendlicher Sprachmächtigkeit abgefaßt.

Hofmannsthal war daneben auch Jude – manchen zu wenig, den meisten zu viel – und, seit er als Siebzehnjähriger dem fünf Jahre älteren Stefan George begegnet war, dessen Annäherungsversuche er zurückgewiesen hatte, den Anfechtungen der Homosexualität ausgesetzt. Im Wien der Jahrhundertwende bildete er in beiden Hinsichten keinen Einzelfall. Weinzierl wertet zu beiden Themenkomplexen viel Material aus und läßt so gleichsam nebenbei ein Sittengemälde der vermeintlich guten alten Zeit entstehen. Es zeigen sich allerlei Abgründe, aber meistens ermöglichen die Schranken der Konvention ein gesittetes, nicht zwingend konfliktfreies Zusammenleben. Die Harden-Eulenburg-Affäre in Berlin zeigte jedoch, wie gefährdet diese Ruhe war.

1901 heiratete Hofmannsthal, 1902 wurde die Tochter Christiane geboren, 1903 der erste Sohn, Franz. 1906 kam als drittes Kind Raimund zur Welt. Franz nahm sich 1929 das Leben, kurz darauf erlitt Hofmannsthal einen Schlaganfall, an dessen Folgen er verstarb.

Die frühen Gedichte sind von erstaunlicher Reife und einer gewissen Künstlichkeit. Sie spiegeln, wie das 1896 veröffentlichte Gedicht „Ein Traum von großer Magie“ häufig Lektüreerfahrungen (hier Schopenhauer). Hier der Anfang:

Viel königlicher als ein perlenband
Und kühn wie junges meer im morgenduft
So war ein grosser traum, wie ich ihn fand.

Durch offene glasthüren ging die luft
Ich schlief im pavillon zu ebner erde
Und durch vier offne thüren ging die luft

Und früher liefen schon geschirrte pferde
Hindurch und hunde eine ganze schaar
An meinem bett vorbei.   doch die geberde

Des magiers, des ersten, grossen, war
Auf einmal zwischen mir und einer wand
Sein stolzes nicken, königliches haar

Und hinter ihm nicht mauer: es entstand
Ein weiter prunk von abgrund, dunklem meer
Und grünen matten hinter seiner hand.

Er bückte sich und zog das tiefe her.
Er bückte sich und seine finger gingen
Im boden so als ob es wasser wär.

Vom dünnen quellenwasser aber fingen
Sich riesige opale in den händen
Und fielen tönend wieder ab in ringen.

Weinzierls Buch liest sich gut, macht neugierig auf Hofmannsthals Texte und bestärkt mich in meinem Entschluß, mir endlich die Tagebücher Harry Graf Kesslers vorzunehmen – was wohl zu einer Lebensaufgabe würde…

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