Wie kann man nur #Neuland sagen?!

Was wurde die Bundeskanzlerin verspottet, als sie im Sommer 2013 vom Internet als Neuland sprach. Es gab Häme von echten und selbsternannten Digital Natives, gerne aber auch von Leuten, die Facebook für das Internet halten.

Wer historisch denkt, konnte dem Begriff hingegen durchaus etwas abgewinnen, wie ich in meinem ersten Blogbeitrag schrieb.

Umschlagfoto: Verlagswebseite

Foto: nw2015

Gestern erhielt ich als Gewinn einer Verlosungsaktion das Buch »Wenn Träume erwachsen werden« von Jaron Lanier, sicherlich kein Mensch, der mit dem Internet fremdelt. Im Inhaltsverzeichnis entdeckte ich die Überschrift „Das Grenzland zwischen uns“. Das so überschriebene Kapitel handelt von Informatik als einer Kulturtechnik und von der mangelnden Schönheit von Software, die doch so dringend benötigt werde. Lanier plädiert dafür, die Chance zu nutzen, die darin liege, daß sich unerwartet viele Menschen für Software und Programmieren interessieren. Er prognostiziert, daß die Informatik während der „nächsten fünfzig Jahre“ eine „neue Kunstform“, „ein Massentheater von spontan geteilter Fantasie und Träumen“ schaffen werde.

Das Kapitel schließt mit folgender Passage:

Die Informatik wird dieses Grenzland für die Menschheit erschließen. Natürlich betritt die Wissenschaft auch noch an anderen Orten Neuland, bei der Erforschung des Weltraums oder bei der Hirnforschung etwa. Aber nur unser Grenzland wird immer weitere, bisher unvermutete Potenziale im wertvollsten aller natürlichen Phänomene aufdecken: dem menschlichen Miteinander. (S. 192)

Dieser Text stammt von 1997. Von dort aus gerechnet, steckte man 2013 – ebenso wie heute – noch deutlich in der ersten Hälfte des Prognosezeitraums. Die Rede vom Neuland zeugt also gerade davon, daß man den Prozeßcharakter und die durchaus auch risikobehaftete Offenheit der Entwicklung erkennt und über den virtuosen Gebrauch der Pizza-App hinausdenkt.

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