Zwar weiß ich viel, doch will ich alles wissen!

Stefan Mesch hat Blogfragen für Buchblogger zusammengestellt, die bereits viele Blogger zu interessanten Antworten verleitet haben. Sie bieten Gelegenheit zur Selbstvergewisserung und zum Nachdenken, was ja grundsätzlich gut ist. Hier meine Antworten:

Foto: nw2014

Foto: nw2014

1 Das Lieblingsbuch meiner Mutter:

Als ich ein kleiner Junge war, las meine Mutter Romane von Vicky Baum und Françoise Sagan. »Menschen im Hotel« habe ich dann später aus ihrem Regal geholt und gelesen, daran erinnere ich mich noch. Seit langer Zeit liest meine Mutter nur noch Krimis, abends vor dem Schlafengehen; nicht zu blutrünstig, nicht zu „freizügig“.

 

2 Das Lieblingsbuch meines Vaters:

Mein Vater ist leider ein Nichtleser.

 

3 Ich führe einen typischen Buchblog, weil…

… die Freude am Lesen im Vordergrund steht. Denn ich finde es schwer, ein anderes typisierendes Merkmal zu benennen, so vielfältig, wie ich Buchblogs bislang kennengelernt habe.

 

4 Ich bin anders als die Blogs, die ich gern lese, weil…

… ich immer das Gefühl habe, andere läsen so viel mehr! Außerdem sind viele in der Bloggerszene aktiv, gehen auf Messen und organisieren Events. Ich versuche das zu kompensieren, indem ich auch mal über Musik, Theater und Ausstellungen oder Reisen und Wein schreibe.

 

5 Am Bloggen überrascht mich / beim Bloggen habe ich gelernt, dass…

Das einigermaßen regelmäßige Bloggen ist, gerade auch für einen berufstätigen Menschen,  eine echte Herausforderung. Soll man eher das weite Feld der Neuerscheinungen beackern oder konsequent den eigenen Interessen folgen? Inzwischen denke ich, daß man als Blogger erkennbar hinter dem stehen muß, was, wie und wann man wozu schreibt. Eine etwas ausführlichere Erklärung gibt es hier.

 

6 Helfen Amazon-Rezensionen? Wobei? Wie?

Das kann ich nicht beurteilen.

 

7 Hilft Literaturkritik in Zeitungen und Magazinen? Wobei? Wie?

Sie macht mich vor allem auf Neuerscheinungen aufmerksam, oft auf Titel, die ich von mir au nicht ohne weiteres lesen würde. Volker Weidermann brachte mich beispielsweise einmal dazu, »Isabel« von Feridun Zaimoglu zu lesen, den er den Thomas Mann unserer Zeit nannte. Großer Gott!

Gelegentlich der Diskussion über Blog oder Feuilleton habe ich Feuilletonseiten (und hier) kritisch betrachtet. So schlecht sind sie gar nicht; künden aber auch nicht durchgängig von den Höhen des Olymp.

 

8 Helfen Blogs? Wobei? Wie? Wem?

Mir geben sie oft interessante Hinweise auf Bücher, lassen mich andere Sichtweisen erkennen oder zeigen eine mitunter überraschende Nähe der Eindrücke. Und ich habe schon eine Reihe interessanter Menschen kennengelernt.

 

9 Wahr oder falsch: “Ich blogge vor allem, weil ich mich über Bücher austauschen will und im persönlichen Umfeld nicht genug Menschen habe, mit denen ich das könnte.”

Wahr.

 

10 Mein persönlicher Geschmack und meine Prinzipien beim Lesen und Bewerten:

Meine Favoriten sind vor allem die europäischen Romanciers des 19. und 20. Jahrhunderts, eher konventionell als experimentell. Das gilt vor allem auch für die Sprache, wenn es da zu „frei“ wird, drifte ich recht schnell ab.

Sachbücher müssen etwas mit Geschichte, Kunst oder Kultur zu tun haben und ebenfalls ansprechend geschrieben sein.

 

11 Wer liest mich? Habe ich eine Zielgruppe?

Vor allem zählen andere Blogger zu meinen Lesern. Google spült Menschen zu mir, die nach Gasdanows »Glück« und Manns »Lotte in Weimar« suchen. Ob die zufriedengestellt werden und sich auch noch etwas anderes anschauen, weiß ich nicht.

