Briefwechsel Hemingway – Fitzgerald

„Freut mich zu erfahren, dass Du verbittert bist, da ich der Meinung bin, dass das die literarische Produktion stimuliert.“

Hemingway an Fitzgerald, ca. 20. April 1926, S. 43

Ein schmales, 159 Seiten umfassendes Bändchen mit recht vielen Fotos. Es wurde herausgegeben von Benjamin Lebert, einem 1982 geborenen Schriftsteller, Autor des Jugendromans „Crazy“ (1999).  Eine mäßige Editionsleistung, der Anmerkungsapparat ist dünn und läßt zu viele Fragen offen, das Vorwort ist recht deskriptiv und vor allem am Schluß beinahe bekenntnishaft persönlich.

Das wiederum findet Paul Ingendaay in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung sympathisch und unerschrocken. Wenn man, wie offenbar Ingendaay viel von beiden Autoren gelesen hat und aus anderen Quellen einiges über sie weiß, gerät die Lektüre der Briefe zweifelsohne zum großen Genuß. Lebert leistet jedenfalls mir keine Hilfe dabei.

Die Briefe, die die beiden Autoren ausgetauscht haben, sind nicht vollständig erhalten, jedenfalls nicht in den zugrundeliegenden Editionen (von denen nur diejenige der Briefe Hemingways genannt wird, woher die Briefe Fitzgeralds kommen, bleibt ein Geheimnis).  Allzuviele Briefe sind es jedenfalls nicht. Es geht überwiegend – und beinahe zu gleichen Teilen – um Klatsch, Alkoholkonsum, Geldsorgen (eigene und fremde) und um Kritik am Werk des jeweils anderen. Beide loben sich gegenseitig, Fitzgerald macht häufig Kürzungsvorschlage.

Hemingway lobt – für mich überraschend – die Buddenbrooks: „ein ganz verdammt gutes Buch. Wäre er ein großer Schriftsteller, wäre es prima.“ (S. 29, Brief vom 15. Dezember 1926). Fitzgerald schreibt: „Spenglers zweiter Band [von der Untergang des Abendlandes [BL]] ist fabelhaft. Nichts sonst ist annähernd so gut.“ (S. 96, Brief vom 28. Dezember 1928)

Dorothy Parker wird einmal erwähnt (S. 108), ebenso wie ihr Mann Alan Campbell (S. 140). Die meisten der übrigen Namen, die genannt werden, sagen mir wenig bis nichts, so daß ich ohne das Hinzuziehen eines Literaturlexikons in dieser Hinsicht kaum Gewinn aus dem Buch ziehen kann.

Ein Fehlkauf also? Gewiß kein Höhepunkt des Lesejahres 2013; aber bis zur nächsten Fitzgerald-Lektüre darf das Buch im Regal stehen, vielleicht sehe ich es ja dann mit anderen Augen. Und vielleicht ermanne ich mich ja doch dazu, „Wem die Stunde schlägt“ wiederzulesen. Oder ich gucke den Film – wegen Ingrid Bergmanns legendärem Kurzhaarschnitt.

Eine schöne Besprechung des Buches gibt es jetzt bei Sätze&Schätze.

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4 Antworten zu Briefwechsel Hemingway – Fitzgerald

  1. saetzeundschaetze1 schreibt:

    „Denk daran, wir Schriftsteller haben nur einen Vater und eine Mutter zum Sterben. Aber lass so ein schönes Material nicht einfach fahren.“
    Teile die Meinung zum Buch: Die Briefe finde ich trotzdem höchst lesenswert und machen mal wieder Lust auf Fitz&Hem, die editorische Leistung ist aber tatsächlich sehr, sehr mager…

  2. nweiss2013 schreibt:

    Stimme zu, die Briefe haben ihren Reiz und lohnen die Lektüre!

  3. saetzeundschaetze1 schreibt:

    Wem die Stunde schlägt – das ist für mich so ein Hemingway`scher Grenzfall: Ab und an auch nah am „Kitsch“, dann wiederum sagenhaft. Und der Film ist natürlich grandios. Wegen Ingrid Bergmann 🙂

  4. Pingback: Ernest Hemingway und F. Scott Fitzgerald – eine Brieffreundschaft | Sätze&Schätze

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