2. Bloggeburtstag

Tulpen 1 Foto: nw2014

Tulpen 1
Foto: nw2014

Am 20. Juni 2013 habe ich meine beiden ersten Blogposts geschrieben und veröffentlicht. Nachdem ich den schönen Blog von Tilman entdeckt hatte, ging ich mit der Idee schwanger, den eigentlichen Anstoß gab aber die allgemeine Erregung über die #Neuland-Äußerung der Bundeskanzlerin und ein Tweet von Sigmar Gabriel. Da schrieb ich dann etwas zum Neuland-Begriff und schob gleich eine Kurzrezension zu dem gerade beendeten Buch »Im Bann der Gewalt« hinterher.

Seitdem habe ich viele interessante Blogs kennengelernt, natürlich auch Mr. 54books höchstpersönlich. Außerdem habe ich herausgefunden, daß Menschen, die ich schon kannte, einen Blog haben. Ein Bloggernetzwerk ist entstanden, das mir mit meinem nach wie vor kleinen Blog einen Platz der ersten Hälfte von Tobis beeindruckender Liste verschafft hat. Danke also für die Aufnahme in einige Blogrolls, aber vor allem für die Interaktion, die vielen Anregungen und wertvollen Hinweise.

Und die vielen freundlichen Reaktionen, die ich nach dem ersten Geburtstag bekam, haben mich sehr angespornt. Ich habe Leseprojekte begonnen, die ich in dieser Form ohne Blog vielleicht nicht in Angriff genommen hätte, ich habe mich auf neue Bücher eingelassen (auch angeregt durch einige Rezensionsexemplare, die mich freundlicherweise erreicht haben!) und alte Titel wiedergelesen.

Ich freue mich auf weiteren Austausch und die eine oder andere Begegnung in nächster Zeit.

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Sommerlich leicht VI

Foto: nw2015

Foto: nw2015

Nach zwei Jahren erneut der »Felix« von Jacob Neumer: Ein Spätburgunder Rosé 2014 trocken, mit 12,5%, schön fruchtig mit feinen Erdbeeraromen.

Das Etikett ist neu gestaltet, der Wein sehr ansprechend und ein leichter Sommerwein. 6,90 € ist ein fairer Preis. Erworben habe ich die Flasche in der empfehlenswerten Weinhandlung »Traubenblut«.

Die New York Times schrieb unlängst:

The world loves rosé in summer. And why not? It’s pretty, refreshing and carefree in the best possible way. Yet the public’s easy embrace of rosé often means an uncritical acceptance of anything in pink.

As with all genres of wine, the mediocre is far more plentiful than the good, which is fine if all you want is something chilled, pink and alcoholic.

But if you love wine and care about what you drink, you can raise your rosé game by seeking out wines that are made with integrity and care. They cost more, yes, $20 to $45, with the occasional even more expensive outlier. But what you get are wines that not only dazzle and refresh, but also welcome contemplation, if you’re in the mood. You would not want to serve these in plastic cups at a lawn party, but they would be perfect with an outdoor dinner. Your cookout guests may even do double-takes before asking for another glass.

Diese Plädoyer für den guten Rosé ist sicher berechtigt, und ein richtiger Wein ist mehr als “anything in pink”. Doch unsere Winzer bieten gute Standardqualitäten weit jenseits überseeischer Plastik-Rosés für deutlich unter 20$, finde ich.

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Michael Bulgakow, Ich bin zum Schweigen verdammt

Buchcover: Verlagswebseite

Buchcover: Verlagswebseite

Das zunächst im Jahr 2013 auf Englisch und dann 2015 auf Deutsch bei Luchterhand erschienene Buch enthält ausgewählte Tagebucheinträge und Briefe des sowjetischen Schriftstellers. Die Tagebucheinträge entstanden zwischen 1921 und 1925. Nachdem seine Tagebücher 1926 beschlagnahmt wurden, beendete Bulgakov diese Form der Selbstbefragung und Reflexion. Bis zu seinem frühen Tod im Jahr 1940 schrieb er aber Briefe, um mit Menschen in Kontakt zu bleiben und geistigen Austausch zu pflegen. Der Staatsapparat hatte ihn im Jahr 1929 mit einem Veröffentlichungsverbot belegt und seine Stimme so zum Verstummen bringen wollen.

