Frauen im Ersten Weltkrieg

Antonia Meiners, Die Stunde der Frauen zwischen Monarchie, Weltkrieg und Wahlrecht. 1913-1919. München 2013, 135 Seiten.

Der Elisabeth Sandmann Verlag besteht seit dem Jahr 2004 und hat unter dem Motto „Schöne Bücher für kluge Frauen“ zahlreiche Bücher herausgebracht, die vor allem Biographisches und Zeitgeschichtliches miteinander verbinden.

Antonia Meiners legt mit diesem Band nun ihr viertes Buch im ESV vor, das sich der gesellschaftlichen Bedeutung von Frauen und Mädchen in der deutschen Geschichte annimmt und jeweils ein bestimmtes Problem oder Phänomen aus deren Blickwinkel darstellt. Das großformatige Buch changiert im Erscheinungsbild zwischen Coffee-table-book und selbstgestrickten Fotobuch aus der Drogerie. Auch der unter dem vergilbte Papierseiten simulierenden Schutzumschlag hervorlugende giftgrüne Einband (wohl Signalgrün, RAL 6032) ruft bei mir nicht gerade Begeisterungsstürme hervor.

Aber thematisch fügt sich der Band gut in mein Centennariums-Leseprojekt und auch die staatsrechtlichen Fragen von genereller Parlamentarisierung des Reiches und der Einführung des Frauenwahlrechts stoßen auf mein Interesse. Deshalb habe ich mir das mir angebotene Rezensionsexemplar zuschicken lassen und gelesen; hier meine weiteren Eindrücke:

In einer klaren und zielführenden Einleitung, die Kriegsausbruch und -verlauf ebenso wie die gewandelte Rolle von Frauen während des Krieges und danach skizziert, wirft Meiners die Frage auf, ob Frauen insgesamt gesehen zu den Gewinnerinnen des großen Wandels zählen und mit dem Kriege ein neues Jahrhundert der Frauen anbrach.

Es folgen acht thematische Kapitel unterschiedlicher Länge; in fünf davon finden sich nach einer allgemeinen Einleitung dann Porträts von insgesamt 21 Frauen. Es geht um Reaktionen auf den Kriegsausbruch, das Leben an der Heimatfront in Lazaretten und Fabriken, neue Möglichkeiten, den Verlust von Privilegien und um das Frauenwahlrecht.

Interessante Auszüge aus Feldpostbriefen, zeitgenössische Zitate und eine Vielzahl von Fotos geben dem Band einen dokumentarischen Charakter. Die allgemeinen Texte sind informativ und in sachlichem Stil verfaßt, in die Biographien schleicht sich gelegentlich ein gewisser „BUNTE-Ton“. Das ist jetzt nicht weiter schlimm, finde ich, da die dargestellten Frauen ja gleichsam als Heldinnen und Vorkämpferinnen verstanden werden. Gefallen hat mir, daß Meiners auch noch einen Blick auf Leben und Wirken der porträtierten Frauen nach dem Ende des Krieges wirft.

„Zählen also die Frauen Deutschlands und Österreichs gewissermaßen doch zu den ‚Gewinnerinnen‘ des Ersten Weltkriegs? Diese Frage ist nicht klar zu bejahen angesichts der in der Weimarer Republik noch immer vorherrschenden traditionellen Geschlechterordnung. Aber dennoch: Durch die im Krieg gestiegene ökonomische Bedeutung der Frauenarbeit wird − wenn auch langsam − ein Wandel der gesellschaftlichen Stellung der Frau in Gang gesetzt, von dem man heute, nach so langer Zeit sagen kann, dass er am Anfang des ‚Jahrhunderts der Frauen‘ stand.“ (S. 13)

Meiners löst sich damit − wie von Herfried Münkler, Der Große Krieg, Die Welt 1914-1918, 2013, S. 577, gefordert − tendenziell von den Erkenntnissen der älteren Sozialgeschichtsforschung, die den Beginn der Frauenemanzipation in der Kriegszeit entdeckt zu haben glaubte. Sie kann dies aber nur andeuten, ohne das Narrativ ihres Buches zu gefährden.

Insgesamt ein Buch, das ein komplexes Thema anschaulich aufbereitet und als interessanter Einstieg dienen kann.

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