Ein moderner Mehrgenerationenroman

Anna Katharina Hahn, Aus und davon, 2020, Suhrkamp und Lizenzausgabe für die Büchergilde Gutenberg, 303 Seiten.

Anna Katharina Hahn, Aus und davon | Foto: nw2022

Die 1970 geborene Autorin hat ab 2000 zwei Bände mit Erzählungen und insgesamt vier Romane veröffentlicht; sie wurde vielfach ausgezeichnet. Unter anderem war sie im Jahre 2018 die 34. Mainzer Stadtschreiberin, dabei entstanden Teile des vorliegenden Romans.

Im Zentrum des Mehrgenerationenromans stehen Elisabeth Geiger und ihre zweite Tochter Cornelia. Neben auf deren Kinder Stella und Bruno wird auch auf die Mutter Elisabeths geblickt. Dies wird in drei Erzählsträngen präsentiert, wobei nach meinem Eindruck der Fokus auf Elisabeth lag. Diese hat sich bereit erklärt, während einer spontanen Reise ihrer Tochter Cornelia in die USA auf ihre Enkel aufzupassen. Doch anders als geplant, muß sie diese Aufgabe alleine meistern, denn ihr Mann Hinz, den sie nach einem Schlaganfall pflegt, hat sich spontan für eine neuerliche Reha entscheiden. Dies entpuppt sich freilich rasch als eheliche Auszeit an der Seite einer anderen Frau.

Die frisch geschiedene Cornelia fliegt in die USA, um Abstand zu gewinnen, mal etwas nur für sich zu machen und um auf den Spuren ihrer Großmutter Gertrud zu wandeln, denn diese – so erfahren wir – war in die Staaten ausgewandert. Verbindungsglied zwischen den Generationen ist eine Puppe, der sogenannte Linsenmaier, der nacheinander Gertrud, Elisabeth, Cornelia und nun Bruno als „Trösterle“ dient. Ihm legt Elisabeth die Geschichte der Auswanderung und Rückkehr ihrer Mutter in den Mund und schreibt sie für Bruno auf.

Trennung und Eigenständigkeit, Autorität und Trotz, Geborgenheit und Einsamkeit, Ausbruch und Heimkehr – das sind einige der Themen, die die Autorin auf diese Weise behandelt. Sie vermittelt dabei keine grundstürzend neuen Einsichten, aber sie macht grundlegende Fragen, vor die sich Menschen gestellt sehen, anhand ihrer konkreten Figuren anschaulich.

Der Text ist durch detaillierte Beschreibungen gekennzeichnet, kaum etwas wird der Phantasie des Lesers überlassen. Am Anfang habe ich daher wegen des „Tatortsounds“ etwas gestöhnt, es wirkte alles sehr klebrig, ungewaschen und unaufgeräumt – glücklicherweise tritt dieser Aspekt dann eher in den Hintergrund.

Am Ende ist Blut dicker als Wasser, besinnen sich die Frauen auf ihr Durchhaltevermögen. Und dann wird auch noch der Lebenskreislauf erneuert! Also alles in Butter? Das weiß nicht einmal der Linsenmaier.

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