Die Weltreisende: Alice Schalek

Alice Schalek, Reportagen von den Rändern der Moderne. Reiseberichte aus Afrika, Indien sowie Nord- und Südamerika in den 1920er und 1930er Jahren, Wien: Promedia, 2021, 267 Seiten.

Alice Schalek, Reportagen von den Rändern der Moderne | Foto: nw2022

Die im Jahre 1874 bei Wien geborene Autorin wurde als Frontberichterstatterin während des Ersten Weltkriegs weithin bekannt. Bereits 1902 hatte sie einen ersten Roman vorgelegt, 1903 über eine Skandinavienreise und ab 1905 über ihre alpinistischen Erfahrungen berichtet. Aus einer jüdischen Familie kommend, über ihren Bruder mit dem Bergsteigen und dem Sport im Allgemeinen in Berührung gekommen, entwickelte sich Alice Schalek zu einer selbständigen Frau, die zeitlebens unverheiratet blieb.

Weitere Auslandsreisen bis zum Ausbruch des Krieges führten zu Veröffentlichungen und sehr gefragten Vorträgen, da Schalek auch photographierte und ihrem Publikum auf diese Weise zu unmittelbaren Eindrücken verhalf.

Wegen ihrer sehr patriotischen Frontberichterstattung zog sie Kritik von Karl Kraus auf sich. Bis heute ist, so schreibt die Herausgeberin Gabriele Habinger in ihrem Vorwort, die politische Einordnung Schaleks schwierig – zu widersprüchlich sind einige ihrer Positionen.

In den 1920er und 1930er Jahren nahm sie ihre Reisetätigkeit und die darauf fußende Berichterstattung wieder auf; Texte aus dieser Zeit sind in den vorliegenden Band aufgenommen worden.

Schalek erlebt das Andere, dem sie begegnet, intensiv und schildert dieses Erleben pointiert und anschaulich. Sie ist einerseits um Vorurteilslosigkeit und Objektivität bemüht, schreibt aber andererseits unverkennbar aus der Position einer weißen Europäerin, die ihren Gegenstand mit ihren eigenen Erfahrungen – und der ihrer Leserinnen – vergleicht.

Ob sie das Schicksal deutscher Auswanderer nach Südamerika betrachtet oder die Prachtentfaltung an indischen Fürstenhöfen in den Blick nimmt – stets entsteht ein deutliches Bild. In Ostafrika erlebt sie Modernität und Luxus, bei den „Berufsfrauen“ in den USA einen großen Sinn fürs Praktische und kein Bedürfnis nach Eheschließung.

Das Buch – wie insgesamt die Reihe „Frauenfahrten“, in der es erschienen ist – legt Zeugnis ab von Leben und Werk einer interessanten Frau, die ihre Gaben selbstbestimmt nutzt. Leseempfehlung!

Disclaimer: Ich habe das Buch vom Verlag als Rezensionsexemplar erhalten. Dies beeinflußt aber nicht meine Meinung.

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