Der Stechlin von Theodor Fontane

Geburtshaus Theodor Fontane #Literatur #Stechlin

Geburtshaus Theodor Fontane | Gedenktafel an der Löwen-Apotheke

„Mein“ Stechlin ist 1992 bei Manesse in 6. Auflage erschienen, der berühmte Farbstreifen auf dem Schutzumschlag der »Manesse Bibliothek der Weltliteratur« und der Leinendeckel leuchten irgendwo zwischen RAL 2000 (Gelborange) und RAL 8023 (Orangebraun), 1994 habe ich auf dem Vorsatzblatt unter meinen Namen geschrieben. Das Buch ist durchaus ein Lebensbegleiter, mehrmals vollständig gelesen und immer mal ein Kapitel, wenn mir danach war. Außerdem habe ich zweimal die Lesung mit Gert Westphal im Radio gehört, was einem all die Dubslav und Woldemar, Rex und Czako, Koseleger, Krippenstapel, Gundermann, Katzler, Wrschowitz, Tante Adelheid, Melusine und Armgard gleich doppelt ans Herz wachsen läßt.

Zum Schluß stirbt ein Alter, und zwei Junge heiraten sich; – das ist so ziemlich alles, was auf 500 Seiten geschieht.

Mit diesen Worten pries Fontane selbst seinen Roman einer Zeitschrift  zum Abdruck an. Nun ist Handlungsarmut ja heute kein Vorwurf mehr, der dem Erfolg eines Romans abträglich wäre, weshalb ich gerade auch junge Leser ermuntern möchte, zu diesem Buch zu greifen.

Alterswerk und Zeitdokument

Der Autor (30.12.1819-20.9.1898) verhandelt eine Zeitenwende, die sich damals – der Roman erschien 1897/98 in Fortsetzungen und im Oktober 1898 als Buch – immer deutlicher zeigt. Das Neue kommt, und die aus dem Alten kommenden Jungen werden ihm nicht gewachsen sein. Fontane ahnt es, wir wissen es. Aber an der Zeitenwende, an der wir heute stehen, lohnt ein Blick in die Situationsbeschreibung Fontanes allemal.

Gerhart von Graevenitz hat 2014 ein Opus magnum zum Thema vorgelegt: »Theodor Fontane: Ängstliche Moderne. Über das Imaginäre«; eines der letzten Kapitel darin ist dem Stechlin gewidmet. Graevenitz schreibt kluge Dinge, die nach der Lektüre des Romans sehr plausibel klingen. Er betont die strukturierende Wirkung der vielen Gespräche, die Bedeutung von Gemälden, die Gegensatzpaare bei Personen und Orten.

Die Figuren des Romans reden über künstlerische, soziale und politische Fragen, aber auch und nicht zuletzt über Herzensangelegenheiten. Ein munteres Hin und her, bei aller Leichtigkeit des Tons doch anspielungsreich und den Punkt der jeweiligen Kontroverse sicher treffend. Fontane liebt seine Haupt- und Nebenfiguren, er schenkt ihnen Wärme, gibt ihren Ansichten Raum und schildert sie nicht ohne, oftmals sogar mit viel Ironie. Szenarien und Charakterisierungen gelingen dem Autor oft mit ein, zwei Sätzen; doch finden sich auch längere Passagen, die ausholend und wiederholend ihren Gegenstand umkreisen und ihn so noch besser faßbar machen. Gen Ende hin komprimiert Fontane die Erzählzeit drastisch, alles Vergangene ist plötzlich Vorgeschichte und die Gegenwart wird zum Beginn einer scheinbar offenen Zukunft. Deren selbstbestimmte Gestaltung scheint Fontane aber nicht in der Welt, sondern nur am Stechlin möglich.

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Laufen: Update II

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Foto: nw2015

In diesem Jahr bin ich wieder etwas mehr gelaufen (2015: 1.223 km, 2014:924, 2013: 1.129) und habe vor allem an zwei Halbmarathonläufen teilgenommen.

Big25Berlin am 10. Mai 2015: Halbmarathon – 72. Platz in der Gesamtwertung und 5. Platz in meiner Altersklasse in 01:35:22 (Nettozeit) 01:35:26 (Bruttozeit)

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Startfoto: Matt, Jo, Ludwig und ich (v.l.n.r.)

Stadtlauf am 23. August 2015: Halbmarathon – 160. Platz in der Gesamtwertung und 14. Platz in meiner Altersklasse in 01:31:25 (Nettozeit) 01:31:31 (Bruttozeit)

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Nach dem Rennen – Foto: LudwigR2015

Der zweite hatte ein erkennbar schnelleres Teilnehmerfeld, was mir in der zweiten Runde wirklich zu schaffen machte. Alle stehen voll in der Marathonvorbereitung, was es für einen Gelegenheitsläufer wie mich doch sehr hart macht. Aber über meine verbesserte Zeit habe ich mich natürlich gefreut wie ein Schneekönig!

