„Wie gehts, sagte ein Blinder zu einem Lahmen. Wie Sie sehen, antwortete der Lahme.“
Georg Christoph Lichtenberg
„Wie gehts, sagte ein Blinder zu einem Lahmen. Wie Sie sehen, antwortete der Lahme.“
Georg Christoph Lichtenberg
Wie lesen Sie? – Gerne!
Gut, das dürfte eigentlich selbstverständlich sein. Ein Leben ohne Bücher ist vorstellbar, aber sinnlos. Ein Blick auf meine Leseplätzchen und Regale mag das verdeutlichen. Und Hintergründe zu meiner Bibliothek gibt es auch.
Aber wie halte ich es nun mit dem Lesen? Wann und wo? Einen Text nach dem anderen? Mehrere gleichzeitig? Papier oder elektronisch?
Die ehrliche Antwort kann nur lauten: Es kommt darauf an – und das sage ich nicht nur als Jurist.
Es gibt keine Tageszeit, zu der ich am liebsten lese. Am ehesten geht es einfach abends, an Home-office-Tagen gerne auch mal am Nachmittag, um wieder auf andere Gedanken zu kommen. Als Kind las ich auch gerne noch im Bett, aber das gewöhnte ich mir ab, als ich während der Schulzeit dann mehrmals übermüdet zu Klassenarbeiten antreten mußte. Ich hatte zweimal, während der Examensvorbereitung und während der Dissertation täglich soviel Lesestoff, daß ich privat kaum noch las. Irgendwie verständlich, aber auch wenig erfreulich. Dem konnte ich mit festen Lesezeiten – abends 30 Minuten – rasch und nachhaltig entgegenwirken.
Am liebsten lese ich private Lektüre zu Hause. Aber natürlich habe ich auch im ÖPNV stets ein Buch dabei, daß ich aber nur bei längeren Strecken auspacke. Im Café mag ich es auch, zu lesen und – angeregt vom Kaffee – Notizen zu machen. Denn viele Bücher lese ich ja aus einem Erkenntnisinteresse, um etwas zu erfahren und mit anderen Leseerfahrungen zu verbinden. Das ist aktuell etwa bei der vielfältigen Lektüre zum Ersten Weltkrieg der Fall.
Als Wissenschaftler sitzt man bei der Arbeit ja oft zwischen wahren Bücher- und Zeitschriftenstapeln, wenn man etwa Gerichtsentscheidungen der letzten Jahrzehnte durchforstet oder herauszufinden sucht, wie sich die Verwendung eines Begriffes über die Jahre ändert. Das hat sich bei mir irgendwie übertragen und ich muß andere Bücher heranziehen, um mich mit einem auseinanderzusetzen (bedenkenswert auch die Erfahrungen des geschätzten Dr. Köllerer). Lexikon und Atlas sollten ja ohnehin selbstverständlich herangezogen werden, aber meist schaue ich punktuell noch in ein zwei, drei andere Bücher zum gleichen Thema oder in verwandte Darstellungen hinein.
Überwiegend lese ich gedruckte Bücher; ich verteufele die E-Reader aber nicht (Lesenswertes zum Thema gibt es bei der BuchGuerilla). Unterwegs haben die Geräte ihre Vorteile. Und gerade wer viel Belletristik „abräumt“ oder generell nicht wieder in die Bücher vom letzten Jahr hineinschaut, mag die Entlastung schätzen. Bei Sachbüchern ist das Hin- und Herspringen zwischen Text und Anmerkungen ebenso angenehm wie die Notizfunktion. Es fehlt natürlich das sinnliche Element, das das Lesen seit Jahrhunderten auszeichnet. Und mir fällt auf: Das Buch ist nicht präsent. Das Schicksal erleiden die Titel, die ich auf dem Reader habe, sehr massiv. Die richtigen Bücher werden schneller gelesen oder zumindest regelmäßig angefaßt. Der Reader liegt gerne mal drei Wochen ausgeschaltet in der Ecke. Aber das ist wohl etwas individuelles und nicht repräsentativ. Für mich bedeutet das jedenfalls nach wie vor: Papier hat Vorrang.
Musikhören beim Lesen? Kommt drauf an. Ich kann bei einer Geräuschkulisse lesen, aber auch, wenn es still ist. Kopfhörerbeschallung würde mich zu sehr ablenken. Und wenn die Musik im Vordergrund stehn soll, wird nicht gelesen. Und beim Interpretationsvergleich – diesmal natürlich mit Kopfhörer! – lese ich ohnehin nur die Partitur.
Das ist natürlich ein großes und spannendes Thema. Beruflich habe ich mich in den vergangenen Jahren durchaus mit den Folgen des Krieges beschäftigt, insbesondere mit dem Völkerbund, dem Ständigen Internationalen Gerichtshof und mit dem Locarno-Pakt, aber nicht mit dem Ereignis selbst. Das hole ich nun auf der privaten Ebene nach und lese eine Reihe der neuen und alten Bücher zum Thema und zur Zeit davor und danach.
Die Zeit vor dem Ersten Weltkrieg habe ich aus einer kulturellen und gesellschaftlichen Perspektive betrachtet, und war und bin von den Verbindungslinien in Vergangenheit und Gegenwart beeindruckt.
Nachfolgend liste ich einige Bücher auf, die ich in diesem Zusammenhang schon gelesen habe oder noch lesen möchte. Teilweise gibt es hier auf den Notizheften dazu auch Anmerkungen.
Und ich mache ein paar – natürlich ziemlich unvollständige – erste Hinweise in die Blogosphäre hinein:
Uwe Kalkowski, der Kaffeehaussitzer, liest und blogt sehr lesenswert zum Thema.
Anmerkungen zu dem wunderbaren Buch von Stefan Zweig, Die Welt von gestern, gibt es bei Tilman Winterling, der mehr als 54books sein eigen nennt, und auch bei Uwe Kalkowski (hier).
Dr. Köllerer gibt uns diesen sachdienlichen Hinweis.
Interessant finde ich auch die Lesevorschläge auf kontrapunkt13blog’s Blog
Ach, Natur, wie sicher und groß in Allem erscheinst du!
Himmel und Erde befolgt ewiges, festes Gesetz,
Jahre folgen auf Jahre, dem Frühling reichet der Sommer,
Und dem reichlichen Herbst traulich der Winter die Hand.
Felsen stehen gegründet, es stürzt sich das ewige Wasser,
Aus der bewölkten Kluft, schäumend und brausend hinab.
Fichten grünen so fort, und selbst die entlaubten Gebüsche
Hegen, im Winter schon, heimliche Knospen am Zweig.
Alles entsteht nund vergeht nach Gesetz; doch über des Menschen
Leben, dem köstlichen Schatz, herrschet ein schwankendes Los.
Nicht dem blühenden nickte der willig scheidende Vater,
Seinem trefflichen Sohn, freundlich vom Rande der Gruft;
Nicht der Jüngere schließt dem Älteren immer das Auge,
Das sich willig gesenkt, kräftig dem Schwächeren zu.
Öfter, ach! verkehrt das Geschick die Ordnung der Tage;
Hülflos klaget ein Greis Kinder und Enkel umsonst,
Steht ein beschädigter Stamm, dem rings zerschmetterte Zweige
Um die Seiten umher strömende Schlossen gestreckt.
Euphrosyne, Erstdruck in Schillers Musenalmanach
für das Jahr 1799 (1800 metrisch überarbeitet)
Münchner Ausgabe Bd. 6.1, 1986, S. 11f.
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