Goethe am Sonnabend Nr. 16

Zu dieser Zeit kam ein Bildhauer nach Florenz, der Peter Torrigiani hieß, er hatte sich lange in England aufgehalten und besuchte täglich meinen Meister, zu dem er große Freundschaft hegte. Da er meine Zeichnungen und meine Arbeiten angesehen hatte, sagte er: Ich bin zurück gekommen, um so viel junge Leute wie möglich anzuwerben, und da ich eine große Arbeit, für meinen König zu machen habe, so will ich mir besonders meine Florentiner zu Gehülfen nehmen. Deine Arbeiten und deine Zeichnungen sind mehr eines Bildhauers als eines Goldschmieds, und da ich große Werke, von Erz, zu machen habe, so sollst du bei mir zugleich geschickt und reich werden.

Es war dieser Mann von der schönsten Gestalt und von dem kühnsten Betragen, eher einem großen Soldaten, als einem Bildhauer ähnlich; seine entschiedenen Gebärden, seine klingende Stimme, das Runzeln seiner Augbraunen hätte auch einen braven Mann erschrecken können, und alle Tage sprach er von seinen Händeln mit den Bestien, den Engländern. So kam er auch einmal auf Michelagnolo (sic!)  Buonarotti zu reden, und zwar bei Gelegenheit einer Zeichnung, die ich nach dem Carton dieses herzlichsten Mannes gemacht hat.

Dieser Carton war das erste Werk, in welchem Michelagnolo sein erstaunliches Talent zeigte, er hatte ihn in die Wette mit Leornardo da Vinci gemacht, der einen anderen in die Arbeit nahm, beide waren für das Zimmer des Conseils, im Palast der Signoria […]

Leben des Benvenuto Cellini, Florentinischen Goldschmieds und Bildhauers, von ihm selbst geschrieben. Übersetzt und mit einem Anhange herausgegeben von Goethe.
Münchner Ausgabe, Bd. 7, 1991, S. 32.

Veröffentlicht unter Bücher, Literatur, Personen | Verschlagwortet mit , , | Hinterlasse einen Kommentar

Franz Kafka: Die Verwandlung

Der Kaffee ist getrunken. Foto: nw2013

Der Kaffee ist getrunken.
Foto: nw2013

Irgendwann letztes Jahr hatte es mich wieder einmal in meiner Freizeit nach Mitte verschlagen, es war schönes Wetter und ich mit dem Rad aus Schöneberg gekommen. Ein Kaffee, dann ein Bummel, dabei ein Eis, in Galerien und Geschäfte geschaut – und dann natürlich eine Buchhandlung betreten. Im Angebot dort allerlei Bildbände zu Kunst und Film – aber sehr viele Gebiete und Genres, die nicht zu meinen Interessensgebieten zählen. Dazu sehr viele hochwertige Zeitschriften und Magazine. Also schon ein toller, schicker Laden, aber nicht die klassische Buchhandlung.

Der Laden heißt „Do you read me?!“, und über den hauseigenen Blog erfährt man Interessantes über die geführte Literatur, kann aber auch einen guten Eindruck vom Geschäftslokal gewinnen.

Ich kaufte ein Exemplar von Kafkas „Verwandlung“ – allerdings, und das ist die berichtenswerte Besonderheit – in der Version „Das Buch als Magazin“. Das war damals etwas ganz Neues, inzwischen gibt es bereits zwei Ausgaben und eine dritte ist in Vorbereitung. Informationen zum Projekt und den bereits erschienenen Heften gibt es hier.

Das Konzept lautet: Nach dem eigentlichen Text, der mit mehr oder weniger passenden Fotos illustriert und einigen Erläuterungen versehen ist, folgen dann journalistische Beiträge, die in mehr oder weniger stark erkennbarer Beziehung zum Text stehen. Oder, wie es auf der Webseite sehr ähnlich heißt – was ich als Zeichen dafür nehme, daß ich das Konzept verstanden habe -:

„Das Prinzip des Heftes ist leicht erklärt: Im ersten Teil jeder Ausgabe lesen Sie einen Literaturklassiker im Original. Im zweiten Teil stehen Geschichten aus der Gegenwart, die sich deutlich oder vorsichtig auf das Buch im ersten Teil beziehen. Im besten Fall machen wir Ihnen auf diese Weise Lust, alte Bücher neu zu lesen.„

Mein Fazit fällt eher nüchtern aus. Nette Idee, die aber in meinen Augen auf den Coffee-table zielt, weswegen das gute Stück dort jetzt auch liegt.

 

 

Veröffentlicht unter Bücher, Literatur, Zeitschrift | Verschlagwortet mit , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Geburtstag am 1. April: Otto von Bismarck

Es wird niemals so viel gelogen wie vor der Wahl, während des Krieges und nach der Jagd.

Otto von Bismarck (1. April 1815 – 30. Juli 1898)

Veröffentlicht unter Aphorismus, Personen, Politik | Verschlagwortet mit , , | Hinterlasse einen Kommentar

Künstler zu Gast – zu Gast bei Künstlern

signiertes Titelblatt Foto: nw2014

signiertes Titelblatt
Foto: nw2014

Auf den geschätzten Radius-Verlag habe ich hier im Blog ja schon einmal hingewiesen. Heue möchte ich das schöne Bändchen „Künstler zu Gast – zu Gast bei Künstlern“ vorstellen, den zweiten Band, in dem uns Wolfgang Erk einen Blick in seine Gästebücher werfen läßt. Dort beschenken ihn viele Künstler, die er als Verleger und Freund besucht, mit Zeichnungen, Radierungen und zum Teil auch anderen Papierarbeiten.

Das vorliegende Buch ist im Jahr 2012 erschienen und bietet in schöner Reproduktion Eintragungen in diesen Gästebüchern von 2003 bis Anfang 2012. Die meisten der hier vertretenen Künstler haben anschließend in der Zeitschrift „Das Plateau“ Arbeiten präsentiert.

Thomas Hartmann: Viele Einzelne, Zeichnung vom 24. Juni 2011 Foto nw2014

Thomas Hartmann: Viele Einzelne, Zeichnung vom 24. Juni 2011
Foto nw2014

 

Adam Saks, Ölkreidezeichnung vom 25. Februar 2005 Foto: nw2014

Adam Saks, Ölkreidezeichnung vom 25. Februar 2005
Foto: nw2014

Veröffentlicht unter Bücher, Gemälde, Personen | Verschlagwortet mit , , , | 3 Kommentare