Ausstellungsbesuch: Zeitenwende

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Am 19. November 2015 wurde die Ausstellung eröffnet, die noch bis zum 3. April 2016 zu sehen sein wird. Der 270  Seiten starke Katalog (Hirmer) kostet im Museum 29.- Euro. 1996 hatte die Alte Nationalgalerie die wunderbare Ausstellung »Manet bis van Gogh, Hugo von … Weiterlesen

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Umbruchszeit: die ersten Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts

Das 19. Jahrhundert wird oft als lang bezeichnet, es habe mit der Französischen Revolution begonnen und sei im Trommelfeuer des Ersten Weltkriegs untergegangen. Die „gute alte Zeit“ sah sich freilich bereits vor der Jahrhundertwende, auf alle Fälle aber seither einem Veränderungsdruck und einer von den Zeitgenossen tiefempfundenen Beschleunigung ausgesetzt. Philipp Blom hat dies in seinem Buch »Der taumelnde Kontinent. Europa 1900-1914« auf eine sehr interessante Weise deutlich gemacht.

Als der Krieg die ungewohnt lange Friedensphase in Europa auf unerwartete Art und Weise völlig unheroisch beendete, brach nicht nur die alte, morsch gewordene Welt zusammen, sondern auch die neue Zeit erhielt gehörige Kratzer im glänzenden Lack der Moderne. Musik, bildende Künste, Literatur spiegeln diese Umbruchphase und die daraus resultierenden Unsicherheiten. Aber auch die Politik reagiert mit einer verhängnisvollen Mischung aus traditioneller Machtstrategie, Demagogie und Irrationalität auf die Ungewißheiten und Widersprüchlichkeiten. Bolschewismus, Revisionismus, Faschismus fordern ihren Tribut.

Mit diesen zwei Absätzen habe ich im Herbst 2015 ein Lektüreprojekt knapp umrissen, das mich schon seit längerem beschäftigt und dem ich auch für mich gut erkennbar mehr Aufmerksamkeit widme, seit ich meinen Blog Notizhefte betreibe (Juli 2013).

Nun möchte ich ein paar erste, grundlegende Gedanken zum Thema des unruhigen 20. Jahrhunderts formulieren und Leseerkenntnisse aus einigen der hierher gehörenden Bücher einfließen lassen.

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Im Vielklang der Musen: Goethe, die Frauen und die Musik

Foto: nw2014

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Melpomene, Terpsichore, Thalia, Euterpe, Erato, Polyhymnia und Kalliope, weniger Urania und Klio prägen und bestimmen das Werk von Johann Wolfgang von Goethe. Das – im geselligen Kreis oder auf der Bühne – gesungene oder zumindest singbare Wort, getragen von einer schlichten Melodie und gefaßt von einem oftmals schlichten Reim, Goethe hat während seines langen Lebens immer wieder danach gesucht und uns viele Proben seiner Kunst hinterlassen. Ein besonderes Sprachgefühl und ein solides musikalisches Grundverständnis fügen sich zu einer spezifischen Begabung.

Barbara Mühlenhoff legt mit ihrer kleinen Studie »Goethe und die Musik. Ein musikalischer Lebenslauf« (2011, 111 Seiten plus Apparat) eine ebenso kenntnis- wie detailreiche Untersuchung zum Thema vor und präsentiert entlang von zehn Lebensstationen, welche musikalische Prägung Goethe erfuhr, wer seine musikalische gebildeten Gesprächspartner waren und wie seine Werke vertont wurden. Erwähnung finden aber naturgemäß aber auch die zahlreichen Frauen, denen er begegnet, in die er sich verliebt und die dann einen anderen heiraten oder bereits mit einem anderen verheiratet sind oder die er flieht.

Leipziger Sängerinnen eröffnen diesen Reigen im Laufe Goethes dortiger Studienzeit, die Pfarrerstochter Friederike Brion, die er während seiner Straßburger Zeit kennenlernt und in den Sesenheimer Liedern feiert, läßt er sitzen und geht nach Frankfurt zurück.

