Aufbruch in die Moderne: Fanny zu Reventlow

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F. Gräfin zu Reventlow (Archiv Monacensia)

Fanny oder (fälschlich) Franziska Gräfin zu Reventlow (*18. März 1871 in Husum, †26. Juli 1918 in Locarno), deren Lebensspanne beinahe mit der des deutschen Kaiserreichs zusammenfällt, lebte ein für ihre Zeit ungewöhnliches Leben. Sie fügte sich nicht in die Konventionen ihres Standes und strebte nach Unabhängigkeit, die sie auch erreichte.

Sie besuchte erfolgreich ein privates Lehrerinnenseminar in Lübeck, wohin die Familie zwischenzeitlich gezogen war, las zeitgenössische Literatur, darunter auch Nietzsche, brannte dann nach München durch und heiratete 1894 „unter ihrem Stande“. Durch ihren Mann kam sie nach München, besuchte dort eine Malschule und fand Zugang in die Schwabinger Bohème. Die Ehe wurde bereits 1897 geschieden; Reventlow bekam kurz darauf ein uneheliches Kind, dessen Vater sie verschwieg. Ihr Sohn Rolf starb 1981 in München.

Reventlow lebte zunächst von Übersetzungsaufträgen des Albert Langen Verlags, der neben deutschen auch skandinavische und französische Autoren veröffentlichte. Später schrieb sie auch für die Satirezeitschrift »Simplicissimus« und andere Zeitschriften oder Zeitungen. Sie arbeitete als Schauspielerin und in anderen, oft schlecht beleumundeten Jobs. Sie hatte zeitweilig Kontakt zu den Kosmikern um Karl Wolfskehl und andere; was sie dort und später anderswo erlebt hatte, floß ein in ihren humoristischen Schlüsselroman »Herrn Dames Aufzeichnungen«.

Im Herbst 1910 verließ sie München und zog an den Lago Maggiore; sie starb im Sommer 1918 in Locarno.

Die von ihr verfaßten Übersetzungen und ihre eigenen (Brief-)Romane erschienen unter der Verfasserangabe „F. Gräfin zu Reventlow“. Geschult am französischen Stil – u.a. von Marcel Prévost – sind auch ihre Veröffentlichungen, die zunächst um die Jahrhundertwende und dann vor allem zwischen 1912 und 1917 erschienen, in einem eleganten Plauderton gehalten. »Herrn Dames Aufzeichnungen oder Begebenheiten aus einem merkwürdigen Stadtteil« befassen sich mit Schwabing und der dortigen Künstlerszene.

Ihn unkonventioneller Lebenswandel machte sie ab den 1970er Jahren für die Frauenbewegung und die Anhänger des sexuellen Revolution interessant. Weitere Informationen hat das Literaturhaus München zusammengestellt.

 

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