Kaffee oder Tee?

Das ist ja so eine Grundsatzfrage des Lebens. Als Kind mochte ich beides nicht: Kaffee war bitter und Kamillentee gab es bei Bauchweh. Also schlimm. Noch schlimmer war Hagebuttentee, den es im Krankenhaus und Herbergseinrichtungen gab. Gräß-lich!

Denn, um die Kindheitserinnerungen abzuschließen, ich mochte lange Jahre nur Kaba und – nachdem ich mal in der Schweiz war – Ovomaltine. Und abends Malzbier. Karamalz. Man merkt jetzt schon, daß ich ein Markenkind war. Aber so war das halt damals, in der alten Bundesrepublik.

Nun aber zum Tee. Oder zum Kaffee. Beziehungsweise zu beiden. Meine Eltern tranken Kaffee zum Frühstück, ich ab der Sexta schwarzen Tee. Der Kaffee war von Most – zwei Pfund jede Woche -, wurde im Geschäft gemahlen  – Einstellung „Rot zwo“ – und in der legendären Krups T8 zubereitet. Ich weiß das deswegen so genau, weil ich zu dieser Zeit die Frühstückszubereitung übertragen bekam und samstags auch den Kaffee alleine einkaufen gehen durfte. Bei komplexeren Erledigungen wie Metzgerei oder Wochenmarkt blieb mir zunächst nur die Beobachterrolle.

Der Tee hingegen war von Meßmer und steckte in einem Beutel. Erst nach der neugierig machenden Lektüre einiger englischer Kriminalromane, gezieltem Nachschlagen in der Schulbibliothek und einem längeren Gespräch mit meinem Großvater, der den Krieg auf Borkum verbracht hatte und mithin über Vor-Ort-Erfahrungen verfügte, begann ich meine Eltern davon zu überzeugen, daß loser Tee zu besorgen und aufzugießen sei. Von da an wurden regelmäßig 250g „Englischer Frühstückstee“ in robuster Broken-Qualität beim örtlichen Fachhandel erworben.

Während sich mein Teegeschmack im Laufe der Jahre verfeinerte und ich viele Sorten probierte – dabei aromatisierte Wintertees stets klug meidend -, nutzte ich etwa die Volljährigkeit nicht zum Umstieg auf das Erwachsenengetränk Kaffee. Auch der Abiturstreß konnte offenbar anderweitig aufgefangen und Motivation auf anderem Wege hergestellt werden. Über die kulinarische Situation bei der Bundeswehr half ohnehin nur eine gute Tasse Tee hinweg, bei Standorten in Schleswig-Holstein unproblematisch zu besorgen.

Während des Jurastudiums: kein Kaffee. Im Referendariat: kein Kaffee. In der Promotionsphase: kein Kaffee. Aber als Post-Doc? Tatsächlich, offenbar brauchte ich das Erwachsenwerden in diesem Sinne, um zum Kaffeetrinker zu werden.  Natürlich immer noch nicht zum Frühstück, hier ist eine große Kanne Golden Assam Pflicht. Aber um 14 Uhr einen Becher aus der French-Press, nach einem guten Abendessen ein Espresso, gelegentlich ein Milchkaffee – warum nicht.

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