Für meine sommerlichen Morgenläufe habe ich mit der Strecke vom Rathaus Schöneberg zum und um den Fennsee eine Alternative zum Tiergarten entdeckt.

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Foto: nw2015

Bisherige Posts zum Laufhobby:

Laufen

Laufen: Update

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Kurzbesprechung: Nolde in Hamburg, Mann in Lübeck

Nolde in Hamburg, Ausstellungskatalog, hrsg. vonKarin Schick, Christian Ring und Hubertus Gaßner, Prestel: München u.a., 2015, 198 Seiten.

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Foto: nw2015

Der Katalog zur Ausstellung »Nolde in Hamburg«, die vom 18. September 2015 bis 10. Februar 2016 in der Hamburger Kunsthalle gezeigt wird, enthält sehr gute Reproduktionen der ausgestellten Werke und fünf sehr interessante Texte.

Diese drehen sich um dem Hamburgaufenthalt Noldes im Jahre 1910, seine Weiterentwicklung des Hafenbildes als Unterfall der maritimen Malerei, die Beziehungen zur Hamburger Galerie Commeter,  die Rolle der Hamburger privaten Sammler für Noldes Akzeptanz und das Verhältnis Noldes zur Kunsthalle unter den wechselnden Direktoren.

Eine lehrreiche und schöne Ergänzung und Nachbereitung meines Besuchs in der Kunsthalle am 2. Advent.

 

Thomas Mann, Lübeck als geistige Lebensform. Mit historischen Farbaufnahmen von Julius Hollos (1928), hrsg. von Peter Walther, vacat verlag: Potsdam, 2005, 115 Seiten.

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Foto: nw2015

Auch dieses Buch ist eine Reminiszenz an eine Reise, die in diesem Fall schon etwas länger zurückliegt – im Mai 2015 war ich mit Freunden nach Lübeck gefahren.

Der schöne, kleinformatige Band enthält den Vortrag, den Thomas Mann am 5. Juni 1926 im Lübecker Stadttheater aus Anlaß von Feierlichkeiten zum 700. Jubiläum der Reichsfreiheit der Stadt hielt. Die Photographien von Julius Hollos haben einen zarten Ton und zeigen eine ruhige Stadt. Hinweise verbinden die gezeigten Motive mit der Biographie und dem Werk Thomas Manns. Ein längeres Nachwort beschäftigt sich mit der Verwendung von Ironie durch den Autor.

 

Fazit:

Zwei prima gemachte Bildbände mit griffigen Einbänden, gutem Papier, schönen Schriften und sehr guten Reproduktionen.

 

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Der Grund – Roman einer Lebensreise

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Foto: nw2015

Wie oft kann ein Mensch von vorn beginnen? Wie viele Chancen hat man? Und wie oft kann man das eigentlich aushalten? Wie oft kann ich mich häuten, bis nichts mehr von mir übrig ist? (S. 95)

Anne von Canal veröffentlichte ihren Debütroman 2014; er wurde im gleichen Jahr viermal aufgelegt und steht am 10. Dezember 2015 auf dem „Amazon Bestseller-Rang: Nr. 148.165 in Bücher“.

Aufmerksam geworden auf das Buch bin ich vor einiger Zeit über die fesselnde Einschätzung von Uwe, dem Kaffeehaussitzer.

In der Blogosphäre fiel das Urteil – soweit ich sehe – überwiegend positiv aus. Zustimmung gibt es etwa hier und hier. Besonders ausführlich fällt das Lob bei »Lust zu Lesen« aus. Auch »Brasch und Buch« lobt das Buch, kritisiert dabei harsch das Verhalten der Hauptperson. Kurz und zögerlicher der Blick durch die »Leselupe«; ausführlich und zweifelnd gerät diese Einschätzung.

Ich habe meine eigene Einschätzung des Buches im Laufe der Lektüre radikal geändert, mußte alle Notizen und mein Konzept der Rezension über den Haufen werfen (alte Elemente sind eingerückt). Ich war zunächst recht enttäuscht, der Anfang war in meinen Augen okay, aber mich störte auch manches:

Der andauernde Wechsel der Zeitebenen erzeugt gelegentlich eine Hektik, die für mich den Gewinn der stilistisch sicheren Handhabung aufzehrt.  Schweden kommt über eine sehr blasse Kulissenfunktion nicht hinaus, was ich ein wenig schade finde. Aber für meinen Geschmack wiegt schwerer, daß sich die Exposition zu lange hinzieht – ich habe ab einem gewissen Punkt schon gar nicht mehr erwartet, daß noch etwas passiert.

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