Before and After Callas

Maria Callas (2. Dezember 1923 – 16. September 1977) war eine Opernsängerin. Ihre Bühnenlaufbahn währte von 1945 bis 1964 (plus Vor- und Ausläufer), ihr Nachruhm ist noch immer groß.

Wer sie je gehört hat, braucht nur diese drei Wörter zu lesen, und er wird sie erneut hören. Wird sie nicht nur wieder hören, sondern auch sehen. Wird vor Augen haben, wie sie zitternd, verzweifelt und haßerfüllt den Polizeichef Scarpia nach dem Preis für das Leben des Mannes fragt, den sie liebt. Wird beim genauen Hinhören spüren, daß sie sich in der Frage schon der Antwort bewußt ist. Scarpia will sie selber; will das, was manche Männer für Liebe halten, will ihre Erniedrigung.

So beginnt Jürgen Kesting sein Buch über Maria Callas (2. Aufl. 1996), und jene drei Worte aus dem zweiten Akt der Oper Tosca lauten: „Quanto? … Il prezzo!“. Was er schreibt ist wahr, jedenfalls für mich. Der Einstieg mit dieser Stelle ist bezeichnend. Denn Maria Callas war eine großartige Darstellerin, die die jeweilige Opernfigur glaubhaft auf der Bühne und auf der Klangbühne lebendig werden ließ. Dies gelang ihr nicht nur in den Gesangsnummern, sondern auch in Rezitativen und Dialogen. Mich begeistert ihre Fähigkeit, eine Figur vollständig zu modellieren.

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Eine illustrierte Lebensgeschichte | Foto: nw2017

Es gab und gibt Sängerinnen mit einer schöneren, wohlklingenderen Stimme, mit einer stabileren Höhe; heute sind auch weit mehr als zu ihrer Zeit sicher in den Auszierungen.

Das Besondere ist, daß ihre Aufnahmen von La Traviata und Tosca, von Lucia di Lammermoor und Norma, ihre Lady Macbeth und ihre Troubadour-Leonora maßstabsbildend wirkten und noch immer wirken. Die uneingeschränkte Verfügbarkeit ihrer Aufnahmen und ihre Präsenz in der kollektiven Erinnerung als Diva des zwanzigsten Jahrhunderts drängen jede Sängerin, die diese Rollen singt, in die Position des Verglichenwerdens. Das ist nicht immer gerecht und auch nicht immer angebracht. Die individuelle Leistung einer jeden Sängerin und eines jeden Sängers, am Abend die Rollen in einer Opernaufführung zu gestalten, ist hoch zu schätzen! Man muß Otello, Wotan oder Aida erst einmal singen – und im deutschen Repertoirebetrieb oft ein paar Tage später noch ganz andere Rollen.

Was sind meine Lieblingsaufnahmen? Unter den Livemitschnitten die Berliner Lucia, die Lissabonner und die Londoner Traviata, Anna Bolena und La Sonnambula aus Mailand und Medea aus Dallas sowie natürlich die Aida aus Mexiko-Stadt. Bei den Studioeinspielungen Lucia und Tosca (beide 1953) sowie Troubadour und Maskenball.

Musikgeschichtlich bedeutsam ist die Sängerin vor allem deshalb, weil sie die Musik, die vor dem Verismo geschrieben worden war, also Rossini, Donizetti, Bellini, die Opern des jungen Verdi, in einer bis Anfang der 1950er Jahre vergessen geratenen Weise sang: in der Technik des Belcanto. Sie holte Werke zurück auf die Bühne und gab den Frauenfiguren eine neue, eigene Existenzberechtigung.

In ihrem großen Jahrzehnt von 1949 bis 1959 hat Maria Callas die Opernwelt verändert.

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