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Elf Erzählungen aus der Zeit von 1929 bis 1942 auf rund 200 Buchseiten sind hier versammelt. Die Autorin wurde 1903 in Kiew geboren und wuchs in Sankt Petersburg auf, das ihre Familie nach der Revolution in Richtung Paris verließ. Das Französische war ihr als höherer Tochter so vertraut, daß sie ab 1921 schriftstellerisch tätig werden konnte. Insgesamt verfaßte sie fünfzehn Romane, eine Biographie über Anton Tschechow, mehr als fünfzig Novellen sowie Drehbücher und Skizzen für Filme. 1940 hatte die Familie Paris verlassen und sich in ein kleines Dorf in der Provinz zurückgezogen. 1942 wurde Némirovsky nach Auschwitz deportiert, wo sie am 19. August desselben Jahres an Entkräftung verstarb.
Némirovskys Texte wurden rasch veröffentlicht, bis sie im Jahr 1940 mit einem Veröffentlichungsverbot belegt wurde. Sie war erfolgreich, aber nicht unumstritten. Nach dem Krieg wurde sie vergessen. Erst in den 1980er Jahren entdeckten die Töchter das Manuskript des unvollendet gebliebenen Texts „Suite française“, der der vergessenen Autorin neuerliche Aufmerksamkeit bescherte.
Die Texte (übersetzt von Susanne Röckel) besitzen einen ganz eigenen Ton, der mir für eine Autorin der Zwischenkriegszeit recht außergewöhnlich erscheint. Er ist sehr modern, obwohl Vergangenes in all seiner Altmodischkeit stets eine Rolle spielt und Némirovsky mehrfach auf die Zeit während des Ersten Weltkrieges – mitunter auf die davor – zurückgreift. Die hierbei geschilderte sehr traditionelle, ländliche Lebensweise kontrastiert mit den neueren Entwicklungen und dem pulsierenden Stadtleben. Némirovsky schreibt insgesamt direkt, mit einem hohen Diaoganteil. Daß die Autorin vom seinerzeit neuartigen Medium Film begeistert war, merkt man, obwohl diese Herangehensweise heute natürlich völlig vertraut wirkt. In hohem Maße gilt das für die titelgebende Erzählung »Pariser Symphonie« aus dem Jahre 1931: Totale, Zoom, Schnitt. Schnipselartig collagierte Hör- und Seheindrücke rufen gekonnt das Bild der Großstadt hervor. Mit dem Typus des „literarischen Drehbuchs“ oder der „filmischen Novelle“ (Nachwort, S. 214) versucht die Autorin den Roman zu erneuern, stößt dabei aber bei Publikum und Kritik auf wenig Gegenliebe.