Insgesamt ist der Kreis aber ziemlich klein und die Resonanz eher gering – was mich aber nicht überrascht –, eine Facebookseite der Notizhefte, die sich in dortigen Buchgruppen zu Wort meldet, führt gelegentlich neue Besucher heran.

 

12 Habe ich Vorbilder?

Zum Bloggen gebracht hat mich in gewisser Weise 54books. Ich schätze außerdem sehr, was der Kaffeehaussitzer und Philea’s Blog machen. Konsequent, in sich ruhend – das finde ich gut.

 

13 Welche Ratschläge würde ich meinem früheren Lese-Ich geben? Kann man lernen, Bücher besser auszusuchen, zu entdecken und zu genießen? Wie?

Ich würde heute früher anfangen, mich mit der Literatur der Bundesrepublik auseinanderzusetzen. In der Schule war das alles so furchtbar politisiert, wie ich damals fand. Die gegen das „Schweinesystem“ anraunzenden Lehrer haben mir vieles vergällt.

 

14 “Verlage brauchen mich für PR. Sie brauchen mich mehr, als ich sie brauche” …oder “Toll! Autoren und Presseabteilungen suchen Kontakt und bieten mir Bücher an. Was für ein Glück!” Was überwiegt?

In Zusammenhang mit dem Blog habe in in zweieinhalb Jahren fünf Bücher angeboten bekommen bzw. angefragt. Ich kann zu diesem Thema nur soviel sagen, daß ich den Blog nicht betreibe, um an Rezensionsexemplare zu kommen.

 

15 Was soll sich tun in meinem Blog und in meinem Leser-/Schreiber-Leben in den nächsten fünf Jahren:

Ich möchte weiterhin Zeit und Lust haben, die Notizhefte zu füllen. Es gibt keinen Businessplan.

 

Bei wieviel Prozent der Bücher, die ich gelesen habe, denke ich danach: Mist. Ich wünschte, ich hätte das nie gelesen…? Steigt oder fällt diese Prozentzahl, Jahr für Jahr. Und: Warum?

Das denke ich selten. Gut, bei »Isabel« vielleicht (s.o.).

 

Bonus: Empfehlungen! (Auswahl)

 

 

Ein Buch, von dessen Gestaltung/Cover/Design sich Verlage eine Scheibe abschneiden könnten:

Die Sachen, die der Mare-Verlag macht, sind richtig gut.

 

 

ein Lieblings-Blogbeitrag (kein ganzer Blog):

Ich finde sehr anregend, was der Kaffeehaussitzer in seinem Leseprojekt zum Ersten Weltkrieg schreibt – vor allem, weil ich ein Leseprojekt zum gleichen Thema verfolge.

 

ein Blogbeitrag von mir selbst, auf den ich stolz bin:

Nicht gerade stolz, aber ich mag diesen Beitrag sehr: 1813 – 1913 – 2013

 

mein erfolgreichster Text/Beitrag:

Gaito Gasdanow, Glück und Musik- und Literaturkritiker: Joachim Kaiser

 

ein Text/Beitrag von mir, der wenig Beachtung fand, aber mehr Beachtung verdient:

Da nenne ich zwei unterschiedliche Texte: Einmal die Besprechung von Ludwig Winders Roman »Der Thronfolger« und dann dies hier über Programmhefte.

 

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5 Antworten zu Zwar weiß ich viel, doch will ich alles wissen!

  1. Berlineralex schreibt:

    Ich gehöre auch zu 2. Ich schaue mir lieber Fotos. Toller Beitrag.👍😀

  2. Petra Gust-Kazakos schreibt:

    Sehr schön, die Antworten : ) So hätte ich sie mir bei dir auch vorgestellt. Man kennt sich ja nicht wirklich, also nur vom Bloggen und Twittern, aber meint dich eine Vorstellung von den Persönlichkeiten zu gewinnen.
    Natürlich fühle ich mich auch sehr geschmeichelt durch deine freundliche Erwähnung, danke dir! Vor allem aber freut mich, dass es okay für dich als Bloggast ist, wenn das einzige Konzept einfach nur das eigene Interesse ist. Das hältst du ja ebenso und das ist auch gut so!
    Liebe Grüße
    Petra

  3. Pingback: Fragebogen für Buchblogger | SchöneSeiten

  4. Silvia schreibt:

    Ich finde den Mare-Verlag auch klasse. Zum Beispiel die Klassiker-Neuauflagen im Schuber…

  5. Pingback: Vom Bloggen | notizhefte

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