Familie: Lebens- und Schicksalsort

Celeste Ng, Was ich euch nicht erzählte. #usa #familie

Celeste Ng, Was ich euch nicht erzählte. Foto: Verlagswebseite

Celeste Ng, Was ich euch nicht erzählte, 2014, dt. 2016 (aus dem amerikanischen Englisch von Brigitte Jakobeit), 5. Aufl. 2018, 280 Seiten.

Es ist eine Familiengeschichte aus den USA, die in den 1960er und 1970er Jahren spielt. Die Innenperspektive betrachtet die Folgen einer frühen Eheschließung mit drei nachfolgenden Kindern auf die Karrierepläne einer jungen Frau. Die Außenperspektive zeigt den Rassismus, der der Familie begegnet: der Vater ist Sohn asiatischer Einwanderer, auch seinen Kindern sieht man das an. Abwechselnd aus der Perspektive unterschiedlicher Familienmitglieder erzählt, geht es um die Verwerfungen und Mißverständnisse zwischen Menschen, die sich nahestehen.

Der Erzählrahmen des Debütromans ist klar konturiert, das Geschehen ist um dem Tod der Tochter herum arrangiert und übersichtlich gegliedert und schließlich beleuchten  die Erzählperspektiven mit ihren gut eingebetteten Rückblenden die Geschichte tatsächlich umfassend. Sprachlich gibt es zwischen den Perspektiven der unterschiedlichen Personen keinen Unterschied; es spricht jeweils der allwissende Erzähler.

Marilyn, die Mutter, und Lydia, die Tocher − wessen Lebenspläne, wessen Chancen, wessen Ängste und Einsamkeit geben den Ausschlag? Um welchen Preis kann sich Nath aus der Symbiose mit seiner Schwester lösen? Wer nimmt Notiz von Hannah, der Jüngsten? Hat Vater James irgendetwas im Griff? Was ist Liebe? Daß das fragile Familiengefüge in Auflösung begriffen ist, wird plötzlich offenbar, als Lydia zunächst verschwindet und dann bald klar wird, daß sie tot ist.

Das eingängig geschriebene Buch liest sich rasch herunter – ob das eine Folge des von der Autorin studierten „Kreativen Schreibens“ ist, mag dahinstehen. Der Blick in zwischenmenschliche Abgründe wird letztendlich konventionell erzählt.

Man liebte so sehr und erhoffte so viel, und am Ende hatte man nichts. (S. 238)

Aber die Autorin führt ihre überlebenden Figuren durch eine Katharsis und eröffnet ihnen eine Zukunft und damit Chancen. So, wie es auch Lydia versuchte, aber nicht schaffte.

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