Dies ist tatsächlich meine erste Begegnung mit dem Autor Javier Marías, der Anfang der 90er Jahre mit »Mein Herz so weiß« in Deutschland bekannt wurde. »Morgen in der Schacht denk an mich« (1994, dt. 1998) ist der achte Roman des Schriftstellers seit 1971, der auch als Übersetzer aus dem Englischen tätig ist. 2012 erschien der Roman »Die unsterblich Verliebten« in deutscher Übersetzung.
Worum geht es?
In Madrid wird eine Ehebruchsszene choreographiert, während der Ehemann in London weilt; der kleine Sohn des Ehepaares hemmt den Fortgang der Amoure. Schließlich stirbt die Frau, ohne daß es zum Geschlechtsakt gekommen wäre. Der Mann verläßt daraufhin die Wohnung und versucht, mit dem Erlebten klarzukommen. Er sucht die Todesanzeige und besucht auch die Beerdigung.
Und danach? Das Buch hat schließlich noch knapp 300 Seiten.
Zunächst einmal wird weitschweifig, aber durchaus amüsant erläutert, daß die Identität des Erzählers in der Maskerade besteht (S. 117-123). Dies erklärt den erzählerischen Gestus der vorangegangenen hundert Seiten – der auch bereits in »Mein Herz so weiß« angewendet wurde, wie ich las, und demzufolge zum Vorwurf der Selbstkopie führte, wie ich ebenfalls las (bei Wolfgang Höbel, s.u.). Dann begegnet der Erzähler dem spanischen König, der als ziemliche Karikatur daherkommt. Wichtiger aber ist ihm, auf diese Weise Kontakt zur Familie der Verstorbenen zu erlangen.



