Völkerschlacht und Pfarrhaus

Heute stand wieder ein sonntäglicher Museumsbesuch an; mein Weg führte mich in das Zeughaus Unter den Linden nebst anschließendem Pei-Bau. Dieses Mal besuchte ich aber nicht die sehr empfehlenswerte Dauerausstellung, sondern die beiden derzeitigen Sonderausstellungen.

Ausstellungsplakat Foto: nw2013

Ausstellungsplakat
Foto: nw2013

Zuerst „1813 – Auf dem Schlachtfeld bei Leipzig“ aus Anlaß des 200. Jahrestags der Völkerschlacht bei Leipzig. Das Konzept war interessant und als Rundgang durch das Gemälde „Siegesmeldung“ von Johann Peter Krafft konzipiert. Dieses ist eine ikonographische Darstellung, die die verbündeten Herrscher  ins Zentrum stellt und die Heilige Allianz zwischen Österreich, Rußland und Preußen sinnfällig macht.

Die Ausstellung thematisiert auf diese Weise Teilnehmer, Ausrüstung und Schlachtverlauf ebenso wie den Gesamtzusammenhang der napoleonischen Herrschaft über halb Europa und die Erinnerungskultur an die Völkerschlacht. Die gezeigten Objekte – Waffen, Uniformen, Befehle, Proklamationen, Register, Drucke und Stiche, aber auch das Skelett eines von einer Kanonenkugel getroffenen Kavalleriepferds – lassen die Zeit um 1813 anschaulich werden.

Preußische Kanone im Schlüterhof des Zeughauses Foto: nw2013

Preußische Kanone im Schlüterhof des Zeughauses
Foto: nw2013

Der Jurist freut sich über ein Exemplar des Code Napoléon für das Großherzogtum Berg von 1810 und eines der Rheinbundakte. Aber auch Heilige Allianz, Wiener Kongreß und Deutscher Bund finden sich als Folgen der Beendigung von Napoleons Herrschaft dokumentiert.

Büsten von Napoleon, Blücher und Metternich zeigen drei sehr unterschiedliche Charakterköpfe. Trotz der räumlichen Beschränkung eine interessante Ausstellung, fokussiert und vor allem für den vorinformierten Besucher lohnend.

Die zweite Ausstellung, „Leben nach Luther“ betitelt, bot eine „Kulturgeschichte des evangelischen Pfarrhauses“.

Ausstellungsplakat Foto: nw2013

Ausstellungsplakat
Foto: nw2013

Während ich oben bei „1813“ mit einem anderen Besucher und zwei Museumswächtern quasi alleine umherlief, war es bei den Pfarrern schon deutlich belebter. Das überwiegend ältere Publikum könnte durchaus auch einige Pfarrersleute umfaßt haben.

Die Ausstellung zeigte das Pfarrhaus als Lebensform und gesellschaftliche Institution, behandelte seine ökonomischen Grundlagen und seine geistesgeschichtliche Wirksamkeit. Interessant die Gemälde und Photographien aus den Studierstuben der Pfarrer – Leseplätzchen und Shelfies avant la lettre.

Zu den bekannteren Pfarrerskindern zählen Karl Friedrich Schinkel, Friedrich Nietzsche, Horst Wessel (genau der), Gudrun Ensslin und Angela Merkel. Unterschiedliche Zeiten, unterschiedliche Biographien. Das zeigen nicht zuletzt die vielen Pfarrerssöhne, die in den Befreiungskriegen gefochten haben, was den Kreis zwischen beiden Ausstellungen schließt.

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