Netzalmanach März 2016

Entdeckt habe ich einige interessante Blogs, die ich noch nicht kannte:

Da wäre zunächst Litterae-artesque, den die drei Autoren so beschreiben: „Dieser lateinische Ausdruck vermittelt die Assoziation zu Literatur und Kunst, was wir für unseren Blog passend fanden.“ Es wird ein breites Spektrum abgedeckt.

Dann disfunctionalliteracy – Mehr als Bücher. Und ein gutes Motto:

First of all, a dysfunctional literate is someone who is perfectly capable of reading high-brow literature but chooses instead to wallow in the muck.  Life is short, and if we’re going to read something, it had better be awesome!

Schließlich Kulturtussi – Kultur aus meiner Sicht. Hier geht es, klar, um Kultur. Das wird aber erfreulich breit verstanden, schließt z.B. die Eßkultur mit ein und erhält interessante Beiträge unter der Rubrik Kaffeehaus. Bravo!

 

Ich hatte den Eindruck, daß ziemlich kontrovers diskutiert und unterschiedlich geurteilt wurde. Ronja von Rönne und ihr Buch mögen dafür als Beispiel dienen. Jedenfalls läuft es mit der PR, vor allem bei Stuckrad-Barre. Dazu befrage man die Suchmaschine seines Vertrauens (ja, genau).

 

Nun noch ein kurzer Hinweis auf drei Blogposts, die mir sehr gut gefallen haben:

Wer schön öfter in den Netzalamanch geschaut hat, weiß sicher, daß ich ein großer Fan von Tobis Blog »Lesestunden« bin. Er liest interessante Bücher, von denen mir sehr viele auch gefallen, und seine Präsentation im Blog ist einfach wunderbar. Liebevolle Beschreibungen des Objekts Buch, sehr gute Fotos mit einem Blick für das Detail überzeugen mich immer wieder. Ein schönes Beispiel dafür stammt zwar aus dem Januar, aber ich habe das Buch im März (ha!) auf meinen Einkaufszettel für April geschrieben, und überhaupt…

Auf »edel&electric« schreiben Mara Giese und (vor allem) Susanne Kasper begeistert und begeisternd über Barcamps und werben für das Literaturcamp am 11./12. Juni 2016 in Heidelberg.

Auf »Von Orten und Menschen« nimmt uns Maren Wulf mit auf einen schönen  Waldspaziergang.

 

Einen anderen Blick ins Netz gibt es u.a. hier: #netzrundschau03/2016

Und schließlich lohnt sich auch immer wieder ein Blick in die Nachdenkseiten Vorgetreten von Robert de Lubomirz-Treter sowie in das derzeit leider nicht fortgeführte Arbeitsjournal Theaterwelten von Michael Stacheder.

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Leseliste 2016 – 1

Im ersten Quartal wurden gelesen:

Postgate, Das Urteil der Zwölf

Krimiklassiker aus dem England der Zwischenkriegszeit.

Hans-Ulrich Treichel, Grunewaldsee

Er war jung und er lebte in Westberlin.

Henry James, Die Europäer

Charmant erzählte Veredelung der amerikanischen Protagonisten durch die Begegnung mit einer fremden Kultur samt anschließender Eheanbahnung.

Karine Tuil, Die Gierigen

Rasante Mischung aus Thriller und Gesellschaftskritik – No risk, no fun!

Pierre Bost, Bankrott

Ein Mann scheitert an sich und der Welt im Paris der 1920er Jahre.

Robert Harris, Imperium

Cicero Superstar. Und wir sind hautnah dabei.

Maeve Brennan, Tanz der Dienstmädchen. New Yorker Geschichten

Kurzweiliger Blick in die Häuser der besseren Kreise.

Sammelrezension der drei vorgenannten Bücher.

Peter Høeg, Der Susan-Effekt

Spannende Geschichte mit Humor und Action. Großartige Übersetzung!

Lea Singer, Anatomie der Wolken

Johann Wolfgang Goethe trifft Caspar David Friedrich.

Helmut Koopmann, Thomas Mann, Heinrich Mann. Die ungleichen Brüder

Ich bin geworden, wie ich bin, weil ich nicht werden wollte wie Du.

 

Aktuell werden (mit mehr oder weniger Unterbrechungen) gelesen:

Jan-Werner Müller, Das demokratische Zeitalter

Fruttero&Lucentini, Das Geheimnis der Pineta

Stiftung Deutsches Historisches Museum (Hrsg.), Kaiser und Kalifen. Karl der Große und die Mächte am Mittelmeer 800, 2014

Karl Christ, Krise und Untergang der römischen Republik, 8. Aufl. 2013

Richard T. Neer, Kunst und Archäologie der Griechischen Welt, Von den Anfängen bis zum Hellenismus, 2012, dt. 2013

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Erste Sätze: Storm, Der Schimmelreiter

Was ich zu berichten beabsichtige, ist mir vor reichlich einem halben Jahrhundert im Hause meiner Urgroßmutter, der alten Frau Senator Feddersen, kund geworden, während ich, an ihrem Lehnstuhl sitzend, mich mit dem Lesen eines in blaue Pappe eingebundenen Zeitschriftenheftes beschäftigte; ich vermag mich nicht mehr zu entsinnen, ob von den „Leipziger“ oder von „Pappes Hamburger Lesefrüchten“.

Theodor Strom, Der Schimmelreiter, 1888, Kommentierte Ausgabe 1970, illustrierte Sonderausgabe, 3. Auflage 1977.

 

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Wolkengucker

Lea Singer, Anatomie der Wolken, Hoffmann und Campe 2015 (Lizenzausgabe Büchergilde Gutenberg)

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Foto: nw2015

Zunächst war ich enttäuscht: „Schlecht!“ lautet das erste Notat, und der angestrichene, das Verdikt begründende Satz gefällt mir noch immer nicht.

In diesem Dezember 1809 hungerte Goethe weder nach Leberpastete noch nach gefüllter Gans, nur nach Zukunft, Verstandenwerden und Liebe. (S. 6)

Das schien mir eine Nähkästchentendenz anzudeuten, klang nach Gefühligkeit und vertaner Lesezeit. Weiterlesen auf Probe, mit wachen Sinnen zwar, um nichts Gutes zu verpassen, aber doch auch absprungbereit. Keine zwei Seiten später war an Absprung nicht mehr zu denken, mit Humor, einem guten, interessant durchgeführten Thema und einer von nun bis zum Ende (fast) durchgängig überzeugenden Sprache hatte mich das Buch gefesselt.

Die Schopenhauer säuerte die süßen Tage. (S. 125)

Hier jauchzt der Freund von »Lotte in Weimar«.

Ja, es geht in diesem Buch um Wolken, aber vor allem um Alt und Jung, um Mann und Frau, Vergangenheit und Zukunft, Klassik und Romantik, Dauern und Vergessen.

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