Konzertsaison 2013/2014

Bücher und Musik gehören ja sehr oft zusammen; man erinnere sich nur an Giuseppe Verdi, den Liebhaber Shakespeares und Schillers, der beider Dramen häufig als Vorlage für Opern nutzte und seinen Librettisten stets genaue Vorgaben machte.

Beim Studieren der Einführung zum Briefwechsel zwischen Goethe und Zelter – hier Bücher, dort Musik – fiel mir der Name Johann Friedrich Reichardts (1752-1814) ins Auge. Dieser war 1775 Hofkapellmeister in Berlin geworden, als Nachfolger von Carl Heinrich Graun und Johann Friedrich Agricola. Er hatte über 1786 – Todesjahr Friedrichs II. – hinaus auf der Opernbühne an der traditionellen, dem Vorbild Johann Adolph Hasses verpflichteten Opera seria festgehalten. Im Konzertsaal hatte der König Neuerungen aufgeschlossener gegenübergestanden, so daß Reichardt schon zu dessen Lebzeiten mit den „Liebhaberkonzerten“ (ab 1770) und mit den „Concerts spirituels“ (seit 1783) das Berliner Publikum mit zeitgenössischer Instrumentalmusik vertraut machen konnte.

Die damals noch kurbrandenburgische Hofkapelle wird im Jahr 1570 das erste Mal urkundlich erwähnt, in der Spielzeit 2013/2014 kann die heutige Staatskapelle Berlin (diesen Namen führt sie seit 1919) also ihr 444jähriges Bestehen feiern – Glückwunsch!

In der aktuellen Saison werden Werke von Johann Sebastian Bach bis Elliot Carter erklingen. Bach hatte seinerzeit über ein von Friedrich II. vorgegebenes Thema improvisiert, anschließend eine drei- und eine sechsstimmige Fuge nebst weiteren Bearbeitungen komponiert und im September 1847 unter dem Titel „Musikalisches Opfer“ drucken lassen. Carter (1908-2012), der nach seinem 90. Geburtstag noch über fünfzig Werke komponierte, stand nach 2008 immer wieder auf dem Spielplan der Staatskapelle. Der Bogen reicht also von der für die Kapelle so wichtigen Friedrichzeit – der seinen Architekten Knobelsdorff 1740 mit der Planung eines Opernhauses Unter den Linden beauftragt hatte, das am 7. Dezember 1742 als erstes freistehendes Opernhaus Deutschlands eröffnet worden war  – bis zur wahrhaft zeitgenössischen Musik. Die „Instances“ von Carter werden ihre deutsche Erstaufführung erleben.

Die Konzerte beginnen am 15. (Philharmonie Berlin) bzw. am 16. September 2013 (Konzerthaus Berlin). Auf dem Programm des ersten Konzerts stehen Werke von Lutosławski, Chopin und Verdi. Die Solistinnen sind Martha Argerich (Klavier) und Evelin Novak (Sopran); am Pult steht Daniel Barenboim.

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