Zwei Gedichte über die unerfüllte Liebe

I.

Ein Jüngling liebt ein Mädchen,
Die hat einen andern erwählt;
Der andre liebt eine andre,
Und hat sich mit dieser vermählt.

Das Mädchen heiratet aus Ärger
Den ersten besten Mann,
Der ihr in den Weg gelaufen;
Der Jüngling ist übel dran.

Es ist eine alte Geschichte,
Doch bleibt sie immer neu;
Und wem sie just passieret,
Dem bricht das Herz entzwei.

Heinrich Heine, Herbstzyklus 1822, Nr. IV.

II.

Die Liebe war nicht geringe.
Sie wurden ordentlich blaß;
Sie sagten sich tausend Dinge
Und wußten noch immer was.

Sie mußten sich lange quälen,
Doch schließlich kam’s dazu,
Daß sie sich konnten vermählen.
Jetzt haben die Seelen Ruh.

Bei eines Strumpfes Bereitung
Sitzt sie im Morgenhabit;
Er liest in der Kölnischen Zeitung
Und teilt ihr das Nötige mit.

Wilhelm Busch, Kritik des Herzens, 1874

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Erste Sätze: Bloom, Shakespeare

„The answer to the question ‚Why Shakespeare?‘ must be ‚Who else is there?'“

Harold Bloom, Shakespeare, The Invention of the Human,
1998, S. 1.

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Konzertsaison 2013/2014

Bücher und Musik gehören ja sehr oft zusammen; man erinnere sich nur an Giuseppe Verdi, den Liebhaber Shakespeares und Schillers, der beider Dramen häufig als Vorlage für Opern nutzte und seinen Librettisten stets genaue Vorgaben machte.

Beim Studieren der Einführung zum Briefwechsel zwischen Goethe und Zelter – hier Bücher, dort Musik – fiel mir der Name Johann Friedrich Reichardts (1752-1814) ins Auge. Dieser war 1775 Hofkapellmeister in Berlin geworden, als Nachfolger von Carl Heinrich Graun und Johann Friedrich Agricola. Er hatte über 1786 – Todesjahr Friedrichs II. – hinaus auf der Opernbühne an der traditionellen, dem Vorbild Johann Adolph Hasses verpflichteten Opera seria festgehalten. Im Konzertsaal hatte der König Neuerungen aufgeschlossener gegenübergestanden, so daß Reichardt schon zu dessen Lebzeiten mit den „Liebhaberkonzerten“ (ab 1770) und mit den „Concerts spirituels“ (seit 1783) das Berliner Publikum mit zeitgenössischer Instrumentalmusik vertraut machen konnte.

Die damals noch kurbrandenburgische Hofkapelle wird im Jahr 1570 das erste Mal urkundlich erwähnt, in der Spielzeit 2013/2014 kann die heutige Staatskapelle Berlin (diesen Namen führt sie seit 1919) also ihr 444jähriges Bestehen feiern – Glückwunsch!

In der aktuellen Saison werden Werke von Johann Sebastian Bach bis Elliot Carter erklingen. Bach hatte seinerzeit über ein von Friedrich II. vorgegebenes Thema improvisiert, anschließend eine drei- und eine sechsstimmige Fuge nebst weiteren Bearbeitungen komponiert und im September 1847 unter dem Titel „Musikalisches Opfer“ drucken lassen. Carter (1908-2012), der nach seinem 90. Geburtstag noch über fünfzig Werke komponierte, stand nach 2008 immer wieder auf dem Spielplan der Staatskapelle. Der Bogen reicht also von der für die Kapelle so wichtigen Friedrichzeit – der seinen Architekten Knobelsdorff 1740 mit der Planung eines Opernhauses Unter den Linden beauftragt hatte, das am 7. Dezember 1742 als erstes freistehendes Opernhaus Deutschlands eröffnet worden war  – bis zur wahrhaft zeitgenössischen Musik. Die „Instances“ von Carter werden ihre deutsche Erstaufführung erleben.

Die Konzerte beginnen am 15. (Philharmonie Berlin) bzw. am 16. September 2013 (Konzerthaus Berlin). Auf dem Programm des ersten Konzerts stehen Werke von Lutosławski, Chopin und Verdi. Die Solistinnen sind Martha Argerich (Klavier) und Evelin Novak (Sopran); am Pult steht Daniel Barenboim.

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Erste Sätze: The Federalist

„After full experience of the insufficiency of the existing federal government, you are invited to deliberate upon a New Constitution for the United States of America.The subject speaks its own importance; comprehending in its consequences, nothing less than the existence of the UNION, the safety and the welfare of the parts of which it is composed, the fate of the empire, in many respects, the most interesting in the world. It has been frequentlyrekarked, that it seems to have been reserved to the people of this country to decide, by their conduct and example, the important question, whether societies of men are really capable or not, of establishing good government from reflection and choice, or whether they are forever destined to depend, for their political constitutions, on accident and force. If there be any truth in the remark, the crisis at which we arrived may, with propriety, be regarded as the period when that decision is to be made; and a wrong election of the part we shall act, may, in this view, deserve to be considered as the general misfortune of mankind.“

Publius (Alexander Hamilton), Oktober 1787
Alexander Hamilton/John Jay/James Madison, The Federalist,
The Gideon Edition (1818), neu hrsg. von G.W. Carey/J. McClellan, 2001, S. 1.

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