Bedrohliche Zustände

Anne Applebaum, Die Achse der Autokraten, 2024, 206 Seiten (Büchergilde Gutenberg)

Anne Applebaum, Die Achse der Autokraten, 2024 (Büchergilde Gutenberg) | Foto: nw2025

Das Buch der amerikanischen Journalistin Anne Applebaum (*1964), die .mit vielen Preisen ausgezeichnet wurde (u.a. Pulitzer Preis 2004, Friedenspreis des Deutschen Buchhandels 2024), beruht auf einer Serie von Artikeln, die sie in den letzten Jahren in der Zeitschrift The Atlantic veröffentlicht hatte.

Es geht um die Zusammenarbeit von Staaten wie Rußland, China, Saudia-Arabien, Iran, Belarus, Syrien, Venezuela oder Simbabwe, ihrer Führer und Regime untereinander, aber auch um ihre Beziehungen zu westlichen Banken, Unternehmern und Politikern.

Dieses Netzwerk stützt dem Machterhalt der Autokraten, der Grundlage ist für die Bereicherung der Herrschenden und ihrer Günstlinge. Die wechselseitige Unterstützung unter Inanspruchnahme westlicher Dienstleistungen aus Wirtschaft sowie Rechts- und Steuerberatung ermöglicht Straflosigkeit und Geldwäsche. All dies verlängert die Ausbeutung und Unterdrückung in den Ländern der Autokraten und schafft Abhängigkeiten von westlichen Politikern und Wirtschaftsführern.

Zudem gehen die Autokraten, die nichts so sehr fürchten wie das Ende ihrer Macht und ihres schönen Lebens, nicht nur gegen Oppositionsbewegungen in den eigenen Ländern vor, sondern sie unterminieren auch erfolgreich demokratisches Bewusstsein und freiheitliches Denken in der westlichen Welt. Dort haben sie Partner in den rechts- und linkspopulistischen Parteien, die zunehmend an Regierungen beteiligt sind und sich selbst ähnlicher Maßnahmen und Strategien bedienen.

Im Zeitalter digitaler Medien und Informationsverbreitung nutzen die Autokraten virtuos die neuen Möglichkeiten, die sich ihnen bieten. Wo Joseph Goebbels noch selbst ins Mikrophon blöken oder sich der Figur von „Lord HawHaw“ bedienen mußte, bestehen heute ganz andere, unvergleichlich wirksamere Methoden der Einflussnahme und des Säens von Zweifeln.

Das Buch ist trotz des erkennbaren Bemühens um Solidität mitunter etwas flott geschrieben. Es richtet sich an ein freiheitlich-liberales Publikum, unterscheidet sich ansonsten aber kaum von Schriften, die für eine links-grüne Leserschaft die Bedrohung durch Monsanto und die CIA ausbuchstabieren. Mit der zweiten Präsidentschaft von Donald Trump werden die USA sich zumindest zeitweise nicht länger am Abwehrkampf beteiligen, sondern fröhlich mit den Autokraten kooperieren.

Eine interessante, aber leider auch entmutigende Lektüre mit vielen weiterführenden Quellen.

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