Das Buch hat 270 Seiten plus 80 Seiten Apparat inklusive sehr instruktiven Erläuterungen zu Leben und Werk Bulgakows, der mir bislang nur durch seinen Roman »Der Meister und Margarita« bekannt ist.

Eindrucksvoll umreißt die knappe Einleitung des britischen Slawisten Roger Cockrell die Situation des Schriftstellers in Stalins Sowjetunion. Das Buch beginnt dann mit einem Brief vom 1. November 1922 aus Moskau an die Mutter, die bald danach stirbt; in der Folge wechseln sich Tagebucheinträge und Briefe ab. Erstere sind in knappen Auszügen wiedergegeben. Armut und Hunger sind beherrschende Themen.

Bulgakov hatte in seiner Heimatstadt Kiew Medizin studiert und im Ersten Weltkrieg als Arzt gearbeitet; auch im Frieden war er zunächst im erlernten Beruf tätig, bis ihn dies zu sehr belastete. Er wandte sich der Schriftstellerei zu, von der er aber lange nicht leben konnte. Als Sproß einer bürgerlichen und europäisch orientierten Familie schrieb Bulgakow im – plötzlich als überholt geltenden – Stil der Vorkriegszeit. Zwar bekämpfte er die Revolution nicht, schrieb aber Kurzgeschichten, die als Satiren auf die neuen, sowjetischen Zustände verstanden wurden. Von da an war er ständig mit den Zensurbehörden in Konflikt. Viele seiner Werke konnten in der Sowjetunion erst in den 1980er Jahren erscheinen.

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Ernst Jünger. Ein Jahrhundertleben. Die Biographie

Die Biographie aus der Feder von Heimo Schwilk erschien zuerst im Jahr 2007, 2014 dann in erweiterter und aktualisierter Neuauflage. Sie ist aus der Dissertation des Autors an der TU Berlin hervorgegangen. Schwilk war Jünger zuerst 1983 persönlich begegnet, ihre freundschaftliche Beziehung dauerte bis zu dessen Tod im Jahre 1998.

Foto: nw2015

Foto: nw2015

Das Buch umfaßt auf 561 Seiten (plus Apparat) 23 Kapitel, drei für Kindheit und Jugend, dann kommt der Erste Weltkrieg mit vier Kapiteln.  Wiederum drei Kapitel für die Zeit bis 1925, dann tritt Hitler in Jüngers Leben. Ihm widmet er am 9. Januar 1926 ein Exemplar des Kriegstagebuches „Feuer und Blut“. Erneut drei Kapitel bis zum Kriegsausbruch, dem Krieg selbst sind drei weitere Kapitel gewidmet. Die restlichen sieben Kapitel behandeln die Zeit von 1945 bis 1998.

Schwilk erzählt flüssig, zitiert aus Briefen, Tagebüchern und Veröffentlichungen und verleiht dem Text damit ebenso Authentizität wie mit dem Hinweis auf Gespräche, die er mit Jünger geführt hat. Das Problem der Filterung und Stilisierung ist ihm natürlich bewußt und er macht es, soweit er kann, auch transparent.

Stilistisch und vom Zugriff her ist das Buch ganz anders als „Brüder unterm Sternenzelt“, die Doppelbiographie über Friedrich Georg und Ernst Jünger von Jörg Magenau, die ich Anfang 2013 las.  Schwilk legt eine klassisch angelegte Biographie vor, nüchterner und eher akribisch. Ein Vergleich der Passagen über die Langemarck-Episode 1917 macht das überdeutlich, weil Magenau dem Bruder Friedrich Georg naturgemäß viel Raum gewährt und ihn nicht nur von Ernst finden und wegtragen läßt.

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