Shakespeare-Bilder II

In diesem Beitrag soll es einerseits um die Welt gehen, in der sich der Dichter und seine Zeitgenossen bewegten, und andererseits ein kleiner Ausschnitt der Wirkungsgeschichte beleuchtet werden. Neil MacGregor legte „Shakespeares

Foto: nw2014

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William Rogers, 1590: Detail aus "Heinrich VIII. und seine Familie" Foto: nw2014

William Rogers, 1590: Detail aus „Heinrich VIII. und seine Familie“
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ruhelose Welt“ bei C.H. Beck vor.

 

 

 

 

 

 

 

Der Autor des reich bebilderten Buches ist Direktor des Britischen Museums und entwirft in zwanzig Kapiteln ein Kaleidoskop,  in dem wir das England „um 1600“ sehen können. Italiensehnsucht, Reformation, Weltpolitik, dynastische Fragen, Alltagsleben – das sind nur einige der behandelten Punkte.

Jedem Kapitel ist ein Leitobjekt vorangestellt, das dann durch zahlreiche andere Bilder ergänzt und erläutert wird. Der Text ist gut geschrieben und häufig mit passenden Zitaten aus den Werken Shakespeares angereichert.

MacGregor erzählt durchaus mit einem Sinn für Humor, wenn er die britischen Verfassungskrisen der Jahre 1536 und 1936 auf den gemeinsamen Nenner „Sex und Religion“ bringt. Eduard VIII. und Wallis Simpson – nachmalig Herzog und Herzogin von Windsor – lösen ein Problem, das Heinrich VIII mit Anna Boleyn hatte, ganz anders. Aber zur Shakespearezeit sind dann die Nachwirkungen dieses Schrittes spürbar, als mit Elisabeth I eine Königin das Land regiert, die möglicherweise ihre Jungfäulichkeit verloren hatte, dem Land aber keinen Erben schenkte. Der Treasons Act von 1571 hatte es zum Verrat erklärt, über die Nachfolge zu sprechen, aber seit Jahrzehnten stand die Frage im Raum – und bildet deshalb den Subtext vieler zeitgenössischer Texte.

1623 erschien das erstemal eine Ausgabe von Shakespeares Stücken, das „First Folio“. Es enthält 36 Stücke und ist die einzige Quelle für 20 von ihnen. Seit dieser Zeit trat der Autor, traten seine Werke ihren Siegeszug um die Welt an.

Die Robben Island Bible, aus dem Besitz von Sonny Venkatrathnam Foto: nw2014

Die Robben Island Bible, aus dem Besitz von Sonny Venkatrathnam
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Sonny Venkatrathnam war ein führender Vertreter des Afrikanischen Nationalkongresses, der Partei Nelson Mandelas. In der Haft auf Robben Island bat er darum, Bücher kaufen zu dürfen. Er bakam zur Antwort, daß er nur ein Buch haben dürfe.

„Schließlich wurde mir klar, daß nur ein Buch mich für eine Zeit über Wasser halten würde, und das waren die Complete Works of Shakespeare – schließlich war mir klar, daß sie mir niemals erlauben würden, Das Kapital oder so was zu haben.“

Um das Buch in der Zelle behalten zu dürfen, beklebte er den Einband mit Hindu-Postkarten, so daß es als „Bibel“ durchging. Bevor er entlassen wurde, bat Venkatrathnam andere ANC-Häftlinge, eine Passage zu markieren. Am 16.12.1977 markierte Nelson Mandela eine Stelle aus dem 2. Akt von Julius Cäsar:

„Cowards die many times before their deaths: The valiant never taste of death but once. Of all the wonders that I yet have heard, it seems to me most strange that men should fear, seeing that death, a necessary end, will come when it will come.“

Wie hier nur angedeutet werden kann, ist das Buch eine lohnende Lektüre nicht nur im Jubiläumsjahr. Wer eines der Dramen oder Lustspiele liest, sollte den Band in Griffweite haben.

 

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3 Antworten zu Shakespeare-Bilder II

  1. IngridW schreibt:

    Seit „Sätze & Schätze“ das Buch rezensiert hat, liegt es auf meinem Bücherstapel und wartet darauf, gelesen zu werden. Die Rezension jetzt hier macht mir deutlich: es wird allmählich mal Zeit.

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