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Umbruch – ein Leseprojekt über das unruhige 20. Jahrhundert

Das 19. Jahrhundert wird oft als lang bezeichnet, es habe mit der Französischen Revolution begonnen und sei im Trommelfeuer des Ersten Weltkriegs untergegangen. Die „gute alle Zeit“ sah sich freilich bereits vor der Jahrhundertwende, auf alle Fälle aber seither einem Veränderungsdruck und einer von den Zeitgenossen tiefempfundenen Beschleunigung ausgesetzt. Philipp Blom hat dies in seinem Buch »Der taumelnde Kontinent. Europa 1900-1914« auf eine sehr interessante Weise deutlich gemacht.

Als der Krieg die ungewohnt lange Friedensphase in Europa auf unerwartete Art und Weise völlig unheroisch beendete, brach nicht nur die alte, morsch gewordene Welt zusammen, sondern auch die neue Zeit erhielt gehörige Kratzer im glänzenden Lack der Moderne. Musik, bildende Künste, Literatur spiegeln diese Umbruchphase und die daraus resultierenden Unsicherheiten. Aber auch die Politik reagiert mit einer verhängnisvollen Mischung aus traditioneller Machtstrategie, Demagogie und Irrationalität auf die Ungewißheiten und Widersprüchlichkeiten. Bolschewismus, Revisionismus, Faschismus fordern ihren Tribut.

Die nachstehend aufgeführten Titel stehen in Zusammenhang mit diesem Leseprojekt; besprochene Bücher sind verlinkt, „– Ω“ heißt, daß ich das Buch gelesen, aber nicht besprochen habe, ein Stern bedeutet, daß ich das Buch noch (fertig)lesen muß.

Philipp Blom, Der taumelnde Kontinent. Europa 1900-1914 – Ω

Philipp Blom, Die zerrissenen Jahre 1918-1938 * – Besprechung

Pierre Bost, Bankrott

Heinrich Brüning, Memoiren 1918-1934 *

Michail Bulgakow, Tagebücher und Briefe

Felix Hartlaub, Aus Hitlers Berlin 1934-1938

Ernest Hemingway/F. Scott Fitzgerald, Wir sind verdammt lausige Akrobaten. Eine Freundschaft in Briefen

Franz Hessel, Spazieren in Berlin

Aldous Huxley, Schöne Neue Welt

Ernst Jünger – Carl Schmitt, Briefwechsel

Victor Klemperer, Man möchte immer weinen und lachen in einem. Revolutionstagebuch 1919 * – Besprechung

Helmut Koopmann, Thomas Mann – Heinrich Mann. Die ungleichen Brüder

Elke Lasker-Schüler, Die kreisende Weltfabrik. Berliner Ansichten und Porträts *

Peter Longerich, Goebbels. Biographie – Ω

Margarete MacMillan, Die Friedensmacher. Wie der Versailler Vertrag die Welt veränderte *

Jörg Magenau, Brüder unterm Sternenzelt. Friedrich Georg und Ernst Jünger. Eine Biographie – Ω

Erika Mann, Mein Vater, der Zauberer – Ω

Jan-Werner Müller, Das Demokratische Zeitalter. Die politische Ideengeschichte Europas im 20. Jahrhundert, 2011, dt. 2013 *

Ernst Nolte, Der europäische Bürgerkrieg 1917-1945. Nationalsozialismus und Bolschewismus *

Wolfram Pyta, Hindenburg. Herrschaft zwischen Hohenzollern und Hitler – Ω

Karl Schlögel, Terror und Traum *

James Sheehan, Kontinent der Gewalt

Heimo Schwilk, Ernst Jünger. Ein Jahrhundertleben

Enzo Traverso, Im Bann der Gewalt. Der europäische Bürgerkrieg 1914-1945

Hans Rudolf Vaget, Thomas Mann, der Amerikaner – Ω

Niels Werber/Stefan Kaufmann/Lars Koch (Hrsg.), Erster Weltkrieg. Kulturwissenschaftliches Handbuch *

Eine erste Lesebilanz gibt es hier (16.11.2015).

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