Hedda Gabler im Deutschen Theater

Die Theatersaison begann für mich gestern, leider bei strömendem Regen. Im strahlend rot ausgeschlagenen Theaterrund des Deutschen Theaters in der Schumannstraße  versinkt man freilich sogleich in der Welt, die das Stück evoziert.

Hedda Gabler ist eines von Ibsens „Frauendramen“. Mein Schauspielführer (Knaur, von Verner Arpe) resümiert wie folgt:

Hedda Gabler (1890, Ur. 31.1.1891 in München), psychologisch faszinierend gezeichnet, verhält sich in ihrer Heißblütigkeit wesentlich anders [als Ellida in ‚Die Frau vom Meer‘, wo es auch um das Verhalten einer Ehefrau gegenüber dem ehemaligen, wieder auftauchenden Geliebten geht]. Auch sie hat zwar einen Mann aus Berechnung geheiratet, aber als sie ihren eigentlichen Geliebten, den hochbegabten, jedoch versumpften Ejlert Lövborg, wiedertrifft, zögert sie nicht, ihn seiner Frau zu nehmen und ihn aus Eifersucht zum Selbstmord zu treiben – nicht ohne konsequenterweise auch dem eigenen Leben ein Ende zu setzen.

Unter der Regie von Stefan Pucher kommt die Drehbühne zum Einsatz und bringt die Handlung als traumähnliches Als-ob, als Ausbruchsversuch auf die abwechselnd grell-üppig und karg ausgestattete Bühne, gerahmt von der ersten und letzten Szene, die die drückende Enge der bürgerlichen Versorgungsehe des späten 19. Jahrhunderts körperlich spürbar werden lassen.

Störend die häufig an diesem Hause zu beobachtende Tendenz zum Abspielen überlauter Musik, die scheppernd aus einer schwachen Anlage dröhnt und dem Stück ebenso wie Videoeinblendungen der den Text sprechenden Schauspieler oder eines Showdown in einer Western-Stadt meinem Dafürhalten nach wenig Sinnvolles hinzufügt. Die Figuren haben ein Innenleben und reflektieren über ihre Vergangenheit und Zukunft und die gesellschaftliche Ausweglosigkeit im Allgemeinen? Pardauz, darauf würde man als Leser von Ibsen nie kommen!

Die ausgewählte Pressekritik fällt milde, aber auch nicht wirklich begeistert aus. Nach Emilia Galotti und Minna von Barnhelm war das die dritte Produktion am Deutschen Theater, die ich mit Nina Hoss gesehen habe. Sehr gute Leistung! Gefallen haben mir auch Anita Vulesica (Frau Elvsted), Bernd Moss (Amtsgerichtsrat Brack), Alexander Khuon (Eilert Lövborg), weniger hingegen Felix Goeser (Jörgen Tesman, Privatdozent für Kulturgeschichte) und Margit Bendokat (Fräulein Juliane Tesman, seine Tante).

 

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