100. Todestag von Frédéric Mistral

Am 25. März 1914 starb Frédéric Mistral (geboren am 30. September 1830), ein Dichter und Linguist aus der Provence. Nach dem Studium der Rechte widmete er sich der provenzalischen Literatur; gemeinsam mit anderen gründete er 1854 die sogenannte Félibrige-Bewegung, die sich für den Erhalt der provenzalischen Sprache in der Literatur einsetzte.

A map of Occitan dialects according to Frederic Mistral, Quelle: Revue Linguistica Occitana, Urheber: Domergue Sumien; www.wikimedia.org

A map of Occitan dialects according to Frederic Mistral, Quelle: Revue Linguistica Occitana, Urheber: Domergue Sumien; http://www.wikimedia.org

Das Verschwinden von Klein- und Regionalsprachen ist weltweit ein bis heute anhaltendes Phänomen, dessen kulturelle Auswirkungen lange unterschätzt wurden; die Herausbildung von einheitlichen Nationalsprachen wurde im achtzehnten und neunzehnten Jahrhundert für wichtiger und kulturell wertvoller erachtet. Diesem Verdrängungswettbewerb waren viele Sprachen nicht gewachsen, ihnen blieb oft nur ein echtes, oftmals kümmerliches Nischendasein. Mistral und seine Mitstreiter veröffentlichten Werke, die an regionale Traditionen anknüpften, Verbindungen zur Antike herstellten, teilweise aber auch dezidiert politische Anklänge hatten. Um in Paris aber überhaupt zur Kenntnis genommen zu werden, mußten die Werke ins Französische übersetzt werden

Mistrals Hauptwerk erschien im Jahr 1859. Es handelt sich um ein Versepos in zwölf Gesängen unter dem Titel „Mirèio“, das von einer reichen Bauerntochter erzählt, die einen armen Korbflechter liebt, um ihre Liebe kämpft und hierfür um göttliche Unterstützung bittet. National preisgekrönt und international beachtet, wurde Mirèio im Jahre 1863 von Charles Gounod vertont. Zwischen 1879 und 1886 erschien „Lou tresor dóu Félibrige“, ein Wörterbuch der provenzalischen Sprache, 1897 dann das Rhonelied („Lou Pouèmo dóu Rose“).

1904 wurde Mistral mit dem Literaturnobelpreis ausgezeichnet; er verwendete das Preisgeld für ein Museum in Arles.

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Kontinent der Gewalt

James Sheehan, Kontinent der Gewalt, Europas langer Weg zum Frieden, 2008, 273 S. plus 40 Seiten Apparat.

Der 1937 in San Franzisko geborene Sheehan war in Stanford Professor für moderne europäische und deutsche Geschichte als der Nachfolger von Gordon A. Craig. Das Buch stellt eine summa seiner späteren Forschungen dar; begonnen hatte er mit Untersuchungen zur Museumsgeschichte.

Die knappe Darstellung ist glänzend geschrieben und gut übersetzt (Martin Richter). In drei Schritten geht Sheehan voran: 1900-1914, 1914-1945 und die Zeit nach 1945. Er folgt damit dem Ansatz, Ersten und Zweiten Weltkrieg in einen engen Zusammenhang zu stellen. Unter dem Paradigma von (militärischer) Gewalt und gesellschaftlicher Gewaltsamkeit ist das nachvollziehbar. Neuere Forschungsansätze plädieren dafür, den Ersten Weltkrieg nicht nur aus der Perspektive des Zweiten Weltkriegs zu erklären – in diese Falle tappt der wohlinformierte Autor freilich auch gar nicht.

Sheehan beleuchtet manche Details sehr interessant. Bei der Zabern-Affäre legt er dar, daß es eine außerordentlich niedrige Toleranzschwelle für öffentliche Gewalt gegeben habe – tatsächlich wurde nur ein einziger Säbelhieb geführt. Während Friedlichkeit und Sicherheit in Europa einen hohen Stellenwert hatten, wurde bei Kolonialkriegen schrankenlos Gewalt eingesetzt. Der Autor führt das auf das Fehlen echter militärischer Ziele zurück, letztendlich sei es darum gegangen, den Willen der kolonisierten Völker durch Terror zu brechen. Die Entfesselung vergleichbarer Gewalt dann im europäischen Krieg sei eine unerwartete Erfahrung gewesen. Churchill sprach von einem „Kampf der Nationen auf Leben und Tod“.

„Ich weiß nicht, was zu tun ist. Das ist kein Krieg,“ so Lord Kitchener als britischer Kriegsminister ratlos an der erstarrten Westfront. Jahrelang wurden hunderttausende junge Männer auf beiden Seiten in den Tod geschickt, nennenswerte Geländegewinne gab es keine. Der im Ergebnis wirkungslose nicht enden wollende Artilleriebeschuß verpulverte jede neue Kriegsanleihe.

Die internationalen Beziehungen waren durch den Krieg vergiftet, Vertrauen zerstört und Kooperation erschwert worden. Sheehan beschreibt die Zwischenkriegszeit als zwanzigjährigen Waffenstillstand. Der dann von Hitler gewollte Zweite Weltkrieg löste keine Begeisterungsstürme, kein Endlich! aus – schließlich hatten die meisten Menschen nun eine Vorstellung von dem, was kommen könnte.

Besonders interessant sind der dritte Teil über den Kalten Krieg und der Schlußabschnitt über die Zeit danach. In Europa, so Sheehans These, sei die einstmals konstitutive Verbindung von Staat und Armee unwiederbringlich dahin, so daß Europa in Gestalt der Europäischen Union zwar ein ziviler Superstaat werden könne, aber keine Supermacht.

Ein Buch, das zum Nachdenken anregt und sich, den Blick erweiternd, gut in mein Leseprojekt zum Ersten Weltkrieg einfügt.

Siehe auch: Enzo Traverso, Im Bann der Gewalt

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Gedicht am Montag

Laue Luft kommt blau geflossen,
Frühling, Frühling soll es sein!
Waldwärts Hörnerklang geschossen,
Mut’ger Augen lichter Schein,
Und das Wirren bunt und bunter
Wird ein magisch wilder Fluß,
In die schöne Welt hinunter
Lockt dich dieses Stromes Gruß.

Und ich mag mich nicht bewahren!
Weit von Euch treibt mich der Wind,
Auf dem Strome will ich fahren,
Von dem Glanze selig blind!
Tausend Stimmen lockend schlagen,
Hoch Aurora flammend weht,
Fahre zu! ich mag nicht fragen,
Wo die Fahrt zu Ende geht!

Joseph von Eichendorff, geboren am 10. März 1788

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Wille zur Form

„Daß der Wille zur Form unsere Definition für Kunst ist, brauche ich wohl kaum zu sagen. Kunst ist niemals etwas anderes als Wille zur Form. Aber etwas anderes ist nötiger zu sagen: Kunst als Wille zur Form ist nur ganz selten da; nur dann, wenn eine neue Zeit reif ist, geformt zu werden, Form zu werden.“

Franz Marc, gefallen am 4. März 1916

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