Matthias Nawrat, Nowosibirsk

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Foto: nw2017

Matthias Nawrat stammt aus Opole (Oppeln) und kam 1989 als Zehnjähriger mit seiner Familie nach Bamberg. Er studierte zunächst Biologie und danach am Schweizerischen Literaturinstitut in Biel. Sein Debütroman „Wir zwei allein“ (2012) wurde mit dem Adelbert-von-Chamisso-Förderpreis ausgezeichnet und auch die nachfolgenden Romane – „Unternehmer“ (2014) und „Die vielen Tode unseres Opas Jurek“ (2015) – erhielten Preise. Heute lebt Matthias Nawrat in Berlin.

Das im Radius-Verlag unter dem Titel „Nowosibirsk“ erschienene Tagebuch enthält Notate, die während eines vom Goethe-Institut organisierten Aufenthalts in der russischen Stadt entstanden sind und schlaglichtartig Nähe und Fremdheit, Staunen und Unbehagen zeigen. Nawrat, der kein Russisch spricht, dem aber auch seine Polnischkenntnisse nur ahnungsweise Zugang verschaffen, sammelt Eindrücke durch Beobachtungen und deren Interpretationen sowie durch Gespräche mit den ihn betreuenden jungen Frauen.

Der deutsche Schriftsteller polnischer Herkunft verbringt im Rahmen des Regionalprojekts „Literarische Leuchttürme“ vier Wochen in Sibirien. Die Hauptstationen der Autorenresidenz sind Nowosibirsk, Akademgorodok und Krasnojarsk. Eine Woche ist seit der Ankunft von Matthias Nawrat in Nowosibirsk vergangen. In diesem Blog gewährt er einen Einblick in seine Erlebnisse und Eindrücke von der sibirischen Metropole.

Einfühlsam und respektvoll begegnet Nawrat dieser russischen Welt mit einer sowjetischen Prägung; er staunt ob der Vergangenheit, die ihm im nahegelegenen Akademgorodok begegnet und gelangt, wenn es um Politik geht, schnell an die Grenzen seiner Kommunikationsfähigkeit. So wenig er die Vorstellung seiner russischen Gesprächspartner nachvollziehen kann, so wenig gelingt es ihm, die eigenen darzulegen, ohne daß sie in den eigenen Ohren hohl klingen.

Mir fiel bei der Lektüre an vielen Stellen auf – wie auch bei eigenen Aufenthalten in Kasan an der Wolga – wie nah und gleichzeitig fern sich die Lebenswelten von Russen und Westeuropäern sind. Weder im richtigen Leben noch nach der Lektüre kann ich sagen, wie sich das auswirken wird. Ungebrochen ist mein Glaube daran, daß es nur mit Kontakt und gegenseitiger Kenntnisnahme eine Chance auf Verständnis und damit Verständigung gibt. Hierzu bietet die Lektüre des Büchleins oder des oben verlinkten Blogs eine gute Gelegenheit.

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