Museum Wiesbaden

IMG_3797Das Museum Wiesbaden geht auf den im Jahr 1829 von Bürgern der Stadt und aus der Region gegründeten Verein mit einem Museum für Naturgeschichte zurück, dem seinerseits eine 1816 formulierte Anregung Johann Wolfgang von Goethes Schwung verlieh – ein ihn darstellen sollendes Denkmal steht deswegen vor dem Portal.

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Goethe als Athlet Foto: nw2015

Nicht ein fürstliches Kuriositätenkabinett steht somit am Anfang der Museumsgeschichte, sondern eine bürgerschaftliche Initiative mit wissenschaftlichem Anspruch. Nachdem das zunähst genutzte Erbprinzenpalais bald zu klein wurde, mußte ein neuer Standort gefunden werden. Der im Jahre 1915 fertiggestellte Neubau nach Plänen des Architekten Theodor Fischer bot den damals bestehenden drei Museen und wechselnden Ausstellungen Platz. Mittlerweile sind die Nassauischen Altertümer ausgegliedert und im heutigen Landesmuseum Wiesbaden (einem von drei hessischen Landesmuseen) sind die Kunstsammlung und die Naturhistorische Sammlung untergebracht.

Anlaß meines Besuches war die Ausstellung »Karl Schmidt-Rottluff – Bild und Selbstbild«, deren Fokus mir reizvoll erschien. Im Berliner Brücke-Museum hatte ich bislang stets andere Perspektiven auf das Werk (auch) dieses Malers angeboten bekommen. Beeindruckend die Vielzahl von Selbstbildnissen durch sämtliche Lebensabschnitte, komplettiert durch ebensoviele Gemälde, die seine Ehefrau zeigen. Ich bin schon gespannt darauf,die Ausstellung im Sommer im Brücke-Museum unter den dortigen Bedingungen zu sehen.

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Entrée des Museums Wiesbaden Foto: nw2015

Es gab eine zweite Sonderausstellung, die sich der Malerei des 19. Jahrhunderts widmete. Unter dem Titel »Aus dem Neunzehnten – Von Schadow bis Schuch« unternahm es die recht komprimierte Ausstellung, die oft geschmähte Vorläuferkunst der Zeit aus sich heraus zu verstehen und mit ihrer eigenen Verarbeitung von Brüchen zu zeigen. Die Präsentation erfolgt recht komprimiert und läßt nach meinem Dafürhalten eines zugegebenermaßen kurzen Rundgangs wenig Erkenntnisse zu. Vielversprechender scheint mir da der stattliche Katalog zu sein, den ich später vorstellen werde.

Die Dauerausstellung zeigt Alte Meister, Klassische Moderne, Moderne und Gegenart. Schwerpunkt der Klassischen Moderne ist das Werk Alexej von Jawlenskys, der von 1921 bis zu seinem Tod 1941 in Wiesbaden lebte und dessen Werk den Nationalsozialisten als entartet galt.

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Halle des Museums Wiesbaden Foto: nw2015

Von Besuchen in meiner Kindheit her erinnerte ich mich aber vor allem an ausgestopfte Tiere, insbesondere einen Löwen. Der schielte zwar nicht wie Clarence aus Daktari, konnte aber dank meines liebevollen Großvaters immer wieder betrachtet werden. Damit ist der Bogen zur eingangs erwähnten Naturhistorischen Sammlung geschlagen, die Gemälde hin oder her, in ihrem neugestalteten Präsentationsformat das absolute Highlight meines Besuches bildete.

Unter dem Titel »Ästhetik der Natur« wird wirklich sensationelles geboten. Farbe, Form, Bewegung, Zeit sind die Themen, unter denen die Exponate zusammengefaßt und grandios präsentiert werden. Ein Löwe ist zwar nicht mehr darunter, aber das tat meiner Begeisterung keinen Abbruch! Ob der Flug der Hockerschwäne oder die Antilopenjagd eines Geparden, Hammerhaie oder Vögel – jedes Exponat hätte ich stundenlang betrachten können. Exotische Schmetterlinge, prähistorische Knochenfunde, Meeresgetier und Käfer – alles wird toll gezeigt und erklärt. Der Katalog für nur zehn Euro ist dank seiner wunderbaren Fotos eine bleibende Gedächtnisstütze.

Mein Fazit:

Ein Besuch lohnt sich!

 

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2 Antworten zu Museum Wiesbaden

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