Erste Sätze: Fontane, Effie Briest

In Front des schon seit Kurfürst Georg Wilhelm von der Familie von Briest bewohnten Herrenhauses zu Hohen-Cremmen fiel heller Sonnenschein auf die mittagsstille Dorfstraße, während nach der Park- und Gartenseite hin ein rechtwinklig angebauter Seitenflügel einen breiten Schatten erst auf einen weiß und grün quadrierten Fliesengang und dann über diesen hinaus auf ein großes, in seiner Mitte mit einer Sonnenuhr und an seinem Rande mit Canna indica und Rhabarberstauden besetztes Rondell warf.

Theodor Fontane, Effie Briest, 1896, 1974/1984, S. 1.

Veröffentlicht unter Bücher, Literatur, Orte | Verschlagwortet mit , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Geburtstag am 15. Mai: Arthur Schnitzler

1862 wurde Arthur Schnitzler als Sohn eines Arztes in Wien geboren, wo er nach Schule, Militärdienst und Medizinstudium selbst als Arzt praktiziert, zunächst im Krankenhaus, ab 1893 in einer Privatpraxis.

Schnitzler schreibt – wie viele andere Ärzte – kundig inspiriert durch die seinerzeitigen Entwicklungen in Medizin und Psychologie, aber bekanntermaßen setzen sich praktisch alle Autoren der literarischen Moderne um die Jahrhundertwende mit Freud und seinen Erkenntnissen auseinander.

Dabei fokussierte sich Schnitzler deutlich darauf, sexuelle Wünsche und Phantasien darzustellen: Der Reigen (Erscheinungsdatum: 1900), Fräulein Else (1924) und Traumnovelle (1926) hatten eine ungeheure Wirkung. Die österreichische Zensur verbot die Aufführung des ‚Reigens‘, so daß das Stück erst 1920 in Berlin – ebenfalls mit Hindernissen – aufgeführt werden konnte.

Bei Kriegsausbruch ist Schnitzler – anders als die meisten österreichischen Kulturschaffenden und Intellektuellen – sehr zurückhaltend, was seiner Beliebtheit starken Abbruch tut.

„Jeder Krieg wird unter den nichtigsten Vorwänden begonnen, aus guten Gründen weitergeführt und mit den verlogensten Ausreden beschlossen.“

Späte Ehrungen sind die Präsidentschaft des österreichischen PEN-Clubs (1923) und der Burgtheaterring (1926). Schnitzler stirbt am 21. Oktober 1931 in Wien.

 

Veröffentlicht unter Bücher, Literatur, Personen | Verschlagwortet mit , , , , | 2 Kommentare

Tulpen, nicht nur zum Muttertag

Ich liebe Tulpen!

Tulpen 1 Foto: nw2014

Tulpen 1
Foto: nw2014

Tulpen 2 Foto: nw2014

Tulpen 2
Foto: nw2014

Tulpen 3 Foto: nw2014

Tulpen 3
Foto: nw2014

Veröffentlicht unter Blumen | Verschlagwortet mit , , | 7 Kommentare

Muttertag auf der Opernbühne

Mit meinen beiden Eltern telefoniere ich nicht nur zu Anlässen, wir besuchen uns regelmäßig und Blumengeschenke gibt es häufig. Darum soll es in diesem Post also nicht gehen. Ich habe etwas über Mütter auf der Opernbühne nachgedacht und sagte mir, daß das am heutigen Tag doch gut paßt.

Spontan sind mir eingefallen: Azucena im Troubadour, Norma, Medea, die Königin der Nacht in der Zauberflöte und die Gräfin Waldner in Arabella. Aber auch Amelia im Maskenball ist Mutter. Und „Morrò, ma prima in grazia“ ist ein wunderbares Zeugnis ihrer mütterlichen Gefühle.

Elisabetta di Valois wird Stiefmutter des vormaligen Bräutiams, das ist eine eigene, andere Konfliktlinie. Lady Macbeth wird nicht Mutter und so wird Macbeth zwar König, aber Banquo zum „Vater von Königen“.

Die Hexe Medea tötet die gemeinsamen Kinder mit Jason, um sich an diesem für seine Untreue zu rächen. Die Priesterin Norma plant das gleiche, denn ihr Geliebter  Pollione plant bereits seine Zukunft mit der jüngeren Adalgisa, kann den Mord aber dann nicht begehen.

Azucena muß zusehen, wie die eigene Mutter getötet wird und will als Rache den kleinen Sohn des dafür verantwortlichen Grafen Luna töten, wirft aber versehentlich ihren eigenen Sohn in die Flammen. Hochdramatisch vertont Verdi dann die Beziehung zwischen Azucena und dem an Sohnes Statt aufgezogenen Sohn des Grafen.

Ambivalent auch die Mutterrolle der Königin der Nacht, die in der Mutter-Tochter-Beziehung, aber auch in der Rivalität mit Sarastro gezeichnet ist. Inszenierungen neigen häufig zu einer einseitigen Dämonisierung der Königin und glorifizieren den „edlen Baß“, was ich wenig überzeugend finde.

Veröffentlicht unter Musik, Oper | Verschlagwortet mit , , | Hinterlasse einen Kommentar