Goethe am Sonnabend Nr. 7

„am 26. Julius

Ja, liebe Lotte, ich will alles besorgen und bestellen; geben Sie nur mehr Aufträge, nur recht oft. Um eins bitte ich Sie: Keinen Sand mehr auf die Zettelchen die Sie mir schreiben. Heute führte ich es schnell nach der Lippe und die Zähne knisterten mir.“

Dieser Eintrag fehlt in der ersten Fassung.

„am 22. Aug.

Es ist ein Unglück Wilhelm, meine tätigen Kräfte sind zu einer unruhigen Lässigkeit verstimmt, ich kann nicht müßig sein und kann doch auch nichts tun. Ich habe keine Vorstellungskraft, keiun Gefühl an der Natur und die Bücher ekeln mich an. Wenn wir uns selbst fehlen, fehlt uns doch alles. Ich schwöre dir, manchmal wünschte ich ein Tagelöhner zu sein, um nur des Morgens beim Erwachen eine Aussicht auf den künftigen Tag, einen Drang, eine Hoffnung zu haben.“

Dieser Eintrag ist gegenüber der ersten Fassung sprachlich leicht überarbeitet, etwa ekeln anstelle von speien, oder Tagelöhner statt Taglöhner; die Interpunktion ist gering verändert, Dir wird hier nun klein geschrieben.

Leiden des jungen Werthers (Zweite Fassung), 1. Buch, 1786
Münchner Ausgabe Bd. 2.2, 1987, S. 383, 395

Goethe am Sonnabend Nr. 6

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