Achtundzwanzig Tage und vier Bücher, hier nur vier kurze Hinweise und Einschätzungen:

Wolfgang Schäuble, Erinnerungen. Mein Leben in der Politik, 2024, Klett-Cotta, 650 Seiten.
Fazit: Schäuble saß über 50 Jahre im Bundestag, war mehrmals Minister, war Partei- und Fraktionsvorsitzender, auch Bundestagspräsident. Ein Attentat in den 90er Jahren hat ihn gezeichnet; trotz seiner Querschnittslähmung hat er weiter gearbeitet. Er verbindet Politisches mit Persönlichem und erzählt in diesem gut geschriebenen Erinnerungsbuch von Deutschland und Europa.
Benjamin Lahjusen, “Der Dienstbetrieb ist nicht gestört”. Die Deutschen und ihre Justiz 1943-1948, 2022, C.H. Beck, 384 Seiten.
Fazit: Die Darstellung einer Justiz, die unter Extrembelastung weiterarbeitet und die sich allzu bereitwillig in den Dienst des Regimes stellt, ist anschaulich und spricht für sich. Befremdlich fand ich den nach Investigativjournalismus klingenden Duktus, in dem hier über “die Juristen” oder gar “die Rechtsarbeiter” gesprochen wird. Lahusen ist schließlich selbst entsprechend sozialisiert. Daß der Autor es zudem für nötig hält, seine im Vergleich zu den Vorvätern untadelige Gesinnung und moralische Überlegenheit direkt und indirekt auszubreiten, habe ich als störend empfunden.
Thomas Bauer, Die Vereindeutigung der Welt. Über den Verlust an Mehrdeutigkeit und Vielfalt, 2023, Reclam, 104 Seiten.
Fazit: Stellenweise beschränkt sich das Buch darauf, den Gegensatz zwischen Vielfalt und Einfalt aufzumachen, wobei natürlich klar ist, wo sich der Autor politisch, kulturell und habituell verortet, oft ist es hingegen durchaus fundiert und abgewogen. Aber natürlich ist der Kapitalismus an allem schuld. Insgesamt eher enttäuschend.
Alan Bennett, Così fan tutte, 1996, dt. 2003 (aus dem Englischen von Brigitte Heinrich), Wagenbach, 112 Seiten.
Fazit: Ein ungewöhnlicher Eheroman, in dem die Krisis nicht durch plötzlich entflammtes außereheliches Begehren ausgelöst wird, sondern durch einen absonderlich anmutenden Diebstahl. Unsicherheit und anschließende Schritte aus dem Schneckenhaus führen zu Neuorientierungen, die auch nicht mehr durch die unerwartete Rückkehr in alte Bahnen eingefangen werden können. Reread; ein Buch, das mir auch beim zweiten Mal gut gefallen hat.
